sie sich noch bewege , und sogleich bemühte sie sich , ihr Hülfe zu verschaffen . Sie löste ihre Kleider , sie rieb ihr Schläfe und Pulse und näßte ihre Stirn mit kaltem Wasser . Bald erwachte die Alte ; aber sie war zu schwach , um sich erheben zu können , und hielt doch Elmerice ' s Hand fest in der ihrigen , als wolle sie sie verhindern , Hülfe herbei zu rufen . Als sie nach einiger Zeit die Sprache wieder erhielt , sagte sie : » Kind , laß uns allein , ich will bei Dir sterben ! Laß mich kein Gesicht mehr sehen aus der Welt , die sie getödtet hat - und halte Du sie Dir auch ab . Morgen bin ich wieder wohl , « fuhr sie fort , als sie die Thränen ihres Lieblings sah ; - » sei nur getrost , mein Engel , es ist so schön , wenn wir allein sind , da werde ich bald zu Kräften kommen ! « So blieb sie bis gegen Morgen , von Elmerice bewacht , im Lehnstuhle sitzen ; ihr Zustand erregte dieser große Besorgniß , da ein banges Keuchen eintrat , das den Ausbruch einer neuen Krankheit fürchten ließ . Gegen Morgen machte sie den Versuch , von Elmerice geführt , ihr Bett zu erreichen , aber es trat eine neue Ohnmacht ein , die den Rest ihrer Kräfte mitzunehmen schien ; denn von da an lag sie in bewußtloser Ruhe . Elmerice sendete nun Asta zu Veronika , und als diese sogleich mit ihr zurückkehrte , sprach sie gegen diese den Wunsch aus , daß sie den Marquis d ' Anville um ein Pferd und einen Boten an den alten Arzt bitten möge und der Marquise ihre Entschuldigungen überbringen , da sie Emmy nicht verlassen könne , und deren Ruhe durch Nichts gestört werden dürfe . Zu Allem bereit , beeilte sich Veronika , den Herrschaften aufzuwarten , die sie sämmtlich in der heitersten Laune beim Frühstücke antraf . Die Nachricht , die sie brachte , wurde mit der größten Theilnahme angehört , und der Marquis gab augenblicklich Befehl , daß ein reitender Bote sich nach dem Kloster aufmache . Dort konnte man den alten Arzt vermuthen , und , wenn er schon fort war , über seine weiteren Streifereien Auskunft erhalten . » Und muß man sich wirklich damit begnügen ? « rief die Marquise wehmüthig - » kann man dies liebe , uns so nah angehörende Wesen durch Nichts in dieser traurigen Lage unterstützen ? « » Sie wenigstens , theure Marquise , « erwiederte Veronika - » Sie wenigstens nicht ! Denn die alte Emmy ist in diesem Punkte hartnäckiger , wie irgend ein anderer Mensch . Doch habe ich Hoffnung , daß sie mich ertragen wird , und dann kann ich nicht allein unser liebes Fräulein unterstützen , sondern , wenn sie noch ausreichendere Hülfe bedarf , auch Sie davon in Kenntniß setzen . « Dies tröstete Lucile in Etwas , da sie schon anfing das lebhafteste Interesse für Elmerice zu empfinden und an dies Zusammenleben eine Hoffnung knüpfte , die seit der Bekanntschaft mit Elmerice sich beiden Ehegatten aufgenöthigt hatte . Die auffallende Aehnlichkeit derselben mit Fennimors Bilde , und die eben so auffallende Liebe der alten , menschenfeindlichen Frau zu Elmerice , hatte die Betrachtung geweckt , wie wenig sie eigentlich von Miß Eton wüßten ; wie sie in den Gesprächen der Tante eigentlich nie erfahren , welcher Abkunft sie sei , und stillschweigend angenommen , sie gehöre zu den vielen auswärtigen Freunden der Gräfin , mit denen diese durch Briefwechsel eine stete Verbindung zu erhalten wußte . Diese unzureichende Auskunft , mußten sie sich gestehen , war nicht absichtlich so gegeben ; sie war von Seiten der Tante gewiß nur eine Folge der Voraussetzung , daß sie mehr wüßten ; von ihrer Seite jugendlicher Leichtsinn oder Zerstreutheit , welche sie an der Ungekannten nur das Interesse nehmen ließ , daß ihr Umgang die geliebte Tante beglückt hatte . Jetzt , wo der neu erweckte Wunsch , Nachkommen des unglücklichen Reginald zu entdecken mit Elmerice ' s auffallender Erscheinung zusammenfiel , beschlossen sie , bei der Tante den näheren Verhältnissen derselben nachzufragen . Armand wollte sich mit Leonce darüber berathen , und dieser oder er selbst sollte nach Ardoise zurückkehren und Nachrichten von der Gräfin Franziska einholen , sobald ihre Gäste sie verlassen hätten . - » Außerdem wird es Zeit , « - sagte Armand - » daß wir Leonce zur Erklärung und zu einem berechtigten und öffentlichen Verhältnisse mit Margot bringen ; denn sichtlich ist die Gemüthsbewegung , in der er sich seit gestern befindet , durch Margot unschuldiger Weise veranlaßt , deren unbefangenes Herz aber sicher nicht interessirt war . « » Nun , « rief Lucile - » auch ich sah ihn gestern Abend , als ich am Fenster des Vorsaals Luft einathmete , ganz außer sich , wie es mir schien , auf dem alten Hofe des Theophim auf und nieder stürzen ; und als ich ihn diesen Morgen damit necken wollte und ihm sagte , ich hätte geglaubt , er habe Emmy Gray entführen wollen , bekam ich eine ganze Ladung zorniger Blicke aus seinen düsteren Augen , und die Röthe bestieg seine Stirn , wie ein Feuerzeichen , was Kampf bedeutet ! Ich hielt mir die Augen zu , als ob ich mich fürchte , und doch war mir innerlich bei dem Scherze nicht wohl zu Muthe ; denn ich ahnte , daß Etwas Ernstes ihn quäle . « » Er ist , fürchte ich , eifersüchtig auf Guiche , « sagte Armand ; - » und was mir auffallend ist und ich fast unzart nennen möchte , ist , daß Guiche seine Neigung für Margot kaum verbirgt . Als wir gestern die alten Zimmer verließen , blieben sie weit zurück ; - Margot hatte es mit der Statue des Spinola auf dem Treppensaale zu thun , und