göttlichen Liebe getrennt ist ; nichts von dem zärtlichen Erbarmen Gottes , der dieser dahingesunkenen Menschheit Gnade schickt durch des eingeborenen Sohnes Opfer im Leben , im Leiden , im Sterben - als Gott-Mensch , als Erlöser ; nichts von der Kirche , welche für alle Weltzeiten der Menschheit diese Gnade vermitteln soll ; nichts von der reinigenden und heiligenden Kraft seines göttlichen Blutes in den Sakramenten ; nichts von seiner beseligenden eucharistischen Gegenwart ; nichts von der Wonne des Opfers ; nichts von der Herrlichkeit der himmlischen Liebe ; nichts von der Sünde , als Beleidigung Gottes ; nichts von der Tugend , als Verähnlichung mit Gott ; nichts vom Leid , als Nachfolge Gottes ; nichts von Christus ! Begraben in dem Kerker des Staubes vegetierte meine Seele nach den Instinkten und für die Leidenschaften der gefallenen Natur - und immense Kräfte hab ' ich verschwendet , suchend , versuchend , traurig , unbefriedigt , rastlos , ohne glücklich zu sein oder glücklich zu machen . So haben Sie mich gekannt . Ich hatte keine Richtschnur , die höher gelegen hätte , als mein Ich . Jeder glaubenslose Mensch ist sein eigener Gesetzgeber - ganz logisch ; der letzte Grund der hohen Gesetze , die das Opfer des Ichs , die Selbstverläugnung , die Entsagung vorschreiben , ist in Gott - und fallen weg , wenn der lebendige Glaube an ihn wegfällt . Ich wollte durchaus glücklich sein . Ich hoffte es mit Ihnen zu werden . Achtung vor fremdem Recht , wenn es meinen Egoismus beeinträchtigte , hatte ich nicht . Ich versprach . Ihre Frau werden zu wollen , und ich versichere Sie , ich wollte es mit der äußersten Entschiedenheit . Einen edlen Instinkt hatte ich .... zwischen vielen unedlen ; und das war meine Neigung zur Wahrheit . Nur wußte ich durchaus nicht , ob es denn auch eine absolute objektive Wahrheit gebe , die unabhängig sei von allem Menschenwitz . Sie ist mir aufgegangen wie eine übernatürliche Sonne , in deren Licht ich mich selbst und das All zu erkennen beginne . Aus der Schattenwelt meines Individualismus trete ich in den Tag der Offenbarung - aus meinem subjektiven Denken und Meinen an die überwältigende Majestät der katholischen Glaubenslehre heran ; und da sollte mein Leben in seinem früheren Geleise fortgehen .... gottbeleidigend , sündhaft , weltlich ? da sollt ' ich nicht suchen , gemäß meiner Erkenntnis zu leben ? da sollte meine Handlungsweise die Wahrheit verläugnen , die mein Herz anbetet ? Sie sehen wohl ein .... das ist unmöglich ! Die paar Worte , die ich von dem Priester gehört habe , sind keine anderen , als die , welche vor achtzehnhundert Jahren die glaubenslose Welt zu Füßen des Kreuzes niederwarfen . « » O sprich ! .... sprich weiter ! sprich noch mehr , Du angebetetes , Du göttliches Geschöpf ! « rief Orest . » Was Du sagst , verstehe ich ! was Du glaubst , will auch ich glauben , wohin Du gehst , folge ich Dir - aber mit Dir , Judith ! nicht ohne Dich . Mit Dir will ich in Deinen Himmel , zu Deinem Gott ! Mit Dir .... will ich vor dem Kreuz knien , das Du anbetest ! Mit Dir .... soll kein Opfer mir zu hoch , zu schwer sein ! Aber Judith ! ohne Dich - fahre die Welt zur Hölle .... und ich zuerst . Weißt Du jetzt mehr von den Dingen der Ewigkeit als zuvor , so wirst Du auch wissen , daß man einen Menschen , dem man Glück verheißen hat , nicht in ewiges Elend stoßen darf . Weißt Du mehr von einer höheren Liebe , so wirst Du um desto bereitwilliger sein .... Opfer zu bringen .... ein geringes Opfer . Knie vor dem Kreuz , bete Deinen Erlöser an ; aber tue es als Protestantin ! Da ist ja für Dich , was Deinen Glauben betrifft , gar kein Unterschied ; und Deine Liebe bewegt sich in größerer Freiheit , also in schönerer Entfaltung , denn sie schließt auch mich in ihren Kreis ein . « » Und Gott aus , teurer Orest ! « sagte Judith . » O begreifen Sie denn nicht , daß der Glaube seine Verpflichtungen nach sich zieht ? Als Sie Soldat waren - genügte es da etwa , daß Sie sagten : Ich diene meinem Kaiser ! oder : Mein Kaiser ist der größte Kaiser der Welt ! Keineswegs ! Sie mußten Ihre Ergebenheit durch Gehorsam und Hingebung äußern , und Blut und Leben für Ihren Kaiser in die Schanze schlagen - und gerade da , wo Ihr Dienst es erheischte . Sie durften nicht sagen : Vor den Mauern von Wien - oder in der ungarischen Pusta will ich ihm dienen ; nein ! es mußte geschehen in den Gefilden der Lombardei . Und dies Gesetz im natürlichen Leben : Gehorsam dem höchsten Herrn ; sollte im übernatürlichen nicht gelten ? Ich glaube , daß der Sohn Gottes für mich am Kreuz gestorben ist , um mich auf dem Wege seiner Nachfolge zur ewigen Seligkeit zu führen , für die er mich geschaffen hat . Glaube ich das , so muß ich mich den Lehren und Vorschriften unterwerfen , die Er zu diesem Zweck gegeben hat . Verfehle ich mich aus Schwäche oder unvollkommener Erkenntnis gegen sie : so findet die demütige , bußfertige Reue Vergebung . Widersetzt sich aber mein Wille aus böser Leidenschaft seinen Lehren und Geboten : so treib ' ich Spott mit meinem Gott - und zwar einen ganz anderen Spott , als wenn Sie etwa sagen würden : Ich liebe meinen Kaiser innigst , und um ihm das zu beweisen , trete ich aus seinem Dienst und gehe zum türkischen Sultan - der jetzt auch Krieg hat und schlage mich für dessen Sache ; ein Spott , der Sie entweder dem Irrenhause oder der allgemeinen Verachtung überweisen würde . Nein , Orest