ich eine Miwisserin habe , bei der mein Geheimniß wie im Sarge ruht - « » Man wird auf uns aufmerksam werden , daß wir uns so lange absondern . « - » Sie haben Recht , und ich die Beruhigung , daß , wenn ich plötzlich verschwinden sollte - Ihr Verdacht mir nicht wie ein ängstlicher Schatten auf der Heerstraße nachschleppt - « » Um Gottes Willen , meinen Sie , daß Sie diese Nacht schon verschwinden müssen ? « - » Ich meine nichts , ich weiß nichts ; ich sollte meine Lippen verfluchen , daß sie zum Verräther wurden , aber mir ist wohl zu Muthe , wohl wie einem Kinde , das seinen ersten Fehltritt beichtete . Nein , nein , es war wohl nur die Angst , erpresst durch Ihre Drohung . « - » Warum stürzen Sie sich in diese Lage ? « - » Warum bin ich ein Mensch ? « - » Reißen Sie sich los - wenn es sein muß , reisen Sie auf der Stelle fort ! « - » Ich lebte nur für Andere . - Nein , nein , ich weiß es , ich bin nöthiger hier . Ich will für Andere leben - sein Sie unbesorgt - Nur um etwas Geduld flehe ich noch - o , könnten Sie in mein Inneres blicken - Pflichten hier , Pflichten dort , Verlockungen - aber - sein Sie überzeugt , als Mann , als Sieger werde ich daraus hervorgehe « . - » Man kommt . « - » Ein Freundesrath - « » Ich werde Sie nicht bemerken , wenn Sie verschwinden . « - » Heiter ! meine Freundin . Es war sehr gut , daß Sie herkamen , aber Sie kamen als Trauergestalt . Sie freuten sich des Eindrucks . Um des Himmels Willen , mit Geistererscheinungen darf man nicht spielen . Fort die Trauer , einige bunte Bänder , stimmen Sie ein in den frivol geistreichen Ton . Man muß mit ihnen tänzeln , die Gargazin hat Recht . Sie hat erkannt , daß Sie hassen . Das kann schlimm werden . Werfen Sie die Maske ab , nicht hastig - lassen Sie sich allmälig erheitern durch die liebenswürdige Gesellschaft . Da bringt man Ihnen eine Karte , nehmen Sie , spielen Sie , mit wem Sie wollen , es sind Alles Puppen ; aber nicht zerstreut . « Die Eitelbach präsentirte jetzt der Geheimräthin eine Karte : » Wollen Sie ? « - » Mit dem größten Vergnügen . « - » Ihnen präsentire ich keine Karte , denn Sie mogeln , sagt mein Mann . « Damit ging die Baronin schnippisch am Legationsrath vorüber , der scherzhaft die Finger nach einer Karte gespitzt hatte . - » Sie wird immer schöner , « sagte eine Stimme hinter dem Legationsrath . » Kann man schöner werden , wenn man eine vollkommene Schönheit ist , « entgegnete Herr von Schadow . Vierundsechszigstes Kapitel . Der verlorene Sohn und die heilige Magdalene . Das Spiel war zu Ende . Die Geheimräthin hatte allein gewonnen , und bedeutend . Sie war gesprächig , sehr liebenswürdig gewesen . Jetzt sah sie neben sich nur verdrießliche Gesichter . Wenn sie noch heiter und aufgeweckt blieb , legte man es ihr als Freude über den Gewinnst aus , den die andern Mitspieler berechneten . Sie war rasch aufgestanden , um mit der Lorgnette die Bilder an der Wand zu besehen . Es war hoch gespielt worden . Der Kammerherr hatte ansehnlich verloren . Er zankte sich mit seinem vis-à-vis um einige Points . Die Wechselreden wurden jetzt so anzüglich , daß die Baronin Eitelbach die Herren bitten musste , sich zu menagiren . Der Kammerherr warf dem Andern einen maliciösen Blick zu , den Jener , den Stuhl heftig fortrückend , durch ein Murmeln erwiederte : wer krumm ginge , könne auch nur krumm handeln . Der Kammerherr gehörte zu Denen , welche das Glück haben , zuweilen taub zu sein . Die Baronin hatte ihre Börse ausgeschüttet : » Mehr habe ich nicht ; mein Mann muß zahlen . « - » Das geht immer so , wer Glück in der Liebe hat , « sagte der Baron , verdrießlich die lange Börse ziehend . » Ich verbitte mir alle Gemeinplätze , « hatte sie erwidert . Er wollte nicht glauben , daß sie so viel verloren haben könnte , als sie angab , sie warf ihm den Bêtezettel hin , er rechnete , wollte zanken , es war aber Niemand mehr da , mit dem er zanken konnte . Indem er die Geldstücke hinwarf , zischelte er der Baronin etwas ins Ohr . Sein Auge begleitete dabei den Rittmeister . Sie ward hochroth , stand rasch auf und warf ihm mit einer Replik einen verächtlichen Blick zu , um ihm darauf den Rücken zu kehren . Auch an andern Tischen war Uneinigkeit wegen der Berechnung . Überhaupt schien die von poetischem Duft umwobene Harmonie , welche vorhin geherrscht , etwas zerrissen . Ein erwarteter Gast war noch nicht da . Der Duft der Speisen drang schon verlockend aus den Souterrains , aber es - sollte noch gewartet werden ; der Prinz Louis hatte diesmal bestimmt seine Gegenwart versprochen . Einigen Herren schien dies sehr unangenehm . Man fragte , ob er denn überhaupt kommen werde ? Jemand meinte , die Anwesenheit des Geheimraths Lupinus dürfe Seine Hoheit schwerlich locken . Ein besternter Herr entgegnete lächelnd : » Das würde wohl nicht der einzige Gegenstand sein , der einem Königlichen Prinzen hier nicht verlockend vorkäme . Man muß gestehen , wenn man die Société überfliegt , daß unsere gute Prinzessin mit asiatischem Geschmack eine kleine Völkerwanderung zusammengetrieben hat . « » Sie liebt die Quodlibets , aber das Kostüm ist gewählt , « sagte die Almedingen . Herr von Fuchsins spielte auf den neulichen Vorfall des Prinzen mit dem zweiten Lupinus an . Die Hofdame hatte davon reden gehört