über mein Auge , nicht die Hoffnung in meine Brust , und dieser Zustand muß sich ändern , sollte ich auch Jahre lang vor der Thüre einer Synagoge liegen , und mit meinem Rücken den Gläubigen zur Schwelle dienen1 . Aber selbst dann würde ich nicht wieder seyn , wie zuvor , wenn ich Dich nicht gerettet ; versiechen würde ich im Jammer , wie auch versiechen wird in Elend und Trostlosigkeit David , unser guter , allzu guter Vater . Dir gehört dann sein Tod ; und mein letzter Seufzer wird seyn Dein Werk ! « - » O schweige , schweige , grausamer Bruder ! « schluchzte Esther , trostlos die Hände ringend , » Du greifst fürchterlich mein Herz an , das doch nichts Böses wollte , das doch nur glücklich zu seyn begehrte ! Aber nicht Dein Tod , nicht der unsers Vaters komme über mich . Wie könnte ich die Freuden des Lebens finden , müßte ich mir vorwerfen , sie seyen erkauft durch das Eure . Nimmermehr ! Ich will seyn stark , stärker als mein Geschlecht , stärker als der Mann selbst , der nicht freiwillig abläßt von dem , was er liebt . « - » Dann segne Dich Jehovah ! « entgegnete Ascher freudig : » O gehe mit mir , Schwester , wiedergefundne Tochter Abrahams und Jakobs . Noch besitze ich Geld und Gut , zu fristen unsre Tage . Komm , theile mein bescheiden Loos , tröste mich in meiner Buße , in meiner Reue ; halte bei mir aus , und der Herr wird uns wiederschenken den Vater , dessen Schmach und Elend gewißlich nur eine Folge ist meiner Missethat . « - » Ein Lebewohl , - das Letzte , werde ich doch dem Freunde bringen dürfen ? « - » Nein , nein ! « herrschte Ascher : » Fliehe die glatte Zunge aus Midian , fliehe den Mund , der Dich bethörte . Ein Hauch der Schlange reicht hin , Dich und uns Alle zu verderben . Du mußt mir folgen ! O , warum ist die Nacht schon dunkel geworden ? Warum leuchtet nicht die Sonne ? Gleich müßtest Du gehen mit mir . Aber morgen , morgen , so wie es Tag wird , folge mir ! « - » Du brichst mein Herz und meine Gefühle , wie Binsen ! « rief Esther schmerzlich : » Aber , mag ich doch das Opfer seyn , daß der Herr nicht zürne , und daß es den Meinen wohl gehe auf der Erde ! - Ich will mir denken , Er sey mir untreu geworden , während ich doch meineidig werde gegen ihn . Ich will mir denken , daß er in den Tagen , wo ich für ihn zitterte , ein Opfer der Vehme gefallen sey ; aber werden diese Gedanken mich beruhigen ? Werden sie nicht entsetzliche Geißeln und Stacheln seyn , um zu zerfleischen mein Inneres ? Mein Bewußtseyn erhalte mich aufrecht , und mein hochgelobter Gott , der mich geschaffen . In seinem heiligen Namen , - Bruder - ich folge Dir ! « Fußnoten 1 Eine ehemalige Büßungsart der Juden . Sechstes Kapitel . Du bist ein hartgesottener Sünder ! Schiller ' s Fiesko . Der arme Dagobert hatte nicht die kleinste Ahnung von dem , was in seiner Abwesenheit vorgegangen war . Mit der Freude eines Liebenden , der auf sein nahes Glück hofft , hatte er aus den Kaufläden der Stadt das Schönste und Beste zusammengelesen , um seine Liebe damit zu zieren , und es vermag der Mensch keine größre Seligkeit zu fühlen , als er , da er am folgenden Abend am Forstgehege anlangte , und klopfenden Herzens sich der Hütte näherte . Dort saß eine weibliche Gestalt , harrend , nachdenkend , wie es ihm schien , und ihr schmuckloses Gewand war wie Esther ' s anzusehen . Der Jüngling verdoppelte seine Schritte , - er flog der Theuern entgegen ; - und sie war es nicht . An ihrer Statt begrüßte Regina den Betroffenen , und bei seinem Anblick stiegen ihr Flammen auf die Stirne , Zähren in ' s Auge . - » Mein Gott ! « stammelte Dagobert : » mein gutes Fräulein ! Ihr hier ? Genesen , aber allein ? Was verkündet mir diese Stille ? diese Bewegung in Euerm Antlitze ? Wo ist Esther ? « - » Ich soll Euch ihr Lebewohl bringen ; « entgegnete Regina halblaut und schüchtern ; aber diese Verlegenheit wurde zum Schreck , da sie den jungen Mann fast bewußtlos hinsinken sah . Kaum vermochte sie alsdann seinen stürmischen Fragen Genüge zu leisten . Sie erzählte , so gut ihre eigne Erschütterung es zuließ , wie sie heute in aller Frühe zum Wald gekommen , um sich des schönen Morgens zu freuen , da die Krankheit sie so lange in der Kammer daheim gehalten ; wie Esther ihr in Begleitung eines finstern Mannes - aber sonst ohne Geleit , schon fern von dem Hüttenpfade begegnet , - wie sie bestürzt das Mädchen angeredet habe , und nach Dagobert gefragt . O mein holdes Fräulein , hatte Esther gesprochen : sagt ihm , der heute vergebens sich dieser Stätte nahen wird , - sagt ihm mein letztes , herzliches Lebewohl . Sagt ihm , daß Ben David uns wohlmeinend getäuscht , daß mein Bruder mich errettet aus der Sünde , in die ich unschuldig fast gerathen wäre ; daß ich meinen Gott nicht verläugnen darf , aber ewig ihn , mein Heiligenbild , im Bußen tragen werde ; ... daß er mich beklage , sich aber dennoch meines Sieges freuen möge , und ... setzte Regina verschämt hinzu ; in der Liebe einer Andern , Bessern glücklich sey . « - Keine Schilderung von Dagobert ' s Gefühlen . Nach langem Kampfe sich mühsam erhebend , seufzte er : » Nun dann ! so ist er vorbei der schöne Traum , der mich