Guiche wollte ihr ein Pendant dazu zeigen in dem Zimmer der Gräfin Bussy . Erst folgte ihnen Leonce , und wie mir schien , schon mit sehr übellaunigem , wenigstens auffallend blassem Gesichte ; plötzlich aber stürzt er außer sich zurück - die Treppe hinab - ohne mich zu sehen , obwol ich eben erst aus dem Banket-Saale trat , wo ich mit dem Hausverwalter einige Verabredungen getroffen und ihn in dieser Zeit durch die offene Thüre beobachtet hatte . « » Ja , « rief Lucile - » jetzt erinnere ich mich ! Die Anderen hielten es für eine gewöhnliche Galanterie , wie wir sie an Leonce kennen : wir waren nämlich voran gestiegen und schon im unteren Flure , da rief Mademoiselle de la Beaume laut nach Miß Eton , die wir eben vermißten ; und in demselben Augenblicke schrie ich laut auf , weil irgend ein Bewohner dieses feuchten Raumes über meinen Fuß schlüpfte . Das hatte Leonce gehört . Was ist geschehen ? rief er , die Treppe hinauf stürzend ; - wo ist Miß Eton ? Sie stand fast erschrocken neben ihm , und er rief nun : Lucile , ich erkannte Ihre Stimme ! Aber er war so außer sich , daß wir ihn alle auslachten und ich gleich dachte : weder diese fremde Miß Eton , noch Dein Schrei bringt ihn so außer Fassung ! « » Ich zögerte an der Treppe , mit den Domestiken sprechend , « fuhr Armand fort - » um Margot abzuwarten . Da sie aber so wenig , wie Guiche erschien , trat ich in das Zimmer , in welches sie verschwunden waren ; da standen Beide in lebhaftem Gespräche , und eben riß Margot ihre Hand los , die , wie es mir schien , Guiche zwischen den seinigen hielt . Die kleine Unvorsichtige war bei meinem Anblicke ganz außer Fassung ; ich gab ihr den Arm und führte sie hinab . Wir schwiegen aber Beide ; es schien mir , sie war sehr beschämt ; Guiche folgte uns gar nicht und traf erst später bei der Gesellschaft ein . - Von da an ist Leonce aber nicht wieder zu erkennen , und ich muß ihn auffordern , offen mit mir zu reden . Er ist von den Verhältnissen des Grafen Guiche zu gut unterrichtet , als daß er nicht im Stande sein sollte , ihn von seinem unvorsichtigen Werben um Margot abzuhalten . Graf Guiche steht nämlich in diesem Augenblicke sehr unangenehm zur Familie d ' Aubaine . Margots Bruder ist mit Guiche bei demselben Regimente , das Bussy kommandirt ; eine Abtheilung dieser garde du corps hat den Dienst in Versailles ; eine der tausendfältigen Kleinigkeiten , von denen man angenommen hat , daß sie die Ehre eines Offiziers verletzen , glaubt d ' Aubaine von Guiche erfahren zu haben . Diese Dinge dürfen sich nie entkräften , selbst nicht an der innigsten , treuesten Freundschaft ; denn in diesem Verhältnisse waren Beide und eben aus Montreal von einem Besuche bei Margots Eltern zurück gekehrt . Es mußte also Blut fließen ; und obwol Leonce sich bemühte , sie zu versöhnen , forderte doch d ' Aubaine das Duell . Da Vardes sein Sekundant war , ward Leonce der Sekundant von Guiche , und leider ward d ' Aubaine gefährlich verwundet . Du kannst Dir den Zorn Deines Onkels denken , wie er die Nachricht von der Gefahr seines einzigen Sohnes bekam , und wie aufgebracht er auf Guiche war , dem er in der Partheilichkeit des Schmerzes allein die Schuld zuschob ! Jetzt erholt sich der junge Mann und Leonce sucht Guiche mit dem alten Grafen zu versöhnen ; da er den Ersteren sehr liebt und alle Schuld d ' Aubaine giebt . Doch hat er selbst , als Sekundant des Gegners , den Zorn Deines Onkels zu erfahren gehabt ; obwol ich nicht denken kann , daß dies bei dem alten Herrn einen nachtheiligen Einfluß auf unsere Wünsche ausüben wird . « » Nun , dann kann ich auch nicht glauben , daß sich Guiche um Margot bemüht ! « rief Lucile ; - » denn dann kennt er Leonce ' s Wünsche und wird bloß Margot ' s Verzeihung in Bezug auf den Bruder gewinnen wollen . « » Wir können das abwarten ! « rief Armand ; - » doch muß ich mich gegen Leonce erklären - es erregt zu sehr meine Ungeduld . « - Diese Erklärung fand sich jedoch nicht . Die Geselligkeit und Leonce ' s sichtlicher Wunsch , Armand zu vermeiden , hielt die Brüder entfernt . Es war überhaupt eine Störung wahrzunehmen . Zwar waren die Kostüms fertig und bereits angelegt ; aber Elmerice ' s Verschwinden , die traurige Veranlassung desselben hatte die Lustigkeit gelähmt , die man erst von diesem Maskenscherze erwartete . Es war , als ob mit ihrem Ausscheiden sich die Berechtigung dazu vermindert habe , und Mademoiselle de la Beaume erschien am zweiten Morgen in ihrer gewöhnlichen Kleidung und versicherte , sie habe die ganze Nacht von ihrer Toilette Fieber gehabt ; denn Katharina von Medicis habe ihr in Person Unterricht geben wollen , sich ihrem Kostüme gemäß zu betragen , und da habe sie zusehen müssen , wie sie nach und nach in ihrer Seele eine wahre Hölle eingerichtet habe . - So erschienen nur noch die jungen Damen zuweilen bei Tafel in ihren Miedern und niederhängenden Locken , die ihnen allen auffallend schön kleideten . Die Herren hatten dagegen ihre Rollen nicht weiter verfolgt , und die Damen wurden auch nur gelegentlich durch Anrufung ihres Namens daran erinnert . Indessen traf am anderen Mittage die Nachricht ein , der alte Arzt sei angekommen und bereits in den Zimmern der Mistreß Gray . D ' Anville stellte an der äußeren Thüre des Thurmes sogleich einen Diener auf , der den alten Herrn zu ihm führen sollte , wenn er von der Kranken zurückkomme ; und wir überlassen Alle dieser