Fortschrittszeitung « und den hochconservativen » Botschafter « . Beide Mistblätter haben geschworen , meinen Dichternamen nie mehr zu erwähnen , weil ich mit den Herrn Redakteuren am Biertisch mehrfach Conflikte gehabt hätte ! ! Der Chef der » Privilegirten Fortschrittszeitung « will jedoch in weiser Schonung nie aus eigener Initiative etwas Bosartiges über mich bringen . Beileibe nicht aus Furcht , o nein ! Sollte aber ein anderes Blatt über mich herfallen , so wolle er es eiligst abdrucken . ( Aha ! ) So meldete , er einem » guten Freunde « neulich beim Skatspiel . Biedermann ! 13 ( schreibe : Dreizehn ) Bücher von mir hat es nun todtgeschwiegen , dies Blatt von ehernem Schlage ! Früher posaunte es mich allerdings mal als Zukunftsgenie aus . Nun , » andre Zeiten , andre Ansichten « - wie der Chef der » Berliner Tagesstimme « so schön zu sprüchwörteln pflegt . Bravo ! Giftiger Unrath bezeichnet , ja die Spur des Faulthiers , o gieriger Vielfraß , den man Presse nennt ! Löbliche Hunde ! Wollt ihr gütigst üben Um diesen Knochen des Skandals Gekläff ? » Nicht doch ! Todtschweigend beißt ihn in die Waden ! « Knurrt der erfahrene Scheeren-Chef . Dies Büchlein ich gehorsamst dedicire Den hochgeschätzten Scheerenschleiferein . Da ! Zum Todtschweigen reich ' ich euch den Bissen Und einen Fußtritt obendrein . Das Leben eitel ist und undankbar . Den Adler überkrächzt der Krähen Schaar . Gegängelt von bestochener Wichte Rath , Bestaunt der Pöbel , was die Ohnmacht that . Der Stümper bunte Jahrmarktsschilderein Sind blindem Unverstand ein Heiligenschrein . Der Tod jedoch gräbt aller Lüge Grab Und alle Schminke reißt er jählings ab . Der Mensch und jede Fälscherkunst vergeht . Das Werk alleine und die Kunst besteht . Die Schlachtendonner habt Ihr wohl gehört Von Königgrätz , von Sedan und von Wörth . Den Donner aber hören werd ' ich nicht , Der Euren Größenwahn in Stücke bricht . Diese Menschen machen alle aus mir , was sie wollen . Die Schufte sehen in mir einen Schuft wie sie selber , die Ideologen in mir einen Ideologen . - Sei nie deiner Brüder Tyrann , aber auch nie ihr Narr ! Ich aber bin zugleich ihr Tyrann und ihr Sklave , und oft ihr Hausnarr . Seltsames Räthsel ! Kein Wörtchen wird heut so üppig mißbraucht wie das Epitheton » vornehm « . Man redet ja am liebsten von dem , was man nicht ist und hat . » Ein vornehmer Charakter ! « » Wie vornehm diese Kritik gehalten ist ! « Derlei übersetzt man aus dem Literarischen ins ehrliche Deutsch : » Ein geriebener Virtuose der Lebensklugheit ! « » Ein schlaues Pröbchen händewaschender Interessenpolitik , die ihre Motive sorgfältig verschleiert ! « Wie ich von Herzen bedaure , daß ich in meinem berechtigten Grimm dem einzigen Wahlverwandten , den ich jemals fand , Karl Schmoller , so harte Dinge sagen mußte ! Und waren sie denn wirklich ganz gerecht ? Soll man sich wundern , daß ein so bedeutender Mensch in ewiger Wuth gegen alles Bestehende sich verzehrt ? Drückt ihn nicht wirklich die Noth , die grause Noth des Lebens ? Freilich merkt man ja nichts davon , denn er selber befindet sich äußerlich kreuzfidel . Doch wer kann ins Innere eines Menschen und hinter die Coulissen schauen ! Und im Grunde - leidet er nicht einfach an derselben Krankheit , die auch mich vergiftet ? Wenn mich meine höhere Bildung in Sphären erhebt , wo die Gemeinheit des Lebens mich nicht mehr erreichen kann , so wäre es unbillig , von ihm das Gleiche zu fordern . Er sieht sich nur als Urkrast in einen Knäuel niedriger und widriger Verhältnisse verstrickt , sieht um sich her die Büberei triumphiren und wird zerrieben im Kampf mit den schmutzigen Sorgen des Alltagslebens . Es ist wahr , über die Menschen hat er sich wahrlich nicht zu beklagen . Jeder suchte sich ihm dienstbereit zu zeigen , Jeder bewies ihm äußerste Geduld und nur seine empörende Brutalität verschuldete es , wenn man ihn fallen ließ . Seine Natur zwingt ihn förmlich , Jeden vor den Kopf zu stoßen und überall Unfrieden zu stiften . Er ist ein Sprengstoff , dessen Nähe man flieht . Doch wie erklärt sich alles das aus den Verhältnissen ! Muß es diesen Menschen nicht rasend machen , wenn dummdreiste Unfähigkeit über ihn wegtrampelt , wenn man nur an den Schlacken seiner formellen Unbehülflichkeit haften bleibt , statt in den inneren Kern seiner wilden Genialität zu dringen ? unglücklicher Mann , dessen düstern Groll ich mitempfinde , ob er auch wie ein rußiger Titane allein abseit steht und nie dem olympischen Donnerer sich beugt ! Er verkörpert gleichsam das Elementare des Irdisch-Thierischen , wie ich das Elementare des Transcendental-Dämonischen . Die Andern alle sind Schein-Puppen . Und die Hauptsache , bleibt eben doch immer , daß man überhaupt elementar sei , das Element eines wirklichen Seins in sich trage . Und darum , ob ich ihn auch hassen sollte , wurzelt in mir eine unzerstörbare Sympathie für diesen einzigen Wahlverwandten , diesen Bastard-Halbbruder meiner Wesenheit . Wer weiß , ob nicht trotzalledem in ihm unbewußt ein gleiches Gefühl schlummert ! Wohl erkenne ich , daß solche Naturen vulkanischem Granit vergleichbar sind : Das Feuer sprengt sie , aber schmelzt sie nicht . Mit all seinen Mängeln und Schwächen und Sünden kämpft er ja dennoch für sein gutes Recht . Das Recht des Werdens aus dem Recht des Seins . Man will , dieweil man muß , muß , weil man will . Ja , Recht , das Recht - du wunderbares Wort , so unergründlich wie die Ewigkeit ! Dies das Gesetz , nach dem die Sterne in vorbestimmter Ordnung schweben , - das gleich mächtig in jedem Einzelwesen wirkt , - das , wo das Chaos in die Schöpfung mündet , zuerst den Keimtrieb in die Welt gepflanzt : Sein Recht zu