und darauf mutig beharrte und sich nicht wie andere Prinzessinnen zum Opfer des Thrones verhandelte - und weil sie die deutscheste Französin ist , die ich kenne , außer der Madame Necker - Ja mir gehört sie ordentlich mit aller schönen Jugend unter die alten Frauen , und diese sucht ' ich von jeher vor , denn es ist doch etwas von ihnen zu lernen . Dich liebt sie sehr , mich , glaub ' ich , weniger , einem so reizenden Mittelding von Nonne und Ehefrau schein ' ich zu weltlich , ob es gleich nicht ist . « Beide kamen im schönen Zauberdorfe - als schon die netten Kinder sich zur Ährenlese verbündeten und die Wagen schon den Sammlern der Garben entgegenfuhren - nachmittags vor dem Mittagsessen an . Idoinens Bruder , der künftige Erbfürst von Hohenfließ - der Zwerg in Tivoli - , sah aus dem Fenster , und Julienne bedauerte fast die Reise . Idoine flog ihr entgegen und drückte sie herzlich an die Brust . Als Julienne dieses große blaue Auge und jeden verklärten Zug der Gestalt , die einst ihr Bruder so selig und schmerzlich geliebt , vor und auf ihrem Angesicht hatte : so glaubte sie jetzt , da sie seine Schwester geworden , gleichsam als seine Stellvertreterin die Liebe der Stellvertreterin Lianens zu empfangen ; und sie mußte , wie allzeit seit diesem Tode bei dem ersten Empfange , innig weinen . Linda wurde von der Prinzessin mit einer so tiefen Zärtlichkeit empfangen , daß sich Julienne wunderte , da sonst beide in einem Wechsel von Kälte und Liebe lebten . Die Ministerin Froulay stand da , von der Trauer so alt , kalt , still und höflich , so kalt gegen die Zeit und die Menschen ( ausgenommen das Ebenbild ihrer Tochter ) , besonders gegen Linda , deren kecker , entschiedner , philosophischer Ton ihr unweiblich und eine Trommete an zwei Frauen-Lippen zu sein schien . Der künftige Erbprinz von Hohenfließ entfernte sich zum Glücke bald von einem so unbequemen Ort , wo er auf einem Schiffbruchsbrett statt in einer Gondel fuhr . Nachdem er Julienne mit Anteil um das Befinden ihres Bruders , seines jetzigen Vorfahrers , gefragt - und sie und Linda an ihre und seine welsche Reise erinnert hatte : so wurd ' er über Juliennens Kaltsinn und über die moralischen Gespräche der Weiber und über einen gewissen sittlichen Gewitterdruck - den Lüstlinge bei Weibern empfinden , wo alles Rauhe , die Selbsucht , die Anmaßung als Mißton schreiet - und über die allgemeine plagende Heuchelei wofür er sogleich alles nehmen mußte - so verdrüßlich und verstimmt , daß er leicht aufbrach und dieses Schäferleben um den einzigen Wolf verkürzte , der darin schlich . Lüstlinge halten es unter vielen edlen Frauen , gedrückt von deren vielseitigen scharfen Beobachtungen , nie lange aus , obwohl leichter bei einer allein , weil sie diese zu verstricken hoffen . Was ihm am wehesten tat , war , daß er sie alle für Heuchlerinnen erklären mußte . Er fand keine gute Weiber , weil er keine glaubte ; da man sie glauben muß , um sie da zu sehen , wo sie sind ; so wie die Tugend üben , um sie zu kennen , nicht umgekehrt . Mit ihm schien eine schwarze Wolke aus diesem Eden und Äther wegzuziehen . Die Ministerin erhielt eine Karte von ihrem Sohne Roquairol , der eben angekommen , und ging auch - zu Juliennens Freude , die an ihr ein kleines Hindernis ihres Bekehrungsplans für Linda fand , weil diese die Ministerin für eine einseitige , enge , bängliche , unnachgiebige Natur ansah . Idoine bat die beiden Jungfrauen , ihr kleines Reich mit ihr zu bereisen . Sie gingen hinab ins reine weite Dorf . Auf den Treppen begegneten ihnen heitere dienstgefällige Gesichter . Aus den fernen Zimmern des Schlosses hörte man bald Singen , bald Blasen . Wie am Vogel sich das glänzende Gefieder schnell und glatt in- und auseinanderschiebt : so bewegten um Idoine sich alle Geschäfte ; ihre ökonomische Maschine war keine plumpe knarrende Turmuhr , sondern eine spielende Bilderuhr , welche hinter Töne die Stunden , hinter Bilder die Räder versteckt . In einem Wiesengarten spielten die jüngsten Kinder wild durcheinander . Herrnhutische und holländische Reinlichkeit hatten das Dorf zu einer glatten hellen Putzbude gewaschen und gemalt . Neu und blank hing der Eimer über dem Brunnen unter der Linden-Rotunda des Dorfs war die Erden-Diele sauber gekehrt - überall sah man reine , ganze , schöne Kleider und freudige Augen - und Idoine zeigte unter der fremden Heiterkeit bedeutenden Ernst in den Blicken , womit sie ihr Arkadien Blume nach Blume prüfte . Sie führte ihre Freundinnen über die verschiednen Sonntags-Tanzplätze der verschiednen Alter , vor dem Hause des Amtmanns vorüber , worin die Ministerin wohnte und jetzt , zu Juliennens Furcht , ihr Sohn war , in die helle schmucklose Kirche . Bald kamen ihr der Pfarrer und Amtmann , für welche das Vorübergehen ein Wink gewesen , in die Kirche nach und holten von ihr Aufträge ; beide waren junge schöne Männer mit offner Stirn und ein wenig Jugendstolz . - Als man aus der Kirche war , sagte sie : durch diese jungen Männer regiere sie über den Ort , und sie selber lenke sie sanft ; nur junge seien mit Haß und Mut gegen den Schlendrian und mit Enthusiasmus und Glauben ausgerüstet . Sie setzte scherzhaft dazu , nichts beherrsche sie als eine Schule von Mädchen , an der ihr mehr gelegen sei als an der andern , weil Erziehung Angewöhnung sei und diese ein Mädchen mehr als ein Knabe brauche , dem die Welt doch keine lasse ; und sie habe einigen Hang , eine la Bonne zu sein , weil sie es schon als Mädchen oft bei ihren Schwestern habe sein müssen . Sie führte beide darauf in mehrere Häuschen ; überall fanden sie ausgeweißte geordnete Zimmer , Blumen und Weinreben an