Fenstern , schöne Weiber und Kinder , und bald eine Flöte , bald eine Violine , und nirgends ein spinnendes Kind . In allen hatte sie Aufträge zu geben , und was bloßer Spaziergang schien , war auch Geschäft . Sie zeigte einen scharfen Durchblick durch Menschen und ihr verwachsenes Treiben und einen Geschäftsverstand , der das Allgemeine und Besondere zugleich besaß und verknüpfte : » Ich wünschte freilich auch « ( sagte sie ) » nur Freuden und Spiele um mich ; aber ohne Arbeit und Ernst verdirbt das Beste in der Welt ; nicht einmal ein rechtes Spiel ist möglich ohne rechten Ernst . « - Linda lobte sie , daß sie alle an Musik gewöhnte , diesen rechten Mondschein in jedem Lebens-Dunkel ; » ohne Poesie und Kunst « ( setzte sie dazu ) » vermoose und verholze der Geist im irdischen Klima . « - » O was wäre ohne Töne der meinige ? « sagte Idoine feurig . Linda fragte nach dem Bürgerrechte in diesem heitern Staate . » Meistens bekamen es Schweizerfamilien , « ( sagte Idoine ) » die ich an Ort und Stelle selber kennen lernte auf meiner Reise . Nach den Französinnen stell ' ich sogleich meine Schweizer . « - Julienne versetzte : » Sie sagen mir Rätsel vor . « Sie lösete ihr sie , und Linda , die kurz nach ihr in Frankreich gewesen , bestätigte es , daß da unter den Weibern von gewissem höhern Ton , zu denen kein Crebillon je hinaufgekommen , eine in Deutschland ungewöhnliche Ausbildung der zartesten Sittlichkeit , beinahe Heiligkeit gegolten . » Nur « ( setzte Linda hinzu ) » hatten sie in der Sittlichkeit , wie in der Kunst , Vorurteile des feinen Geschmacks und mehr Zartheit als Genie . « Sie gingen zum Dorfe hinaus , der schönsten Abendsonne entgegen ; auf den Bergen antworteten sich Alphörner , und im Tale gingen heitere Greise zu leichten Geschäften . Diese grüßte Idoine mit besonderer Liebe , weil es , sagte sie , nichts Schöneres gebe als Heiterkeit auf einem alten Gesicht , und unter Landleuten sei sie immer das Zeichen eines wohl und fromm geführten Lebens . Linda öffnete ihr Herz der goldnen Gegenwart und sagte : » Wie müßte dies alles in einem Gedicht erfreuen ! Aber ich weiß nicht , was ich dagegen habe , daß es nun so in der wirklichen Wirklichkeit da ist . « » Was hat Ihnen « ( sagte Idoine scherzend ) » diese genommen oder getan ? Ich liebe sie ; wo sind Sie für uns denn anders zu finden als in der Wirklichkeit ? « - » Ich « ( sagte Julienne ) » denke an etwas ganz anderes : man schämt sich hier , daß man noch so wenig tat bei allem Wollen . Vom Wollen zum Tun ists hier doch weit « ( fügte sie dazu , indem sie den kleinen Finger aufs Herz aufsetzte und die Hand vergeblich nach dem Kopf ausspannte ) - » Idoine , sagen Sie mir , wie kann man denn ans Große und Kleine zugleich denken ? « - » Wenn man ans Größte zuerst denkt « ( sagte sie ) - » Wenn man in die Sonne hineinsieht , wird der Staub und die Mücke am sichtbarsten . Gott ist ja unser aller Sonne . « Die Erden-Sonne stand ihnen jetzt tief auf einer unabsehlichen Ebene unter milden Rosen des Himmels entgegen - eine ferne Windmühle schlug breit durch die schöne Purpur-Glutan den Bergabhängen sangen Kinder neben den geweideten Herden , und ihre kleinern Geschwister spielten bewacht - die Abendglocke , welche in Arkadien allzeit unter dem Scheiden der Sonne gezogen wurde , wiegte die Sonne und Erde mit ihren Tönen ein - nicht nur jugendlich , sogar kindlich lag das sanfte Dörfchen und seine Welt um sie her - kein Sturm , dachte man , kann hereingreifen in dies sanfte Land , kein Winter im schweren Eispanzer hereinschreiten , hier ziehen nur , dachte man , Frühlingswinde und Rosenwolken , keine Regen fallen als Frühregen und keine Blätter als der Blüten ihre , nur Staub aus Blumen kann steigen , und den Regenbogen halten nur Vergißmeinnicht und Maiblumen auf ihren blau und weißen Blättchen - die Gegend und alles und das Leben schienen hier nur eine unaufhörliche Morgendämmerung zu sein , so frisch und neu , voll Ahnung und Gegenwart ohne Glut und Glanz , und mit einigen Sternen über dem Morgenrot . Kinder mit Ähren-Sträußern in der Hand saßen auf fremden Wagen voll Garben und fuhren stolz herein . Idoine hing mit inniger Liebe , als wär ' alles neu durch diesen Abend , an den doppelten Gruppen . » Nur der Landmann allein ist so glücklich , « ( sagte sie ) » daß er in allen arkadischen Verhältnissen seiner Kindheit fortlebt . Der Greis sieht nichts um sich als Gerätschaften und Arbeiten , die er auch als Kind gesehen und getrieben . Endlich geht er jenen Garten drüben hinauf und schläft aus . « - Sie zeigte auf den Gottesacker am Berge , der ein wahrer Garten mit Blumenbeeten und einer Mauer aus Fruchtbäumen war . Julienne blickte erschüttert hin , sie sah den schwarzen Vorhang zittern , hinter welchen ihr kranker Bruder bald getrieben wurde . Mit durchsichtigem Abend-Goldstaub war der Garten überweht - der laute Tag war gedämpft und das Leben friedlich , Ölzweige und ihre Blüten sanken aus dem stillen Himmel langsam nieder . - » Dort ist der einzige Ort , « ( sagte Idoine ) » wo der Mensch mit sich und andern einen ewigen Frieden schließet , sagte so schön zu mir ein französischer Geistlicher . « - » Solchen christkatholischen Jammergedanken « ( versetzte Linda ) » bin ich so gram wie den Geistlichen selber . Wir können so wenig eine Unsterblichkeit erleben als eine Vernichtung . « - » Ich versteh ' das nicht « ( sagte Julienne ) -