, die Freiheit und Bestimmtheit , mit denen er sich äußerte , die Geltung , deren er genoß , und vor Allem die spielende , freundliche Heiterkeit , mit welcher der junge Kaufmann seinem beginnenden Streite mit dem Freiherrn vorzubeugen getrachtet hatte , verdrossen den Letzteren , wie ihn selten etwas verdrossen hatte . Er wollte nicht geschont sein , von diesem Manne am wenigsten geschont sein ! Und wie er sich auch in einzelnen Augenblicken das Thörichte dieser Abneigung klar zu machen suchte , er konnte nicht Herr über seine Mißstimmung und über seine Aufregung werden . Es war schon spät gewesen , als er nach Hause gekommen war , denn die Gesellschaft war bei Seba lange zusammengeblieben , und es dünkte Renatus , als habe er Davide nie so reizend als eben an diesem Abende gesehen . Er hatte sie immer schön gefunden , aber die Freundschaft , welche er für seine Jugendgenossen , für die Gräfinnen Hildegard und Cäcilie hegte , hatte ihn im Ganzen wenig empfänglich für die Reize anderer Schönheiten gemacht , und seit er sich in seinem Herzen eingestanden , daß er Hildegard liebe , seit er in sich beschlossen , daß sie einst seine Gattin werden solle , hatte er andere Mädchen kaum noch beachtet . Er würde wahrscheinlich auch an diesem Tage sich , wie immer , mehr zu Seba und zu den älteren Frauen gehalten haben , wäre ihm nicht die schüchterne Freundlichkeit aufgefallen , mit welcher Davide Paul begegnete . Er hatte es sonst nicht ohne Erstaunen gesehen , wie dieses junge Mädchen sich seiner Schönheit bewußt war , wie es den Eindruck kannte , den es auf die Männer machte , wie es Alt und Jung in der ihm angemessen dünkenden Entfernung zu halten und sich mit großer Sicherheit seine Freiheit vor jedem ihm nicht erwünschten Anspruche zu bewahren verstand . Niemand hatte sich rühmen können , von Davide eine besondere Beachtung zu erhalten , und war es Renatus je einmal vorgekommen , als beweise sie sich gegen einen Andern freundlicher denn gegen ihn , so hatte er dabei kein Arg und keine unangenehme Empfindung gehabt , denn man entbehrt nicht , was man niemals begehrte . An diesem Abende jedoch war es ein Anderes gewesen . Gleich als man aus Seba ' s Cabinet in die große Stube gekommen , war Davide , ohne sich um die Uebrigen zu kümmern , auf Paul zugegangen , hatte ihm die Hand gereicht , ihm von dem Theater , von ihrer Freude an der Musik und von ihrem Vergnügen , ihn zu Hause zu finden , gesprochen , und dieser hatte das hingenommen , als komme ihm das zu , als sei Davide eben noch das Kind , als welches sie sich gegen ihn bezeigte , und als thue er ihr einen Gefallen , wenn er ihrem freundlichen Geplauder sein Ohr nicht versage . Renatus hatte sich darüber geärgert , das schöne Mädchen hatte ihm leid gethan . Er hatte es durch seine Höflichkeit und Achtsamkeit für Paul ' s Vernachlässigung entschädigen wollen . Aber Davide mußte ein solches Verhalten von dem Amerikaner wohl gewohnt sein und in der Ordnung finden , denn sie nahm die geflissentliche Annäherung des jungen Freiherrn gleichgültig auf und verließ ihn mitten in der Unterhaltung , um für Paul unaufgefordert die Zeitung zu suchen , nach der er im Gespräche mit andern Männern den Diener gefragt hatte , der den Thee herumgab . - Die Uhr schlug Stunde auf Stunde , der junge Freiherr konnte keine Ruhe finden , kein Schlaf wollte ihm kommen . Er wurde die Vorstellung nicht los , daß er von Paul beleidigt worden sei , daß er von Davide eine Kränkung erfahren habe , und je länger er an diese dachte , um so anziehender dünkte sie ihn , um so mehr wünschte er , sich von ihr ausgezeichnet und dadurch zugleich an Paul gerächt zu sehen . Er ging im Geiste alle die einzelnen Aeußerungen durch , die er an dem Abende von Davide gehört hatte , und sein Mißmuth wich davor . Er mußte bei sich selber über die kecken Abfertigungen lachen , mit denen sie Herrn von Castigni ' s gedrechselte Complimente aus dem Felde geschlagen hatte ; er konnte sie sich deutlich vorstellen , alle ihre artigen Kopfbewegungen und das anmuthige Spiel ihrer schönen Hände , die sie , nach Art der Jüdinnen , bei dem Sprechen mehr als die deutschen Frauen brauchte und bewegte . Als der Tag herankam und er endlich müde zu werden begann , ertappte er sich darauf , daß er ihr eine dieser Handbewegungen nachzumachen versuchte , und als er dann , weil dieser Versuch ihn thöricht dünkte , seine Gedanken , wie er das zu thun gewohnt war , vor dem Einschlafen auf die Geliebte richten wollte , von der zu träumen ihn sonst so glücklich machte , konnte er Hildegard ' s Bild aus seinem Innern nicht erzeugen . Alle Anstrengungen halfen ihm nichts ; es waren immer nur Davide oder Paul , die er vor Augen hatte , und selbst im Schlafe gaben diese beiden ihn nicht frei . Unerquickt erwachte er am Morgen erst , als es Zeit für ihn war , sich zur Parade ankleiden zu lassen . Während dessen brachte ihm der Diener des Grafen Gerhard eine Einladung , mit demselben zu Mittag zu speisen . Sie kam dem Freiherrn sehr gelegen , obschon er sonst nicht viel Verkehr mit seinem Onkel hielt , ja , ihn eigentlich , so viel er konnte , zu vermeiden suchte . Aber er fühlte eine Neigung , sich gegen Jemanden über sein unerwartetes Zusammentreffen mit Paul auszusprechen , und in seiner Schlaflosigkeit hatte er dabei wiederholt an seinen Onkel gedacht , der , wie er mit Sicherheit annehmen zu können meinte , um alle jene Ereignisse und Verhältnisse wissen mußte , so daß Renatus sich keinen Mangel an Verschwiegenheit vorzuwerfen brauchte , wenn er dem Grafen von dem gehabten