und Quelle . Ich , jeder Zoll ein Sänger - ein geistiger Kosmos , eingeschnürt in schwachen Leib und kleinliche Verhältnisse , wie ein Löwe in eine Hundehütte - - zu versinken in ekeln Morast , in die Schlangengrube hinabgeworfen zu niederm Gewürm , - ich , der Ritter und Fürst , geblendet und in Banden , erschlagen von niedrig geborenen Knechten - - o bitter , bitter , bitter ! Nicht mal hier waltet Gerechtigkeit . Die Gelehrtenschnüffeler construiren sich ein sogenanntes Volksepos zurecht und ahnen in ihrer blöden Blindheit nicht die einheitliche Kunstverständigkeit des größten Dichters ! Das großartigste und vollendetste Kunstwerk aller Zeiten , der ewige Stolz deutscher Nation , wird von einem frechen Schulmeister in Ottave Rime übertragen , sintemal die herrliche Nibelungenstrophe , ungenießbar sei ! Ein Mann , Namens Jordan , rhapsodet umher , soweit die deutsche Zunge klingt ( sogar in Siebenbürgen trieb er sein Unwesen ) , mit einem Stabreim-Monstrum , worin er durch modern krankhafte Makarterei und Schopenhauersche Philosophie an der ungefügen Urmär dreiste Nothzucht verübte ! Ein Anstreicher , dessen Maurerpinsel mit grellen Farben die keuschen Marmorstatuen erhabener Einfachheit besudelt ! Es sei ja stofflich recht großartig , aber kindlich ausgeführt , - schmunzelt dieser wohlgenährte Salonbarde in weißer Halsbinde und die unwissende Menge betet das gläubig nach ! In gelahrten Litteraturgeschichten wird die Gudrun , ein jütischer Dünen-Knick , mit dem Nibelungen-Montblanc verglichen ! O geschmacklose Thorheit , dein Name ist Mensch ! Grabbe grinst in seinem Satirspiel » Scherz , Satire , Ironie und tiefere Bedeutung « : » Die Wörter genial , sinnig , gemüthlich , trefflich werden so ungeheuer gemißbraucht , daß ich schon die Zeit sehe , wo man , um einen entsprungenen Zuchthauscandidaten zu infamiren , an den Galgen schlägt : N.N. ist gemüthlich , sinnig , trefflich und genial ! - O stände doch endlich ein gewaltiger Genius auf , der , mit göttlicher Stärke von Haupt zu Fuß gepanzert , sich des deutschen Parnasses annähme und das Gesindel in die Sümpfe zurücktriebe , aus welchen es hervorgekrochen ist ! « Hat dieser Ausfall nicht noch heute Geltung ? O viel mehr sogar ! Wenn man die Reklamen der Buchhändler und der Blätter liest , wird einem übel . » Endlich einmal ein Meisterwerk ! « annonciren sie das Produkt irgend eines Sudelmännleins . Und der Verleger-Größenwahn , welcher am liebsten eine ganze Rotte von Genies in seinem Verlag aus dem Boden stampfen möchte , läßt die Macher über sich selber Prospekte schreiben , worin sie ihre leidlich gelungenen Werkchen zu den » höchsten Darstellungen der Weltlitteratur « rechnen und zwar » unstreitig « . Da giebt es » Charaktere von wahrhaft Shakespearischer Tiefe « , » Effekte wie kaum in Schillers Dramen « - - kurz und gut Kunststücke , neben denen » die besten andern Schilderungen prosaisch , ja alltäglich erscheinen « ! ! Ueberall , wo man hinhorcht , dasselbe Lied . » Bewunderungswürdige Kunst der Darstellung « » der geniale Verfasser « - derlei regnet nur so bei Besprechung der mäßigsten Sudeleien . Da werden , Goethe , Horaz , Pindar , Burns , Petöfi , Heine , Lenau , Flaubert in Unkosten gestürzt , um als Lob-Vergleiche mit jedem Nachahmer herzuhalten . Aber was sehe ich ! Seien wir nicht ungerecht ! Stützt man den betrunkenen Bauern auf der einen Seite ( wie der selige Luther sagt ) , fällt er auf der andern Seite wieder herunter . Denn um ein gerechtes Gleichgewicht zu erzeugen , legt man dafür an die Werke des wirklichen Genies unmögliche Maßstäbe an , nach welchen es ja ein Leichtes wäre , Shakespeare und Goethe unsterblich lächerlich zu machen . Da werden die frechsten Lügen nicht gescheut , um das ehrliche Verdienst zu schmälern , - falls man es nicht am liebsten ganz todtschweigt . Bravo , das ist ausgleichende Gerechtigkeit . Diese Leute haben gleichsam ein instinktives Gefühl dafür , wo bedrohliches Uebergewicht vorhanden . Wo man ein hübsches Zwergtalent erkennt , da mag dasselbe noch so größenwahnsinnig in lächerlichen Radau-Vorreden sich aufblähen , - man kommt ihm freundlich entgegen . Aber wehe der wahren Größe , die ihrer selbst bewußt ! Kreuziget , kreuziget ! » Bist Du der Juden König ? « » Du sagest es . « Er hat bekannt , was brauchen wir weiter Zeugniß ! » Ich finde keine Schuld an diesem Menschen « , sprach Pontius Pilatus , das Forum der Vernunft . Aber da erhoben die Juden ein graußes Geschrei und Pilatus ist schwach . » Ich überantworte ihn euch . « Da führeten sie ihn an eine Stätte , die heißet Golgatha . Daselbst schlugen sie ihm ihre Nägel durchs Fleisch . Die armen Verleger ! Wie ich sie bedaure ! Wieviel Opfermuth und unausrottbare Zuversicht gegenüber der versteckten Gleichgültigkeit des Publikums ! » Und da kreuzigten sie neben ihm einen Räuber , der hieß Barrabas . « Der Verleger Murray prahlte seinen Freunden von einer Bibel vor , die ihm sein » großer Autor « Byron geschenkt . Aber diese Freunde , die mit im Complott , zeigten ihm jenen Bibelvers - da hatte der boshafte Dichter das Wort » Räuber « durchgestrichen und » Verleger « darübergeschrieben . - Nun , wenn man den Verleger Barrabas neben seinem Messias kreuzigt , so trifft ja ihn wohl das erlösende Wort : » Morgen wirst Du mit mir im Paradiese sein . « Die Welt ist rund , mein Kind , Und wir drehn uns mit . Lauf nicht zu geschwind , Sondern halte Schritt ! Der muß vor sich selber beben , Wer sich selber Rechnung giebt . Aber mir ist viel vergeben , Denn ich habe viel geliebt . Heut fand ich unter meinen Papieren ein vergilbtes Blatt , Verse in der Handschrift meines verstorbenen Freundes Gottlieb Ritter , jenes Esels , der sich wegen einer Chansonneuse erschoß : Ha , Deiner Wange Rosenlicht , Des Auges süß Vergißmeinnicht , Verzaubert mich