durch fremde Heftigkeit als durch fremde Gesinnung aufzureizen war , diesen Krieg : gewiß sei nur ihre Abneigung gegen die » Priester « an der zweiten Abneigung gegen die Ehe schuld sei denn das Eheband etwas anders als ewige Liebe , und halte sich nicht jede rechte für eine ewige ? - eine Liebe , die einmal zu sterben glaube , sei schon tot , und die ewig zu leben fürchte , fürchte umsonst - wenn sogar Freunde am Altare verbunden würden , wie irgendwo geschehen soll203 , sie würden höchstens sich nur noch heiliger binden und lieben - man zähle ebenso viele , wo nicht mehrere unglückliche Liebeshändel als unglückliche Ehen - man könne zwar eine Mutter , aber nicht ein Vater sein ohne die Ehe , und dieser müsse jene und sich durch die Sitte ehren - » Ich bin eine Deutsche « ( beschloß sie ) » und achte die alten Ritterfrauen , meine Ahnen , hoch ; selig ist eine Frau wie eine Elisabeth und ein Mann wie Götz von Berlichingen in ihrer heiligen Ehe . « - - Auf einmal fand sie sich selber überrascht von ihrem Feuer und ihrem Strome : » Ich bin ja « ( setzte sie lächelnd hinzu ) » eine pedantische Predigerswitwe geworden ; das macht , ich bin die höchste Obrigkeit von dem Dörfchen und lasse , da fast in jeder Hütte eine glückliche Widerlegung der Ehelosigkeit wohnt , ungern andere Meinungen hier aufkommen . « » O , Mädchen « ( sagte Julienne lustig , weil sie Linda ernst sah ) » sprechen immer mitunter ein wenig von Liebe und Ehe ; sie ziehen sich gern aus einem Brautkranz Blumen . « - » Daraus , wissen Sie , könnt ' ich mir wohl keine nehmen « , sagte Idoine , auf das eidliche Versprechen anspielend , welches sie ihren über ihre enthusiastische Kühnheit argwöhnischen Eltern geben müssen , nie unter ihrem Fürstenstande zu heiraten , was ihr nach ihrer scharfen Gesinnung und Lage so viel hieß als Ehelosigkeit . » Recht hatten Sie indes , « ( verfolgte Julienne und wollte scherzhaft bleiben ) » die Liebe ohne Ehe gleicht einem Zugvogel , der sich auf einen Mastbaum setzt , der selber zieht ; ich lobe mir einen hübschen grünen Wurzelbaum , der dableibt und ein Nest annimmt . « Wider ihre Gewohnheit lachte Linda darüber nicht , sondern ging allein , ohne ein Wort zu sagen , in den Garten und Mondschein hinunter . » Die Gräfin « ( sagte Idoine zur Freundin , bekümmert über die Bedeutung des stummen Ernstes ) » hat uns , hoff ' ich , nicht mißverstanden . « - » Nein , « ( sagte Julienne mit freudigen Mienen über den errungnen Eindruck , den die Rede auf Linda gemacht ) » sie hat die seltenste Gabe , zu verstehen , und das häufigste Unglück , nicht verstanden zu werden . « - » Das ist immer beisammen « , sagte sie , sann nach , sah Juliennen an , endlich sagte sie : » Ich muß ganz wahr sein , ich wußte der Gräfin Verhältnis durch meine Schwester - Freundin , ist Er ihrer ganz wert ? « Eine Frage , deren Quelle die Prinzessin nur in rachsüchtigen Einflößungen der Fürstin suchen konnte . » Ganz ! « antwortete sie stark . » Ihnen glaub ' ich gern « , versetzte Idoine , mit den Lauten eilend , aber mit Blicken ruhend . Sie sah die Schwester Albanos immer länger an - die großen blauen Augen schimmerten stärker - Minervens Helm war vom jungfräulichen Haupte abgehoben - das sanfte Angesicht erschien lieblich , ruhig , klar , nicht stärker bewegt , als es ein Gebet vor Gott erlaubt , und so wenig begehrend wie eine Verklärte , und doch immer himmlischer glänzend . - Juliennens schönes Herz stürmte auf , sie sah Liane wieder , als sei sie vom Himmel gekommen , den geliebten Menschen an einem neuen Herzen einzusegnen ; - sie sagte mit Tränen : » Du , du hast Ihm einst den Frieden gegeben . « - Idoine wurde überrascht - aus ihren hellen Augen drangen zwei Tränen - mit Nachdruck antwortete sie : » Gegeben « - erschrocken und heftig drückte sie sich an die Freundin - sagte : » Ich liebte Sie schon lange « , und weiter sprachen sie nichts . Schnell faßte sie sich - erinnerte Julienne an Lindas Nachtblindheit - und bat sie geradezu , ihr als ihre Freundin nachzugehen , ob sie gleich selber gern ihr dieses Verdienst abstehlen würde , wenn sie dürfte . Julienne eilte in den Garten , fühlte es aber nach , daß Idoine ihr Du nicht erwidert hatte . Idoine mied das weibliche Du ; ungleich den Orientalerinnen , welche vor Verwandten den Schleier weglassen , nahm sie , wie ihre Französinnen , sogar in die Herzlichkeit die zarten Gesetze der Politesse herüber . Julienne fand ihre Freundin im Garten in einer dunkeln Laube still , mit tief gesenkten Augen , in Träume eingegraben . Linda fuhr auf : » Sie liebt Ihn ! « ( sagte sie mit Schmerz und Feuer ) » Hör es , Julienne , Sie liebt Ihn ! « - Diese konnt ' ihr über das Aussprechen einer Wahrheit , mit der sie gerade aus Idoinens Armen gekommen war , nichts als ihr Erschrecken zeigen ; aber Linda nahm es für Erstaunen und fuhr fort : » Bei Gott ! - Mein Blick hat sie aufgehascht . O sonst war sie weit nicht so lebhaft und ernst und rührbar und weich - Ihre innerste Bewegung bei meinem Erblicken - und ihr Weinen bei Roquairols Stimme , weil sie seiner gleicht - und ihre lange feurige Hochzeitpredigt - Und die Seelenblicke auf mich - o hat sie Ihn denn nicht im großen herrlichen Augenblick gesehen , da der Blühende weinend kniete und das göttliche Haupt gen Himmel hob und die Verklärte