ihr gesenktes Auge vom Boden erhob , streifte es eine leichte , schwarzseidene Schlinge , in welcher Leonce noch immer den früher gebrochenen Arm trug . Ihr Auge blieb daran haften , und ihre Züge verriethen den lebhaften Wechsel ihrer Empfindungen . Sie öffnete zwei Mal die Lippen - endlich sagte sie kaum hörbar : » Sie waren verwundet , Herr Marquis ? Gräfin d ' Aubaine schrieb mir , daß Sie einen Unfall hatten . « Leonce hatte jedes Wort von ihren Lippen verschlungen . » Es war ein sehr unbedeutender Unfall ! « rief er ; und als sie schwieg , fuhr er mit Lebhaftigkeit fort : » ich segne die Veranlassung - und habe zu viel wirklichen Schmerz erlitten , um dies Ereigniß dazu rechnen zu können ! « Der Zufall wollte , daß sie sich bei diesen Worten fast allein gegenüber standen , da die Uebrigen sich besprachen , jetzt die Zimmer der Königin , die alle Schrecken verloren hatten , zu besuchen . Leonce schien nach seiner Erwiederung eine Antwort zu erwarten ; - Elmerice stand noch in derselben Stellung . - Plötzlich richtete sie sich auf , blickte ihn ernst und flüchtig an und wendete sich , ihn grüßend , dann zu den Uebrigen . Als man die Zimmer betrat , hatte sich Emmy Gray daraus zurück gezogen , welches für Elmerice eine Erleichterung , für die Anderen eine unangenehme Täuschung war . Leonce trat an den Schreibtisch , vor dem Elmerice gesessen - und betrachtete bewegt das aufgeschlagene Prachtwerk , in welchem sie gelesen . Wenn Blicke sich ahnen , so finden sie sich durch alle örtlichen Hindernisse hindurch ; - Elmerice und Leonce blickten sich an , durch viele Personen von einander getrennt ! Wir übergehen den Eindruck , den die weitere Besichtigung der Zimmer bei der Gesellschaft hervorrief . Als man sich anschickte , sie zu verlassen , entstand ein neuer Kampf mit Elmerice , welche zu ihrer alten Freundin zurückkehren wollte und dennoch , von Allen liebevoll gedrängt , sich der Gesellschaft anschließen mußte . Mit unbeschreiblicher Schwermuth sah sie sich plötzlich in dem Zirkel , den zu fliehen , sie so viel Grund zu haben glaubte - sah sich unter heitere , sorglose Menschen versetzt , deren Leben glücklich und sicher begründet schien , während sie mehr , wie je , sich heimathlos , ohne ausreichenden Schutz , ohne Anspruch an eine feste Lebensstellung fühlte ! Dabei hatte sie , trotz aller Schonung ihrer Umgebungen , dennoch eine vornehme Neugier zu ertragen , die mit tausend Höflichkeiten doch zu ergründen trachtete , ob eine Miß Eton , die auch nicht zur englischen Aristokratie gehörte , wirklich den Anforderungen einer höheren Geselligkeit Stich halten werde ; und die überraschte Bewunderung , mit der man günstige Wahrnehmungen aufnahm , hatte für wahres Zartgefühl etwas Beleidigendes . - » O , wie Recht hatte mein Vater , « seufzte sie - » mit ihrer Höflichkeit erstarren sie mein Herz ! « Freilich machten hiervon Lucile und Armand , ebenso wie die kleine Margot eine ehrenvolle Ausnahme . Diese hatten die Höflichkeit des Herzens , die immer den rechten Ton zu finden weiß , und Elmerice zeigte bei jenen aus Stolz und hier aus wirklich dankbarem Gefühle , eine schickliche Theilnahme an der lebhaft angeregten Unterhaltung . Dazwischen war ihre Kleidung ein Gegenstand des Entzückens für alle Damen , dem sich mit einiger Zurückhaltung die Herren anschlossen , die alle heimlich einander beschuldigten , an Miß Eton ihr Herz verloren zu haben ; denn selbst Armand , der treueste Paladin seiner Dame , sollte sich zu hingerissen gezeigt haben . Bald hatten die Damen heraus gefunden , daß diese Kleidung auf dem Lande und in diesem alten Schlosse viel passender sei , als die , welche jetzt herrschende Mode war ; und Elmerice zeigte sich willig , sich in einem Nebenzimmer den Blicken aller herbei gerufenen Kammerfrauen darzustellen , die sich verpflichten mußten , auf das schnellste mit den vorhandenen Kleidern der Damen diese Metamorphose vorzunehmen . » Miß Eton , wie allerliebst wird uns morgen die Mittagstafel kleiden ! « rief Margot . » Wenn wir geschmückt sind , kommen wir alle in Prozession und holen Sie ab ! « » Ja , und Jeder nimmt einen Namen an aus den Zeiten der Königin , deren Kleider wir nachahmen ! « rief Mademoiselle de la Beaume . » Dann müßten Sie Katharina selbst sein , « sagte Armand . - » Gut , « lachte die alte Dame - » Katharina bekam so gut weißes Haar , wie ich . Doch kann ich bloß eine stolze Königin darstellen ; denn ihre übrigen Nüancen kann ich nicht ergründen ! « » Vergessen Sie nicht , « sagte Armand - » daß sie gesellschaftlich , geistreich und liebenswürdig war , worin ihr keine Frau ihrer Zeit gleich kam , und daß dies gerade meinen Vorschlag bestimmte . - Aber Sie müssen sich jetzt eine Tochter , eine Margarethe von Valois wählen ! « » Sehen wir sie nicht vor uns ? « rief Mademoiselle de la Beaume - » Gräfin Bussy muß meine Tochter sein ! « » Nun , « rief Lucile - » so will ich Johanna von Navarra wählen , die stolze Bearnerin , die ich so liebe , und Leonce soll mein Sohn sein ! Und Sie , Miß Eton , müssen Eudoxia Nemours vorstellen , die eigentliche , wenn auch geheime Beherrscherin dieses Schlosses zu jener Zeit ! « Miß Eton schauderte bei dieser Wahl unwillkürlich zusammen . » Fürchten Sie Nichts , « lachte die alte Prinzessin - » mir lebt kein Gemahl zur Seite ; und ich verspreche , weder selbst , noch durch Andere Gift und Dolch zu führen . « » Ach , Madame , « sagte Elmerice , zu ernst für den Maskenscherz - » der Tod ist nicht das Schimmste ! Aber haben Sie die Thränenspur auf dem Betpulte des unglücklichen Fräuleins vergessen