nimmer wieder erkannt , - aber wirst Du auch nicht mehr kennen mein Antlitz ? « - Esther ' s Erinnerungen waren übrigens mangelhaft , nur mit einem Seufzer aus tiefer Brust mußte der Fremde ihr zu Hülfe kommen , in den Worten : » Ich habe einst geheissen Ascher , Du Tochter Ben Davids , und wirst Du mich kennen noch nicht ? « - » Jehovah ! unser Gott ! « schrie Esther auf : » Ascher ! mein Bruder Ascher ! Sey gegrüßt , sey willkommen , Du Verlorner ! « » Die Dirne hat den ganzen Sabbat vom Brocken hieher gelockt ; « murrte der Forstwart vor sich hin : » und was gilt ' s , sie wandelt meine Hütte um in eine Judenherberge . Vater und Bruder sind schon gekommen , und wer weiß , wer noch alles folgt . Nein , Jungferlein : Also geht es nicht ; und morgen weiß die Frau von Dürning Alles . « - » Er ging mißmuthig zu seinen Hunden und in die Hütte , während das Gespräch zwischen Esther und dem Ankömmling so ernst wurde , daß sie Ammon ' s gänzlich vergaßen . - Verlorner ! sagtest Du ; « sprach Ascher wehmüthig , Esther ' s Hand ergreifend : » die Wahrheit kommt nicht reiner vom Himmel , als in diesem Worte aus Deinem Munde . Verloren war ich , verloren bin ich , und würde es bleiben , wollte ich nicht zu rechter Zeit mich wieder gewinnen . Ach , sieh mich nicht an , Esther . Ich habe schon des Vaters Zorn gesehen ; laß mich nicht schauen auch Deine Berachtung . Vergib mir , daß ich hingegangen bin vom Glauben zum Irrthum , von dem Gesetz der Väter zu einem fremden . Die Überredung hat mich verleitet , der finstre Geist des fälschen Wissens hat mich verführt ; Hoffnung auf ein zeitliches Glück hat mich bethört , daß ich gethan , was ich jetzt bereue von Herzen , wie der große König David bereut hat seine Sünden . « » Ei , was muß ich hören : « fragte Esther dagegen : » Du bereust , der Thora abgeschworen , dem reinen Gesetze gehuldigt zu haben ? O schwanke nicht in diesem neuern herrlichen Glauben ! Zittre vor Wankelmuth , und halte Dich fest an dem Leitfaden , den des Ewigen Milde Dir erlaubte . « - » Versteh ' ich Dich ? « sprach Ascher verwundert : » Ist das meine Schwester , die Tochter meiner Mutter , der einzigen Tochter des frommen Alliba zu Oppenheim , auf dem der Friede sey , wie auf ihr die Ruhe und Segen ? Spricht also die Tochter David ' s , des Sohnes Jochai , die nimmer versäumt hat eine von den vielen Pflichten , die zu erfüllen hat ein Sohn des Gebots ? Wie kommt es , daß Du mich schiltst , da ich thue , was Recht ist ? Reue und Buße . « » Ach , Ascher ! « entgegnete Esther milde unk freundlich : » Ich hätte Euch nicht gehaßt , so auch noch Alles geblieben wäre , wie ehedem , denn die Gojim , wie Du und Deine Brüder sie nenne , sind mir doch immer vorgekommen , wie unsre wahren Brüder . Aber ; es ist alles ganz anders geworden . Ich heiße nicht mehr Esther ; mein Name ist Maria , und eine Christin bin ich von Geburt an ; nicht Davids Tochter , nicht Deine Schwester . « - » Nicht Davids Tochter ? « fragte Ascher : » nicht meine Schwester ? Wie fasse ich das ? « - Esther erzählte vom Ungemach des Vaters an , bis auf den heutigen Tag , und das Geständniß Davids Alles , der Wahrheit getreu , und Ascher traute kaum seinen Ohren . » Weh geschrieen ! « rief er , da das Mädchen vollendet hatte : » Gott ! was habe ich gehört ? Der Herr segne den Raaf im Paradiese , und der Raaf verzeihe dem Vater die Lüge , die er auf jenes Grab gepflanzt . Eine Lüge ? - Ich will sterben zur Stunde und ohne Gebet und ohne Beistand dahin fahren , wie der Abtrünnigen Gräßlichster in seinen Sünden , wenn das wahr ist , was der Vater mir berichtet . - Wie ? - O , David ist ein sanfter Herr seinen Kindern ; er will sie glücklich sehen ; er will allein tragen den Vorwurf , damit das Gewissen seiner Kinder frei bleibe vom Vorwurf . Er will selbst werden ein Sünder , bevor , er zugäbe , daß Du , Esther , eine Sünde begehest . Du , Esther , Du bist Davids Tochter , und keine andre . An Deiner Wiege saß ich über einen Mond , wachend und Dich wartend in einer Krankheit , die mit der Geburt über Dich gekommen war . Ich und , mein Bruder sind niemals mit dem Vater gewesen über Land . Nie hatte sie Statt , die angebliche Verwechslung . Der Raaf hätte nimmer ein Christenkind in ' s Haus eines Gläubigen geführt , nimmer sich theilhaftig gemacht einer solchen Sünde wider das Gesetz ; und dieser hebräische Buchstab an dem kleinen Finger Deiner linken Hand ist eingeätzt worden von dem kunstreichen Raaf , da Du noch keine Woche alt gewesen , als Zeichen unsers Hauses . Ich gelobe Dir ' s , beim Haupte des Vaters : Du bist von seinem Blute und aus Israel . « - » Herr Gott im Himmel ! « feufzte Esther ängstlich und niedergeschlagen : » Wenn das wäre ! Entsetzlich ! Wo ist der Vater ? Du wirst sehen , Ascher ! « ... - » Nicht doch , mein Kind ; « versetzte Ascher , seiner Sache gewiß : » Ich werde nicht einmal den Vater sehen , denn er ist geflohen vor meinem Antlitze . « - Esther ' s