Aber alle Tore sind geschlossen und besetzt . Sie können nur etwa zu den Mauerbreschen hinaus . « » Zwei große Mauerbreschen sind ' s. « » Sieh dort den Jupiter , der eben aus der Wolke tritt im Ost . Er winkt mir . Ist nicht dort - ? « » Der Mauersturz am Turme des Aëtius . « » Gut ! dort hinaus ! Ich folge meinem Stern ! « - - - * * * Glücklich hatten inzwischen die Gatten , hindurchgelassen von Paulus , dem Sohn des Dromon , die nur halb ausgefüllte Mauerlücke durcheilt und in dem nahen Pinienhain der Diana Wachis , den Getreuen , und zwei Pferde gefunden . Wallada nahm die Gatten auf den Rücken . - Der Freigelassene ritt rasch voran , dem Ufer des hier sehr breiten Flusses zu . Witichis hielt Rauthgundis vor sich , hinter dem Hals des Rosses . » Mein Weib ! mit dir hatte ich alles verloren ! Leben und Lebensmut . Aber nun will ich ' s noch einmal wagen um das Reich . O wie konnte ich dich von mir lassen , du Seele meiner Seele . « » Dein Arm ist wund vom Druck der Kette ! So ! leg ihn hier auf meinen Nacken , o du mein alles . « » Vorwärts , Wallada ! Rasch ! es gilt das Leben . « Da bogen sie aus dem Dickicht des Hains ins Freie . Das Ufer des Flusses war erreicht . Wachis trieb sein bäumendes Pferd in die dunkle Flut . Das Tier scheute und widerstrebte . Der Freigelassene sprang ab . » Er geht sehr tief , sehr reißend . Es ist Hochwasser seit drei Tagen . Die Furt ist nicht zu brauchen . Die Gäule müssen schwimmen und stark recht abwärts wird ' s uns reißen . Und es sind Felsen im Fluß . Und das Mondlicht wechselt so oft und täuscht . « - Ratlos prüfte er am Ufer hin und her . » Horch , was war das ? « fragte Rauthgundis . » Das war nicht der Wind in den Steineichen . « » Pferde sind ' s , « sagte Witichis . » Sie nahen in Eile . Ja , wir sind verfolgt . Waffen klirren . Da - Fackeln . Jetzt hinein in den Strom auf Leben und Sterben . Aber leise ! « Und er führte sein Pferd am Zügel in die Flut . » Kein Bodengrund mehr . Die Gäule müssen schwimmen , halte dich fest an der Mähne , Rauthgundis . Vorwärts , Wallada ! « Schnaubend , zitternd , blickte das Tier in die schwarze Flut - die Mähne flog wirr kopfüber - die Vorderfüße vorgestreckt , den Hinterbug zurückgehemmt . » Vorwärts , Wallada ! « Und leise rief Witichis dem treuen Roß ins Ohr : » Dietrich von Bern ! « Da setzte das edle Tier in stolzem Sprung willfährig in die Flut . Schon jagten die verfolgenden Reiter aus dem Wald , voran Cethegus , ihm zur Seite Syphax , eine Fackel hebend . » Hier , im Ufersand , verschwindet die Spur , o Herr . « » Sie sind im Wasser ! Vorwärts , ihr Hunnen ! « Aber die Reiter zogen die Zügel an und rührten sich nicht . » Nun , Ellak ? was zögert ihr ? Sofort in die Flut ! « » Herr , das können wir nicht . Ehe wir zur Nachtzeit in fließend Wasser reiten , müssen wir Phug , den Wassergeist , um Verzeihung bitten . Wir müssen erst zu ihm beten . « » Betet nachher , wenn ihr drüben seid , solang ihr wollt , nun aber - « Da fuhr ein stärkerer Windstoß über den Fluß und verlöschte alle Fackeln . Hochauf rauschte die Flut . » Du siehst , o Herr , Phug zürnt . « » Still ! saht ihr nichts ? Da unten , links ? « Der Mond war aus dem jagenden Gewölk getaucht . - Er zeigte Rauthgundis helles Untergewand : - den braunen Mantel hatte sie verloren . » Zielt rasch , dorthin . « » Nein , Herr ! Erst ausbeten . « - Da war es wieder dunkel am Himmel . - Mit einem Fluch riß dem Hunnenhäuptling Cethegus Bogen und Köcher von der Schulter . » Nun rasch vorwärts ! « rief leise Wachis , der schon fast das rechte Ufer gewonnen hatte , zurück - » ehe der Mond aus jener schmalen Wolke tritt . « » Halt , Wallada ! « rief Witichis , abspringend , die Last zu erleichtern , und sich an der Mähne haltend . » Da ist ein Fels ! Stoße dich nicht , Rauthgundis . « - Roß , Mann und Weib stockten einen Augenblick an dem ragenden Stein , wo in gurgelndem , tiefem Wirbel das Wasser reißend zog . Da ward der Mond ganz frei . Hell beleuchtete er die Fläche des Stroms und die Gruppe am Felsen . » Sie sind es ! « rief Cethegus , der schon den gespannten Langbogen bereit hielt , zielte und schoß . Schwirrend flog der lange , schwarzgefiederte Pfeil von der Sehne . » Rauthgundis ! « rief Witichis entsetzt . - Denn sie zuckte zusammen und sank nach vorwärts auf die Mähne des Rosses , aber sie klagte nicht . » Bist du getroffen ? « - » Ich glaube . Laß mich hier . Und rette dich « . - » Niemals ! Laß dich stützen . « » Um Gott , Herr , duckt euch ! taucht ! sie zielen ! « Die Hunnen hatten jetzt ausgebetet . Sie ritten bis hart an den Strom , bis in sein Uferwasser , bogenspannend und zielend . » Laß mich , Witichis ! Flieh , ich sterbe hier . « - - » Nein , ich lasse dich nie mehr ! « Er wollte sie aus dem