sehr lieb gehabt - und gemäß dieser Liebe - hatte ich mir die Zukunft ausgemalt . Das ist nun vorbei .... Sie dürfen mir glauben , meine Buße wird kein Gaukelspiel sein . « Tränen traten in ihre Augen ; aber sie schüttelte sie von den Wimpern und rief : » Heil mir ! ich darf das Kreuz umfangen ! « » Nein ! « rief Orest , » wirf es weg ! es kostet Dir Tränen ! « » Es hat meinem Erlöser sein Blut gekostet : ich behalte es ... und ich hoffe , Orest , es kommt der Tag , wo auch Sie es annehmen werden . « Er hub bitter zu lachen an . Judith machte eine Bewegung , in den Salon zu gehen . Er stürzte ihr in den Weg und rief : » Barmherzigkeit ! verlaß mich nicht .... nicht so plötzlich .... nicht gleich ! Versprich mir das ! « » Ich verspreche nichts , Orest , ich weiß ja selbst noch gar nicht , was aus mir wird . « » Ha ! « rief er , » Du weißt es nicht - aber ein anderer wird es wissen ... Dein Priester , nicht wahr ? Der soll über Dich bestimmen , und Du , der Unabhängigsten eine , willst ihm folgen , wie ein unmündiges Kind ! Liebst Du ihn denn so grenzenlos ? « » Man muß gewiß eine grenzenlose Liebe zu Gott haben , « entgegnete sie sanft , » um auf Kundgebung des göttlichen Willens zu harren , wenn man gerne einen raschen Entschluß fassen möchte . « » Mich zu verlassen - schon heute - nicht wahr ? « rief er in fürchterlicher Aufregung . » Nein , « sagte sie , » heute nicht .... gewiß nicht . Und jetzt begleiten Sie mich in den Salon . « Er folgte ihr . Aber er ging hindurch und zu Florentin . Die Taufe Judith hatte an Lelio sagen lassen , sie wünsche am Nachmittag die Katakomben von St. Sebastian in seiner Begleitung zu besuchen und sie werde ihn abholen . Um zwei Uhr empfahlen sich die Leute , die bei ihr waren , und ihr Wagen fuhr in die Einfahrt an die Treppe . Als sie mit Madame Miranes hinabgehen wollte , stürzte Orest ihr aus Florentins Zimmer leichenblaß und aufgeregt entgegen und rief : » Wohin , Judith ? .... wohin ? « » Nach den Katakomben . Wollen Sie uns nicht begleiten ? « erwiderte Judith . » Nein , ich danke Ihnen ! ich kann nicht ! aber wann kommen Sie wieder ? « » Gegen sechs Uhr , zur Eßstunde . « » Gut ! « sagte er und trat in Florentins Zimmer zurück . » Was fehlt dem Grafen Orestes ? er sieht zum Erschrecken aus , « sagte Madame Miranes . » O ! er ist sehr zu beklagen ! « seufzte Judith . Da Madame Miranes die unterirdischen Expeditionen , wie sie sie nannte , und den Qualm der Pechfackeln verabscheute , so ließ sie sich von ihrer Tochter zu einer Bekannten bringen , so daß Judith zu ihrer größten Freude mit Lelio allein war und ihm ungestört alles mitteilen konnte , was seit gestern ihr begegnet war und was sie unwiderstehlich zum Entschluß drängte . » Hab ' ichs Ihnen nicht prophezeit ! « rief er frohlockend ; » durch das Auge der Welt erkennen Sie die göttliche Wahrheit . « » Ja , « sagte Judith mit einem Anflug von Traurigkeit , der noch der gefallenen Natur angehörte ; » ja , die Erkenntnis des Göttlichen erheischt Bekenntnis . Kein edles Herz verleugnet seine heiligsten Überzeugungen ... denn kein edles Herz lügt . Aber Lelio , es kostet mich mein Erdenglück . Ich spreche das nicht gegen Graf Orestes aus , denn er würde darauf fußen , um mich zu bestürmen - und das ist vergeblich , also vermeid ' ich es . Aber ich gestehe es , ich hab ' mich so daran gewöhnt , in ihm ein treues , zärtliches Herz zu besitzen und in der Verbindung mit ihm die Befriedigung meiner Ansprüche an das Leben zu erhoffen , daß mir vor dem Schutthaufen graut , in den die Erkenntnis der göttlichen Offenbarung mein Schicksal verwandelt . Mir ist zu Sinn , als habe ein Wetterstrahl einen hohen festen Turm zu Boden geschmettert . « » Den stolzen Turm irdisch-selbstischen Glückes ; ja , Signora , das ist ganz richtig und das zeigt uns an , daß wir ein anderes Glücksgebäude aufführen sollen , als ein solches , welches zusammenbricht , wenn die Wahrheit in unseren schwülen Horizont hinein wetterleuchtet . Den irdischen Schmerz werden Sie mit Ihrem kräftigen , unter dem Kreuz sich heiligenden Herzen tapfer durchkämpfen und in diesem Kampf zu der beseligenden Gewißheit gelangen , daß Befriedigung des Herzens ohne Sünde , und Befriedigung der Vernunft ohne Irrtum hienieden nirgends als in der christlichen Kirche gefunden werden kann . In dem Kampf stehen Sie nicht allein ! er ist keine Ausnahme ; er ist allgemein gültiges Gesetz . Millionen vor Ihnen , neben Ihnen , nach Ihnen bestehen ihn . Darum heißt die Kirche auf Erden : die streitende . Sie streitet nicht bloß im allgemeinen gegen den Geist des Irrtums , der Sünde und Verkehrtheit auf jedem Gebiet der menschlichen Vergesellschaftung , sondern jedes ihrer Kinder hat diesen Streit für seine Person , oft bis aufs Blut , immer bis aufs Mark , fortzusetzen .... sobald es nicht dem Siegespreis entsagt . Dieser Streit entwickelt heroische Tugenden , bildet heroische Seelen , christliche Seelen , die mit Christus die Welt überwinden , weil Christus in ihnen lebt , mit seinem Fleisch , mit seinem Blut , und ihnen seine göttliche Natur mitgeteilt hat , indem er die menschliche Natur annahm . Teure Judith , es ist nicht der Mühe wert , das Leben zu durchkämpfen , wenn es auch nur wäre ,