, welcher die Höschen der Bienen bildet , so daß es bald nicht mehr gehen konnte . Da es aber immer mehr Gold regnete , so bildete dieses noch zwei große Flügel an dem Tiere , und dieses glich nun wirklich mehr einer ungeheuren beladenen Biene als einem Pferde und flog mit Heinrich lustig von der Brücke auf , welche jetzt endlich zu Ende war . Heinrich ritt oder flog jetzt durch die sonnigen Straßen der Stadt , welche herrlich und fabelhaft aussahen und ihm doch ganz bekannt waren , bis er unter die himmelhohen Linden kam , zwischen welchen in der Höhe die zwei goldenen Münsterkronen glänzten , mit lebendigen Mädchen angefüllt . Das goldene Bienenpferd schwang sich mit ihm höher und höher und setzte sich endlich auf einen grünen Lindenast , welcher gerade zwischen beiden Kronen mitteninne schwebte . » Das sind « , sagte das lustige Vogeltier , » die heiratslustigen Jungfernmädchen dieses Landes , unter denen du dir als wohlbestellter Mann füglich eine Frau aussuchen kannst . « Heinrich blickte unentschlossen in beide Kronen hinüber , wie der Esel des Buridan zwischen den Heuschobern , und flog endlich mit seinem Tiere in die eine der Kronen , so daß er wie eine Reiterstatue plötzlich in einem Kranze ältlicher Mädchen stand , welche anständig und gemessen um ihn herumtanzten und sangen » Wir sind diejenigen heiratsfähigen Frauenzimmer , welche gerade mannbar waren , als du in die Fremde gereiset bist , und welche seitdem alte Jungfern geworden ! Kennst du uns noch ? Unten in der Kirche wird getraut ! « » Teufel noch einmal « , sagte Heinrich , » wie die Zeit vergeht ! Wer hätte das gedacht ! Ich will aber sehen , was das da drüben für welche sind ! « Er flog in die andere Krone und sah sich unter eine Schar siebzehn- bis achtzehnjähriger Jüngferchen versetzt , welche , die Locken schüttelnd , mutwillig und doch zartverschämt um ihn tanzten , ihn dabei mit offenen Rehaugen ansahen und sangen » Wir sind diejenigen heiratsfähigen Frauenzimmer , welche noch mit der Puppe spielten , als du verreiset bist ! Kennst du uns noch ? « » Alle Himmel ! « rief Heinrich , » wie die Zeit vergeht ! Wer hätte das gedacht ? Eure Gesichtchen sind aber lieblichere Zeitsonnenuhren als die da drüben ! Welche Zeit ist es , du kleine Schlanke ? « » Es ist Heiratenszeit « , lachte hold die Angeredete , und Heinrich rief hocherfreut und lachend , indem er ihr das zarte Kinn streichelte » Warte du einen Augenblick , ich will nur erst meine Mutter aufsuchen und mit ihr Absprache nehmen ! « Er flog eilig vom Turm hernieder , und die bergige Stadt hinanreitend , suchte er endlich die Straße und das Haus seiner Mutter auf . Das schwere Pferd konnte aber nur mühsam vorwärts , und es dünkte Heinrich eine qualvolle Ewigkeit , bis er endlich vor dem ersehnten Hause anlangte . Da fiel das Tier vor der Haustür zusammen und verwandelte sich zum Teil wieder in das Gold , aus welchem es entstanden , zum Teil in die schönsten und reichsten Effekten und Merkwürdigkeiten aller Art , wie man sie nur von einer bedeutsamen und glücklichen Reise zurückbringen kann ; Heinrich aber stand verlegen bei dem aufgetürmten Haufen von Kostbarkeiten , der sich ganz offen ohne alle tragbare Hülle auf der Straße ausbreitete , und vergeblich suchte er den Drücker der verschlossenen Haustür oder den Glockenzug . Ungeduldig und ratlos , indem er ängstlich seine Reichtümer hütete , sah er an das Haus hinauf und bemerkte erst jetzt , wie seltsam es aussah . Es war gleich einem alten edlen und fachreichen Schrankwerke ganz von dunklem Nußbaumholz gebaut mit unzähligen Gesimsen , Balkonen und Galerien , alles auf das feinste gearbeitet und spiegelhell poliert . Auf den Gesimsen und Galerien standen altertümliche silberne Trinkbecher von jeder Gestalt , kostbare Porzellangefäße und kleine feine Marmorbilder aufgereiht . Große Fensterscheiben von klarem Kristallglas , denen aber das dunkle Innere des Hauses einen dunklen geheimnisvollen Glanz gab , funkelten hinter den Galerien , oder herrlich gemaserte Holztüren , welche ins Innere führten und mit reichgeformten blanken Stahlschlüsseln versehen waren , boten dem Lichte ihre glänzende Fläche dar ; denn der Himmel wölbte sich jetzt ganz dunkelblau über dem Hause , und eine merkwürdige halbnächtliche Sonne spiegelte sich in der dunklen Pracht des Nußbaumholzes , im Silber der Gefäße und in den Fensterscheiben . Alles dies sah aus wie das nach außen gekehrte Inwendige eines altbestandenen reichen Hauses und hatte doch ein sehr festes und bauliches Ansehen . Jetzt ent deckte Heinrich , daß außen schön geschnitzte Treppen zu den Galerien hinaufführten , und bestieg dieselben , Einlaß suchend . Wenn er aber eine der Türen öffnete , so sah er nichts als ein Gelaß vor sich , welches mit Vorräten der verschiedensten Art angefüllt war . Hier tat sich eine reiche Bücherei auf , deren dunkle Lederbände von Gold glänzten , dort war Gerät und Geschirr aller Art übereinandergeschichtet , was man nur wünschen mochte zur Annehmlichkeit des Lebens , dort wieder türmte sich ein Schneegebirge feiner Leinwand empor , oder ein duftender Schrank tat sich auf mit hundert köstlichen Kästchen voll Spezereien und Gewürze . Er machte eine Tür nach der anderen wieder zu , wohl zufrieden mit dem Gesehenen und nur ängstlich , das er die Mutter nirgend fand , um sich in dem trefflichen Heimwesen so gleich einrichten zu können . Suchend drückte er sich an eines der prächtigen Fenster und hielt die Hand an die Schläfe , um die Blendung des dunklen Kristalles zu vermeiden ; da sah er , anstatt in ein Gemach hinein , in einen herrlichen Garten hinaus , der im Sonnenlichte lag , und dort glaubte er zu sehen , wie seine Mutter im Glanze der Jugend und Schönheit , angetan mit sei denen Gewändern , durch die Blumenbeete wandelte . Er wollte ihr eben sehnlich zurufen