« » Nimm meinen Mantel , armer Junge , und suche einige Stunden zu schlafen , dann folge mir nach Boleschti , Du wirst der Beutepferde genug und billig finden . Aber höre , versieh Dich womöglich , ehe Du Dich zur Ruhe legst , mit zwei türkischen Anzügen von den Gefallenen , wir werden ihrer bedürfen . Auf Wiedersehen , Mungo . « Der Capitain schritt in tiefen Gedanken davon , sein Pferd zu suchen . Fußnoten 1 Zum Henker ! Der Wudkoklak . In den Thälern der Donau lebt eine grauenvolle Sage und pflanzt sich fort von Vater auf Sohn , von Geschlecht zu Geschlecht . Wenn der Vollmond seinen bleichen Schein über Fels und Wald gießt , dann erhebt sich der Wudkoklak - der Vampyr der Griechen-Slawen und Moldau-Walachen - aus seinem Grabe , in dem er mit offenen Augen und starrem Blick schläft . Seine Klauen und Haare wachsen im Todesschlaf , - warmes Blut rinnt durch die erstorbenen Adern ; denn in den unheimlichen Nächten des Vollmonds frischt er es auf , indem er durch das Land streift , den Lebenden die Rückenader öffnet und ihr rothes Blut saugt . Schaurig ist der Glaube des Volkes ! Steht ein Todter in dem Verdacht , auf diese Weise sein Grab zu verlassen , so wird er feierlich ausgegraben . Hat die Verwesung ihr Werk gethan , so begnügt sich der Pope , ihn mit Weihwasser zu besprengen ; ist er aber roth und blutig , so treibt man ihm den Teufel aus und stößt ihm bei seiner Wiederbeerdigung einen im Feuer gehärteten Eichenpfahl in die Brust , damit er sich nicht wieder erheben könne . Die hungrigsten Raben fliehen den Leichnam des Verfluchten schon von Weitem , ohne zu wagen , ihn auch nur mit der Schnabelspitze zu berühren ! Aber einen andern Wudkoklak giebt es , vor dem nicht der Segen des Priesters , nicht der blutige Pfahl durch die Brust zu schützen vermag : lebendig wandelt er unter den Lebenden und sucht seine Opfer . Oft wird er vom unwiderstehlichen Drang nach Schlachtengemetzel ergriffen und verläßt bei Tag und Nacht seine Wohnung und schweift umher , Menschen und Thiere , die ihm begegnen , mit Bissen zerfleischend . Aber das Blut junger Mädchen und Frauen ist es , worauf er besonders lüstern , - in ihr Herz schleicht er sich ein durch tausend listige Ränke , und wenn er in der Braut- oder Liebesnacht sie in die Arme preßt , schwindet ihr Bewußtsein und das Blut weicht langsam aus ihren Adern , das Antlitz wird bleich und täglich bleicher , die Quellen des Lebens vertrocknen , statt frisch zu erschwellen in befruchtender Kraft ; - denn allnächtlich theilt der Vampyr ihr Lager und saugt der Schlummernden das Mark aus dem Gebein , das frische rothe Blut aus der zitternden Brust , und das junge Leben welkt und welkt , und ehe der Mond zwanzig Mal seinen Kreislauf vollendet , deckt die Erde den frischen Leib und das gebrochene Herz , und der Wudkoklak darf nach neuen Opfern suchen . Zuweilen auch paart er sich mit der Wjeschtitza , dem weiblichen Gnomen , dem Gespenst mit Feuerflügeln , das Nachts sich auf die Brust des schlafenden Kriegers niedersenkt , ihn in seine Arme preßt und ihm seine Wuth einflößt . Alsdann raubt wohl die Wjeschtitza , in Gestalt einer Hyäne , kleine Kinder und schleppt sie fort in den Wald , da die Liebe des Wudkoklak kein Leben zu zeugen vermag . Das sind dann die klagenden Stimmen , die in Fels und Wald nach den Eltern rufen , das sind die wankenden bleichen Lichter , die den Wanderer in den Moder der Sümpfe begraben ! Der Bulgare macht drei blutige Kreuze an seine Thür , um dem Wudkoklak und der Wjeschtitza den Eingang zu sperren . Doch vergeblich , denn die Wjeschtitza senkt sich im Haß und in der blutigen Leidenschaft auf jede Menschenbrust , und über die Schwelle des Palastes und der Hütte , durch die ganze Welt schreitet der Wudkoklak und heftet den gierigen Mund an Unschuld und Tugend , an Alles , was schön , vertrauend und erhaben ist , und mästet sich von dem Lebensmark der Lebendigen , die sich machtlos winden in seinen Schlangenarmen ! - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - In einem Gemache des Selamlik von Sami-Pascha zu Widdin lag auf weichen Polstern die schöne Gräfin Helene Laszlo am zweiten Morgen nach der Schlacht von Czetate . Ihre geistige und körperliche Kraft war erschüttert von dem unerwarteten Schreckniß , das über sie gekommen . Jene unerklärliche geheimnißvolle Laune des Frauenherzens , das sich selbst vermeidet , Rechenschaft zu geben , hatte sie vermocht , den Vorspiegelungen und Aufreizungen des Grafen Pisani Gehör zu geben , der ihr mit der schlauen , ganz den Interessen der revolutionairen Propaganda ergebenen Freundin auf ihre Güter nach Ungarn gefolgt war und hier verstanden hatte , den exaltirten Geist der jungen Frau zu Entschlüssen und Handlungen zu erregen , deren sie sich - hätte eben nicht ein kaum bewußter Wunsch im Grund ihrer Seele sie unterstützt , - sicher enthalten haben würde . So wagte sich denn die Gräfin auf ihre Güter am Schyl und der Deszneizia , mitten in die Gefahren und die Wirrniß eines occupirten Landes und auf einen Schauplatz , der jeden Augenblick selbst die Stätte der Schlacht und des Todes werden konnte , indeß der sardinische Oberst sich in ' s türkische Heerlager begab . Die Gräfin , in steter geheimer Verbindung mit diesem Manne , der ihre politische Exaltation zu fesseln verstand , öffnete in Krajowa und auf ihrem Gute ihr Haus der Gesellschaft der russischen Offiziere und hatte die unwürdige Rolle der Spionin übernommen und seit Wochen durchgeführt , indem sie zugleich mit den zurückgebliebenen Bojaren des Fürstenthums eine enge Verbindung unterhielt , unter denen