führte er durch die Hölle .... oder zu ihr . Deshalb ertrage ich nicht die Vorstellung , daß dieser religiöse Wirrwarr vergrößert werden soll , indem Du , Geliebte , gerade dem Katholizismus , den ich verlasse , Dich zuwendest . Ach Judith , es ist ja schon so vieles vorhanden , das uns trennt , - wozu denn auch noch das Glaubensbekenntnis ? Ich weiß , daß wir dies früher anders besprachen ; daß ich leicht meine Zustimmung gab . Doch jetzt , wo für uns Beide der Schritt nah und näher kommt , jetzt quält mich alles , was wie eine Kluft zwischen uns aussieht . Und deshalb , geliebte Judith , bitte ich auf den Knien um den geringen und einfachen Liebesbeweis , daß Du dich nach irgend einem akatholischen Ritus taufen läßt . Es gibt hier anglikanische Geistliche genug ; ich selbst kenne einige von meinen Jagdpartien her - vortreffliche Schützen ! Sie werden mit Freuden diesem Wunsch entgegenkommen . « Während Orest sprach , fühlte Judith , daß die Stunde ihres Bekenntnisses und die Strafe ihrer Sünden da sei . Aber sie sprach zu sich selbst : Ich werde meinen Glauben nicht verläugnen , nicht Orest vierundzwanzig Stunden täuschen ! Gott will es nicht . Wär ' es sein Wille , so wäre Orest nicht gerade heute mit dieser Bitte gekommen . Morgen soll ich getauft werden und heute hintergehen ! ... das kann ich nicht .... breche über mich ein , was da wolle . » Teurer Orest , « entgegnete sie mit einer weichen Innigkeit , die sonst durchaus nicht in ihrem Wesen lag , » ich bin auf dem Wege des Glaubens zu nah an die ewige Wahrheit heran getreten , um jetzt wieder umkehren zu können . Ich halte die Glaubenslehre der katholischen Kirche für die einzig wahre göttliche Offenbarung . Hat man diese Überzeugung , so ist es Feigheit , sie zu verläugnen ; Sünde .... sie aufzugeben . « » Also richtig ! also wirklich ! « ächzte Orest . » Betört , umgarnt , verloren ! « » Das alles war ich ! « entgegnete Judith sanft . » Gottes Barmherzigkeit rettet mich .... und will auch Sie retten . « » Ha , Schlange ! « rief Orest außer sich . » Schlange , der ich mein Herz , mein Leben , mein Glück hinwarf ! ist dieser Verrat der Lohn meiner Treue ! « » Ich verrate Sie nicht , Graf Orestes . Sie haben gewünscht - nicht ich ! - daß ich die christliche Taufe empfangen möge . Wir knüpfen beide irdische Hoffnungen daran ; ... ich hatte ja keine Ahnung von himmlischen ! Die göttliche Liebe gewährt mir diese , indem sie jene zerstört . Ist das Verrat ? « » O Schlange , die dem Priester Gehör gibt , seiner Weisung folgt , ihm gehorcht , ihm glaubt - mir aber den kleinen armseligen Wunsch versagt , demjenigen religiösen Bekenntnis sich anzuschließen , dem ich , aus grenzenloser Liebe zu ihr , folgen will . « » Wehe mir , wenn es dahin mit Ihnen käme , teurer Graf . Ich bin so unglücklich gewesen , Sie der heiligen Kirche zu entfremden - o lassen Sie mir die Hoffnung , Sie zurückzuführen . « » Wissen Sie denn nicht , daß wir dann auf immer getrennt sind ? « » Teurer Orest , wir sind es in jedem Fall , « sagte Judith mild aber bestimmt . Er faßte ihre beiden Hände über dem Gelenk in seiner Hand wie in eiserner Klammer zusammen , riß sie von der Causeuse empor und rief mit einem so wilden Ausdruck : » Wiederhole das und ich töte Dich ! « daß Judith voll Entsetzen innerlich seufzte : O Herr , erbarme dich meiner ! und dann gefaßt sagte : » Wohlan , Orest , töten Sie mich ! ich hab ' es verdient . « Grimmig rief Orest , indem er immer ihre Hände festhielt und zuweilen wütend schüttelte : » Schlange , die mich Jahrelang mit ihrem Blick bezaubert , mit ihren Windungen umringelt hat .... Schlange , die klug nie Gewährung gab , nie Hoffnung nahm .... Schlange , die endlich , endlich ! ihre Zusage halten , ihr Versprechen erfüllen soll , und nun mir entschlüpfen will . Ich träume von Paradiesen in irgend einem entlegenen Winkel der Welt .... paradiesisch nur durch ihren Besitz ; ich habe keinen anderen Gedanken , als den , mich mit ihr aus dem wüsten , langweiligen Menschengewühl zu flüchten und von ihr allein mein Glück zu verlangen ; mir brennt der Boden unter den Füßen , so lange zwischen ihr und mir verhaßte Schranken gezogen sind ; ... und in dem Augenblick , wo sie fallen sollen , da will die Schlange sich glatt und kühl mir entwinden ? ! Nein , Signora ! das läßt sich der Orest nicht gefallen . « » Was denken Sie also zu tun , Herr Graf ? « fragte Judith ruhig . » Ich lasse nicht von Dir ! « rief er in einem anderen Ton , doch nicht weniger stürmisch . Sie schüttelte sanft den Kopf und sagte : » Ich verdiene Ihren Haß , Ihre Verachtung , Ihren Zorn ! Ich sage nicht eine Silbe , um mich für meine Vergangenheit bei Ihnen zu entschuldigen ; aber , teurer Orest .... fortan trennen sich unsere Wege . « » Judith ! « rief er und sank ihr zu Füßen , » wie ist es denn möglich , einen so gräßlichen Treubruch zu begehen , weil man ein paar Worte von einem Priester gehört hat ! « » Ach , Orest , es sind ja Worte , die plötzlich dem Leben einen neuen Inhalt , eine neue Bestimmung , ein neues Ziel geben ! ich wußte ja nichts von der gefallenen Natur , die durch die Sünde von dem höchsten Gut , von der ewigen Liebe , der