» ach Idoine , wenn es nun keine Unsterblichkeit gäbe , was täten Sie ? « - » J ' aimerois « 202 , sagte sie leise zu ihr . Plötzlich wurde vor ihnen wie aus weiter Ferne gesungen : » Freut « - dann spät » euch des « - endlich » Lebens « - » Das ist aus dem Gottesacker das Echo « , sagte Idoine und suchte zur Rückkehr zu bereden . » Echo und Mondschein und Gottesacker zusammen « ( fuhr sie scherzend fort ) » sind wohl zu stark für Frauenherzen . « - Dabei berührte sie ihr Auge mit einem Wink an Julienne , gleichsam als tu ' es ihr weh , daß die Gräfin nur hinter dem Nebel ihrer Augen den schönen Abend von fernen stehen sehe . » Die Singstimme klingt mir so bekannt « , sagte Linda . » Roquairol ists , nichts weiter , wollen wir fort ! « sagte Julienne ; aber Linda bat zu bleiben , und Idoine willigte höflich ein . Nun gab das Echo - das Mondlicht des Klangs - wieder Töne wie Totenlieder aus dem Toten-Chor ; und es war , als sängen die vereinigten Schatten sie in ihrer stillen Woche unter der Erde nach , als regte sich der Leichenschleier auf der weißen Lippe und aus den letzten Höhlen tönte ein hohles Leben wieder . Das Singen hörte auf , Alphörner fingen auf den Bergen an . Da ging wieder das Nachspiel des Tonspiels feurig herüber , als spielten die Abgeschiednen noch hinter der Brustwehr des Grabhügels und kleideten sich ein in Nachklänge . Alle Menschen tragen Tote oder Sterbende in der Brust ; auch die drei Jungfrauen ; Töne sind schimmernd zurückflatternde Gewänder der Vergangenheit und erregen damit das Herz zu sehr . Sie weinten , und keine konnte sagen , ob trübe oder froh . Die bisher so gemäßigte Idoine ergriff Lindas Hand und legte sie sanft an ihr Herz und ließ sie wieder sinken . Sie kehrten schweigend und einig um . Idoine behielt Linda an der Hand . Die unterirdischen Wasser der Toten-Echos und Alphörner rauschten ihnen nach , obwohl ferner . Juliennen entging es nicht , wie sehr Idoine ihr Gesicht , bloß um es ihr mit den großen Tropfen in den großen Augen zu entziehen , immer der dicht verschleierten Linda zuwandte ; und sie schloß daraus , daß Idoine vieles wisse und kenne und die Braut des Jünglings ehre , dem sie durch ihre schöne Ähnlichkeit das frohe Leben zurückgegeben . » Was haben wir nun davon ? « ( sagte Idoine spät und nahe am Dorfe ) » Wir sehens voraus , daß wir zu weich würden , und geben uns doch hin . Darum nennen uns eben die Männer schwach . Sie bereiten sich auf ihre Zukunft durch lauter Abhärtungen vor , und nur wir uns durch lauter Erweichungen . « - - » Was soll man denn machen , « ( sagte Julienne ) » in Flüsse springen , auf Berge , auf Pferde und so weiter ? « - » Nein , « ( sagte Idoine ) » denn ich seh ' es an meinen Bäuerinnen : sie leiden an Nerven bei aller Muskel-Arbeit so gut wie andere - Mit dem Geiste , glaub ' ich , müßten wir alle mehr tun und suchen ; aber wir lassen immer nur die Finger und Augen sich üben und regen , das Herz selber weiß nichts davon und tut dabei , was es will , es träumt , weint , blutet , hüpft - Ein wenig Philosophieren wär ' uns dienlich ; aber so geben wir uns allen Gefühlen gebunden dahin , und wenn wir denken , ists bloß , um ihnen noch gar zu helfen . « Sie kamen ins Dorf zurück , es war voll geschäftigen Abendlärms , Kinder tanzten Idoinen entgegen , von den Höhen klangen Alphörner herein und aus den Häusern Flöten und Lieder heraus . Idoine gab heiter Abendbefehle . » Wie doch « ( sagte sie ) » die äußere Ruhe so leicht die innere aufhebt ! Ein beschäftigtes Herz ist wie ein umgeschwungenes Gefäß mit Wasser : man halt ' es still , so fließet es über . « Julienne hatte schon einigemal , aber vergeblich , nach dem Steuerruder der Zeit und Rede gehascht , um ihren Plan zu vollführen ; jetzt , da sie Lindas Schweigen , Rührung und Träumen bemerkte , glaubte sie die lang ' erwartete günstige Stunde zu treffen , wo einige Worte , die Idoine über die Ehe ausstreuete , in Linda einen aufgeweichten Boden für ihre Wurzeln finden würden . Durch die leichte Wendung eines Lobs , daß sie Idoinen über ihren mutigen Widerstand gegen das Schiffziehen in einer verhaßten Fürsten-Ehe und über den Gewinn eines ewigen Jugendlebens gab , brachte sie die Gräfin dazu , ihren ketzerischen Haß gegen die Ehe zu offenbaren und zu sagen , daß diese die Blume mit einem scharfen Eisenringe an ihren Stab peinlich gefangen lege - daß Liebe ohne Freiheit und aus Pflicht nichts sei als Heuchelei und Haß - und daß das Handeln nach der sogenannten Moral so viel sei , als wenn einer nach der Logik , die er vor sich hätte , denken oder dichten wollte , und daß die Energie , der Wille , das Herz der Liebe etwas Höheres sei als Moral und Logik . Jetzt kam ein Briefchen von der Ministerin , worin sie ihre heutige Abwesenheit mit dem zu traurigen Abschiede entschuldigte , den ihr Sohn diesen Abend so sonderbar und wie auf immer von ihr genommen . So viele stille Gedanken auch diese Nachricht in Julienne und Linda nachließ : Idoine kam durch sie nicht aus der lebhaften Bewegung , worein die vorige Rede sie gesetzt , sondern mit einem edlen Zürnen , das aus der schönen Jungfrau einen schönen Jüngling machte und ihr Minervens Helm aufsetzte , erklärte sie der hohen Gegnerin , die weniger