ist das einerlei , sie sind die Eltern , das Gebot ist das Gebot , und das Heiligste in uns sagt , daß die Eitern geehrt werden müssen , daß das Band zwischen Eltern und Kind nicht zerstört werden darf , wenn auch das Herz bricht . So fühlte ich , so handelte ich , und ich wollte dir das Notwendige recht sanft und weich sagen , darum übernahm ich die Sendung ; ich glaubte , es könne dir niemand das Bittere so sanft und weich sagen wie ich , darum kam ich . Aus Güte , aus Mitleid kam ich . Die Pflicht leitete mich , in der Pflicht bricht mein Herz , und in dem brechenden Herzen bist du . Ja , ja , das sind die Worte , sagte sie , indem ihr Schluchzen immer heftiger und fast krampfhaft wurde , das sind die Worte , denen ich sonst so gerne lauschte , die so süß in meine Seele gingen , die schon süß waren , als du es noch nicht wußtest , denen ich glaubte , wie der ewigen Wahrheit . Du hättest es nicht unternehmen müssen , mich zur Zerreißung unserer Liebe bewegen zu wollen , es soll , wenn hundertmal Pflicht , dir nicht möglich gewesen sein . Darum kann ich dir jetzt nicht mehr glauben , deine Liebe ist nicht die , die ich dachte , und die die meinige ist . Ich habe den Vergleichpunkt verloren , und weiß nicht , wie alles ist . Wenn du einst gesagt hättest , der Himmel ist nicht der Himmel , die Erde nicht die Erde , ich hätte es dir geglaubt . Jetzt weiß ich es nicht , ob ich dir glauben soll , was du sagst . Ich kann nicht anders , ich weiß es nicht , und ich kann nicht machen , daß ich es weiß . O Gott ! daß es geworden ist , wie es ward , und daß zerstörbar ist , was ich für ewig hielt ! Wie werde ich es ertragen können ? Sie barg ihr Angesicht in den Rosen vor ihr , und ihre glühende Wange war auch jetzt noch schöner als die Rosen . Sie drückte das Angesicht ganz in die Blumen und weinte so , daß ich glaubte , ich fühle das Zittern ihres Körpers , oder es werde eine Ohnmacht ihren Schmerz erschöpfen . Ich wollte sprechen , ich versuchte es mehrere Male ; aber ich konnte nicht , die Brust war mir zerpreßt und die Werkzeuge des Sprechens ohne Macht . Ich faßte nach ihrem Körper , sie zuckte aber weg , wenn sie es empfand . Dann stand ich unbeweglich neben ihr . Ich griff mit der bloßen Hand in die Zweige der Rosen , drückte , daß mir leichter würde , die Dornen derselben in die Hand , und ließ das Blut an ihr nieder rinnen . Als das eine Zeit gedauert hatte , als sich ihr Weinen etwas gemildert hatte , hob sie das Angesicht empor , trocknete mit dem Tuche , das sie aus der Tasche genommen , die Tränen und sagte : Es ist alles vorüber . Weshalb wir noch länger hier bleiben sollen , dazu ist kein Grund , lasse uns wieder in das Haus gehen und das Weitere dieser Handlung verfolgen . Wer uns begegnet , soll nicht sehen , daß ich so sehr geweint habe . Sie trocknete neuerdings mit dem Tuche die Augen , ließ neue Tränen nicht mehr hervorquellen , richtete sich empor , strich sich die Haare ein wenig zurecht und sagte : Gehen wir in das Haus . Sie richtete sich mit diesen Worten zum Gehen gegen den Weinlaubengang , und ich ging neben ihr . Das Blut an meiner Hand konnte sie nicht sehen . Ich unternahm es nicht mehr , sie zu trösten , ich sah , daß ihre Verfassung dafür nicht empfänglich war . Auch erkannte ich , daß sie im Zorne gegen mich ihren Schmerz leichter ertrage , als wenn dieser Zorn nicht gewesen wäre . Wir gingen schweigend in das Haus . Dort gingen wir in das Zimmer der Mutter . Mathilde warf sich ihrer Mutter an das Herz . Ich küßte der Frau die Hand , und entfernte mich . Den ganzen übrigen Teil des Tages verbrachte ich damit , meine Habe zu packen , um morgen dieses Haus verlassen zu können . Mathildens Vater besuchte mich einmal und sagte : Kränket Euch nicht zu sehr , es wird vielleicht noch alles gut . Im übrigen waren seine Gründe , die er freundlich und sanft sagte , die nämlichen wie die seiner Gattin . Auch Mathildens Mutter kam einmal zu mir herüber , lächelte trübsinnig bei meinem Treiben und gab mir die Hand . Meine Hoffnungen waren düsterer , als es die dieser zwei Menschen zu sein schienen . Mathildens Glauben an mich war erschüttert . Da ich meine Absicht , morgen abreisen zu wollen , erklärt hatte , und man nichts mehr dagegen einwendete , was man anfangs tat , rief ich Alfred und sagte ihm , daß ich nicht etwa eine größere Reise vor habe , wie er glauben mochte , sondern daß ich auf lange , vielleicht auf immer dieses Haus verlasse . Es seien Umstände eingetreten , die dies notwendig machten . Er fiel mir mit Schluchzen um den Hals , ich konnte ihn gar nicht besänftigen , ja ich weinte beinahe selber laut . Er wurde später zu beiden Eltern , die in der Schreibstube des Vaters waren , geholt , damit sie ihn beruhigten . Sein Schlafzimmer war heute unter der Aufsicht eines Dieners ein anderes . Als er in dasselbe gebracht worden war , ging ich zu den Eltern und sagte ihnen den Dank für alles Gute , das ich in ihrem Hause genossen habe . Sie dankten mir auch und ließen mich Hoffnungen erblicken . Es ward verabredet , daß ich mit den Pferden des Hauses auf