Willen deiner Eltern tun und das Band mit mir lösen , antwortete ich . Und das schlägst du vor , und das hast du der Mutter versprochen , bei mir auszuwirken ? , fragte sie . Mathilde , nicht auszuwirken , antwortete ich , wir müssen gehorchen ; denn der Wille der Eltern ist das Gesetz der Kinder . Ich muß gehorchen , rief sie , indem sie von der Bank aufsprang , und ich werde auch gehorchen ; aber du mußt nicht gehorchen , deine Eltern sind sie nicht . Du mußtest nicht hieher kommen und den Auftrag übernehmen , mit mir das Band der Liebe , das wir geschlossen hatten , aufzulösen . Du mußtest sagen : Frau , Eure Tochter wird Euch gehorsam sein , sagt Ihr nur Euren Willen ; aber ich bin nicht verbunden , Eure Vorschriften zu befolgen , ich werde Euer Kind lieben , so lange ein Blutstropfen in mir ist , ich werde mit aller Kraft streben , einst in ihren Besitz zu gelangen . Und da sie Euch gehorsam ist , so wird sie mit mir nicht mehr sprechen , sie wird mich nicht mehr ansehen , ich werde weit von hier fortgehen ; aber lieben werde ich sie doch , so lange dieses Leben währt und das künftige , ich werde nie einer andern ein Teilchen von Neigung schenken , und werde nie von ihr lassen . So hättest du sprechen sollen , und wenn du von unserm Schlosse fortgegangen wärest , so hätte ich gewußt , daß du so gesprochen hast , und tausend Millionen Ketten hätten mich nicht von dir gerissen , und jubelnd hätte ich einst in Erfüllung gebracht , was dir dieses stürmische Herz gegeben . Du hast den Bund aufgelöste , ehe du mit mir hieher gegangen bist , ehe du mich zu dieser Bank geführt hast , die ich dir gutwillig folgte , weil ich nicht wußte , was du getan hast . Wenn jetzt auch der Vater und die Mutter kämen und sagten : Nehmet euch , besitzet euch in Ewigkeit , so wäre doch alles aus . Du hast die Treue gebrochen , die ich fester gewähnt habe als die Säulen der Welt und die Sterne an dem Baue des Himmels . Mathilde , sagte ich , was ich jetzt tue , ist unendlich schwerer , als was du verlangtest . Schwer oder nicht schwer , von dem ist hier nicht die Rede , antwortete sie , von dem , was sein muß , ist die Rede , von dem , dessen Gegenteil ich für unmöglich hielt . Gustav , Gustav , Gustav , wie konntest du das tun ? Sie ging einige Schritte von mir weg , kniete , gegen die Rosen , die an dem Gartenhause blühten , gewendet , in das Gras nieder , schlug die beiden Hände zusammen und rief unter strömenden Tränen : Hört es , ihr tausend Blumen , die herabschauten , als er diese Lippen küßte , höre es du , Weinlaub , das den flüsternden Schwur der ewigen Treue vernommen hat , ich habe ihn geliebt , wie es mit keiner Zunge , in keiner Sprache ausgesprochen werden kann . Dieses Herz ist jung an Jahren , aber es ist reich an Großmut ; alles , was in ihm lebte , habe ich dem Geliebten hingegeben , es war kein Gedanke in mir als er , das ganze künftige Leben , das noch viele Jahre umfassen konnte , hätte ich wie einen Hauch für ihn hingeopfert , jeden Tropfen Blut hätte ich langsam aus den Adern fließen und jede Faser aus dem Leibe ziehen lassen - und ich hätte gejauchzt dazu . Ich habe gemeint , daß er das weiß , weil ich gemeint habe , daß er es auch tun würde . Und nun führt er mich heraus , um mir zu sagen , was er sagte . Wären was immer für Schmerzen von außen gekommen , was immer für Kämpfe , Anstrengungen und Erduldungen ; ich hätte sie ertragen , aber nun er - er - ! Er macht es unmöglich für alle Zeiten , daß ich ihm noch angehören kann , weil er den Zauber zerstört hat , der alles band , den Zauber , der ein unzerreißbares Aneinanderhalten in die Jahre der Zukunft und in die Ewigkeit malte . Ich ging zu ihr hinzu , um sie empor zu heben . Ich ergriff ihre Hand . Ihre Hand war wie Glut . Sie stand auf , entzog mir die Hand , und ging gegen das Gartenhaus , an dem die Rosen blühten . Mathilde , sagte ich , es handelt sich nicht um den Bruch der Treue , die Treue ist nicht gebrochen worden . Verwechsle die Dinge nicht . Wir haben gegen die Eltern unrecht gehandelt , daß wir ihnen verbargen , was wir getan haben , und daß wir in dem Verbergen beharrend geblieben sind . Sie fürchten Übles für uns . Nicht die Zerstörung unserer Gefühle verlangen sie , nur die Aufhebung des Äußerlichen unseres Bundes auf eine Zeit . Kannst du eine Zeit nicht mehr du sein ? erwiderte sie , kannst du eine Zeit dein Herz nicht schlagen lassen ? Äußeres , Inneres , das ist alles eins , und alles ist die Liebe . Du hast nie geliebt , weil du es nicht weißt . Mathilde , antwortete ich , du warst immer so gut , du warst edel , rein , herrlich , daß ich dich mit allen Kräften in meine Seele schloß : heute bist du zum ersten Male ungerecht . Meine Liebe ist unendlich , ist unzerstörbar , und der Schmerz , daß ich dich lassen muß , ist unsäglich , ich habe nicht gewußt , daß es einen so großen auf Erden gibt ; nur der ist größer , von dir verkannt zu sein . Ich unterscheide nicht , wer dir das Gebot der Eltern hätte sagen sollen , es