ihn bereit stand . Jetzt wandelte er mit seiner korbtragenden Magd den Weg voran , den auch unser leidendes Liebespaar zu gehen hatte . Der Nebel war endlich verweht , die Sonne sah wieder golden vom Himmel , es war ein angenehmer , klarer Tag , wenn auch etwas kühl . In der Heiterkeit der Lüfte war dem Küster der Gedanke zugeweht , nach so manchen Ängsten ein frohes und genügliches Mahl im Freien zu halten , da er sich auf der Hochzeit selbst , wie wir wissen , nicht zum vierten Teile satt gegessen hatte . Er bezweckte dabei zugleich , wie wir nachmals hören werden , die Erfüllung seines dritten Lebenswunsches , des Wunsches , der in dem Gespräche mit dem kupfernasigen Schirrmeister unausgesprochen blieb , weil das Gespräch damals leider nicht zum ruhigen Abschlusse gedieh . In solchen Gedanken schritt er denn also mit seiner Magd fürbaß . Die Magd konnte wegen des schweren Korbes nicht rasch gehen , er bestellte sie daher nach dem sogenannten alten Spritzenhäuschen , welches auf der Hälfte des Weges lag , und ging eilig voran , weil er unterweges in einem einzelnen Hause noch eine Verrichtung hatte . Zu der langsam nachwandelnden Magd gesellte sich aber , als ihr Herr ihrem Gesichte entschwunden war , ein zweiter Wanderer , der Schulmeister Agesel . Die Magd hatte wohl von den Einbildungen des Schulmeisters vernommen , da sie aber zu den mutvollen Personen ihres Geschlechts gehörte , so fürchtete sie sich nicht vor ihrem Begleiter , vielmehr war es ihr lieb , Gesellschaft zu finden . Der Schulmeister seinerseits war erfreut , die Magd zu finden , denn er wollte an ihren Herrn , nicht ihm ein Leid zuzufügen , sondern den Leugner von seinen gesunden Verstandeskräften zu überzeugen . Nachdem er im allgemeinen über diesen Punkt mit der Magd gesprochen hatte , sagte er zu ihr : » Es ist ja mein offenbarer Schaden und eine Sache , die mir mein ganzes Brot und den Kredit in der Bauerschaft verderben kann , wenn der Küster , der noch dazu ein halber Amtsbruder von mir ist , überall umherläuft und mich bei den Leuten anschwärzt . Deshalb muß ich ihn notwendig davon überzeugen , daß ich meine fünf Sinne beisammen habe . « » Natürlich « , versetzte die Magd . » Wenn mich einer eine Diebin schilt , so muß er auch hören können , warum ich keine Diebin bin . « » Nun also ! « fuhr der Schulmeister eifrig fort , » und heute muß es geschehen , denn die Gelegenheit kommt mir nie so günstig wieder . « » Wie das ? « fragte die Magd . » Wenn ich ihn in der Stadt aufsuche oder im Freien ansprenge , so reißt er aus , wie er mich nur erblickt . Hält er aber , wie Ihr mir sagt , im alten Spritzenhäuschen seine Mahlzeit ab , und ich trete mit meiner Rede unversehens in den Eingang , so muß er wohl Stich halten und alle meine Gründe anhören , denn es ist wider die Natur der Furcht , daß er gegen mich stürzen , mich überrennen und so das Freie gewinnen sollte . « Die Magd dachte einen Augenblick nach und sagte dann : » Da ist nur eines zu befürchten . « » Was ? « fragte der Schulmeister . » Daß er ein Fach an der anderen Seite ausschlägt und so durchbricht . Denn das Spritzenhäuschen ist sehr alt und verfallen und die Lehmwände haben überall große Löcher , zu denen der Tag einscheint , und wenn mein Herr in der Angst und Furcht gegen so ein Loch stürzt , so stehe ich nicht dafür , daß er die ganze Wand einrennt , denn , kriegt er die Manschetten , da ist mit ihm nicht zu spaßen . « » Deshalb müßt Ihr mir einen Gefallen tun , Mädchen « , sagte der Schulmeister . » Und welchen ? « fragte die Küstermagd . » Tretet vor das größte Loch auf der anderen Seite , und lehnt Euch gegen die Wand , damit wenigstens die Hauptgefahr des Entrinnens abgewehrt wird , denn daß er auch Euch umrennen sollte , ist nicht wahrscheinlich , weil Ihr eine robuste Person seid . « » Ich will das recht gerne tun « , versetzte die Magd , » denn seinem Nebenmenschen muß man helfen , wo man kann . « Nachdem dieses sinnreiche Gespräch zwischen dem Schulmeister und der Magd soweit gediehen war , wurde auch noch verabredet , zu welcher Zeit der Anschlag gegen den Küster ausgeführt werden sollte . Der Schulmeister sagte der Magd , daß er sie in der Nähe des Spritzenhäuschens vorangehen lassen und sich verstecken wolle , bis sie ihm ein Zeichen gebe , daß es für ihn Zeit sei , hervorzubrechen und mit seinem Amtsbruder ein Wort der Verständigung zu reden . Nach diesen Verabredungen gingen die beiden Personen ihres Weges weiter . Einige Zeit lang blieb nun die Straße ganz still und einsam . Dann aber erhob sich ein auffallender Lärmen die Felder hindurch , welche sie zu beiden Seiten begrenzten . Die jungen Bursche , welche das Hochzeitgefolge gemacht hatten , waren nämlich noch in irgendeinem Kruge versammelt gewesen , um einen Nachtrunk zu halten , denn der Bauer kann eine Lustbarkeit , wenn sie auch mit allen Anhängen vorüber ist , immer noch nicht schließen . Im Kruge war nun unter sie eine Kunde gedrungen , daß der junge Fremde etwas Unrechtes habe ausgehen lassen . Was es gewesen sei , darüber lauteten die Nachrichten verworren oder schwiegen auch wohl ganz . Nach einigen Berichterstattern sollte er das Schwert weggenommen haben , nach anderen ausfallend gegen den Hofschulzen gewesen sein , ein dritter kam der Wahrheit näher , indem er erzählte , der Fremde habe die Heimlichkeit droben am Freistuhle in Unordnung gebracht . Es genügte ihnen aber überhaupt nur zu hören , daß ein Fremder irgendein Unrecht begangen habe