langes als breites Zimmer war mit einer Menge Fenster , einer sehr langen Tafel von grobem Holz und einer rund um die Wand laufenden Bank . Dieses Zimmer hatte im Laufe der Zeit keine Veränderung erlitten , es war nicht einmal ausgeweißt worden . Der ungeheure Kachelofen mit dem bequemen Lager hinter ihm , dieselben Schemel und Bänke , wie vor vierzig Jahren , nur wurmstichiger als damals , füllten den nicht eben freundlichen Raum . Sogar das Gezirp und Geschrill der zahllosen Heimchen hatte sich eher vermehrt als vermindert , denn Niemand war es eingefallen , diese unschuldigen Thierchen zu vertreiben . Der Maulwurffänger brachte , wenn man will , aus Angewohnheit gern ein paar Stunden in diesem gemeinschaftlichen Plauderzimmer der Dienstleute zu , denn er liebte es noch immer , das Dienstpersonal mit alten Geschichten zu unterhalten , die hübschen Mägde zu necken und aufzuziehen . Auch mochte ihn alte Anhänglichkeit und jene unerklärliche Wehmuth der Sehnsucht , die sich an Orte knüpft , wo uns in früheren Zeiten Wichtiges begegnet ist , mit energischer Gewalt dahin ziehen . In diesem Raume nun , den außer den dunkel brennenden Spänen an beiden Enden der langen Gesindetafel noch einige dünne Talglichter sehr unvollkommen erleuchteten , gewahrte der Maulwurffänger eine rührende Gruppe . Umwallt von bläulichen Rauchwolken , die aus dem erlöschenden Wacholderreisigfeuer auf dem geziegelten Theile der großen Stube aufwirbelten , saß eine hagere , fast ganz weiß gekleidete Frau in Landestracht auf der Ofenbank . Um den Kopf trug sie nach Art alter Frauen ein blau und weiß geblümtes Tuch , das am Hinterkopf in einen einfachen Knoten verschlungen war und beide Zipfel nach beiden Seiten steif ausbreitete . Ihr zur Rechten saß Herta in modernem schwarzseidenen Gewande . Zur Linken schmiegte sich die liebliche schlanke Gestalt Elwirens an die alte Frau und lehnte ihren schönen Lockenopf auf deren Schulter . Alle Drei schluchzten leise . Unfern von dieser Gruppe sah man auf der Wandbank einen jungen Mann mit verbundenen Händen sitzen , neben dem ein anderer ergrauter starker Mann aufrecht stand und mit Aurel , der am Gesindetische lehnte , ein lebhaftes Gespräch unterhielt . » Du mein Jesus , Marie ! « rief jetzt der Maulwurffänger und schritt hastig auf die Gruppe am Ofen zu . » Kehren denn die alten Zeiten zurück ganz und gar ? Wie viele Male habe ich Dich just auf demselben Oertl sitzen und weinen sehen , wenn ich des Abends einsprach um Essenszeit und der arge Schalk von Großknecht , der nun so lange Jahre schon Dein Eheherr ist , Dir die Suppe mit dem graugrünen Heimlichzeuge verdarb ! Aber was weinst Du denn , Marie ? Ist ' s nicht eine rechte Gottesfügung , daß er Alle , die sich lieb haben , so kurz vorm Niederlegen zum ewigen Schlafe , noch einmal zusammenführt ? Ich meines Theils danke ihm dafür von Herzen , und auch Du wirst es thun , gute Marie , wenn Du erst den großen Verlust verschmerzt hast , der Dich betroffen ! Freilich , freilich , noch abzubrennen auf seine alten Tage und gleichsam an den Bettelstab gerathen , das ist hart ! Aber , Gott Lob , noch gibt es redliche Menschen , die arme brave Lente nicht verkommen lassen in unverschuldetem Unglück ! - Guten Abend , Leberecht ! Willkommen , Eduard ! « Und der treuherzige Mann reichte sowohl Vater wie Sohn seine harte ehrliche Hand . Die blinde Marie erkannte den alten Freund an der Stimme . Gewaltsam hielt sie die Thränen zurück , stammelte einen guten Abend und streckte ihm ihre weiße abgemagerte Hand entgegen . » Sapperment , bin ich denn gar so durchsichtig geworden ? « lachte der Maulwurffänger . » Du greifst ja frisch weg in den blauen Dunst hinein , der mich gar angenehm in die Nase sticht ! Hier , alte Mutter , hier ist der gutmüthige Narr , der sein Lebelang für andere Leute seine eigene Haut zu Markte trug ! « » Gott erhalte Dich noch lange gesund , Heinrich ! « erwiederte Marie , mit beiden Händen die Rechte des alten Freundes ergreifend . » Gott schenke Dir noch viele viele frohe Tage und behüte das Licht Deiner Augen ! « » Das wolle er in Gnaden thun , der gute alte Gott , sonst möcht ' es mir übel ergehen auf meine alten Tage ! Ich habe weder Kind noch Kegel , und die Hand , die mich pflegen wird , soll noch geboren werden . « » Wir setzten uns dann neben einander , Heinrich , auf den grünen Plan vor dem Gemeindehause , und wenn wir die warme Sonne auf dem Gesichte fühlten , bildeten wir uns ein , wir könnten auch noch die von ihr beschienene Landschaft sehen . « » Aber Marie ! Wie magst Du so reden ! « » Die Mutter ist blind , « sagte Eduard kalt . » In der Stunde , wo das Licht ihrer Augen erlosch , ging unser Häuschen in Flammen auf und ich verbrannte mich zum Krüppel ! Auf dieser Welt kann ich keinen Faden mehr drehen , keinen Schützen mehr schnellen ! Ich muß eben betteln gehen , wenn mitleidige Seelen sich meiner nicht erbarmen . « Der Maulwurffänger erblaßte bei dieser Nachricht , seine stets sichere Hand zitterte . Er mußte sich auf seinen Wanderstab stützen , um nicht zusammezubrechen . Inzwischen ergiff Leberecht eines der Talglichter und näherte sich Marien , die noch die Hand des alten Freundes umklammert hielt und ihre lichtblauen Augen , über deren Sternen graue Nebelwolken lagen , fest auf ihn richtete . Bei diesem Anblick schossen auch dem Maulwurffänger die Thränen unaufhaltsam in die Augen und laut schluchzend warf er sich nieder auf die Knie und drückte sein Gesicht in die linnene Kleidung der Jugendfreundin . » Wie war dies möglich , Marie ? « sagte er nach einer Pause . » Wie bist Du um Deine Augen gekommen ,