« » Der eine Freude daran findet , so eine unsichtbare und mächtige Hand über die Menschen auszustrecken , und hier und dort Einen zu schütteln und zu kneifen ; dessen Laune es ist , manchmal Jemand , der sich vielleicht seinen Zorn zugezogen , gewaltig zu treffen . - Denn aus Eigennutz oder des Verdienstes halber hat er sich nicht mit uns eingelassen , das liegt am Tage . « » Gewiß nicht ; ich wüßte mich wenigstens nicht zu erinnern , daß er je auch nur Nadelknopfs werth von dem Erworbenen für sich in Anspruch genommen . « » Ihr müßt aber da etwas unterscheiden , « fuhr Herr Sträuber mit einem pfiffigen Gesichte fort ; » er verlangte freilich nie etwas , was für uns Werth hat , aber die Sachen , die er sich vorbehielt , und die wir hie und da mitnahmen , mußten doch wohl für ihn wichtig sein , denn er hat sie uns meistens reich bezahlt . « » Und was waren das für Sachen ? « » Papiere , lieber Freund ! - Dokumente ; was weiß ich ! Oftmals Briefschaften , ja nur ein einfaches Porträt , das er haben wollte . Und wie genau wußte er immer , wo das zu finden sei . In solchen Fällen gab er das Zimmer an , den Tisch oder den Schrank , wo sich die und die Kassette befände ; ja er wußte oft , wo der Schlüssel war , oder sagte , man müsse sie aufsprengen oder ganz mitnehmen . « » Aber Papiere von Geldwerth nahm er nicht ? « » Davon habe ich niemals etwas gehört . - Als ich ihn damals sah - er gab uns in der Nacht über einen verwickelten Fall eine sehr genaue Instruktion - sprach er etwas , das ich nicht vergessen werde . - Einer ist auf dieser Erde der Sklave des Anderen , sagte er ; mir macht es nun einmal Vergnügen , so eine recht scharfe Peitsche über Alle schwingen zu können , nachdem sie mich lange und schwer gegeißelt . - Zu derselben Zeit bekam der Mathias noch einen ganz sonderbaren Auftrag , den er auch mit einer unglaublichen Gewandtheit ausführte . - Was meint Ihr wohl , Meister ? - Er mußte sich mit großer Gefahr in ein Haus schleichen , mehrere Thüren öffnen , und das alles nicht um etwas zu nehmen , sondern um etwas zu bringen . « » Ah ! Sträuber , Ihr bindet mir Eins auf . « » Gewiß nicht ; mich soll der Teufel holen ! Er bekam von ihm ein Paketchen mit Briefen , und die mußte der Mathias dort in einem Schreibtisch in ein ihm genau bezeichnetes Fach legen . « » Das begreife ein Mensch . « » Ich hab ' s begriffen , « sprach Herr Sträuber schmunzelnd , indem er die linke Hand mit ausgespreizten Fingern von sich abstreckte ; » das war eine Mine , die er in dem Hause legte , die artig aufplatzte und dort mehr Verwirrung anrichtete , als wenn wir hunderttausend Thaler gestohlen hätten . « In diesem Augenblicke vernahm man ein leises Klopfen an der Hausthüre . » Wer kann das sein ? « fragte Meister Schwemmer . » Vielleicht der Mathias . « » Nein ; der klopft nicht so leise , « sagte der Hausherr . » Geh an die Thüre ! « rief er seiner Frau , die eben wieder eintrat , zu , » und schau , wer da ist . Wir brauchen keinen Besuch . « » Dem Klopfen nach , « meinte sie , » ist es der Schneider von drüben . « » Ah ! mein Freund Schellinger ! « rief lustig Herr Sträuber . » Den müßt Ihr auf einen Augenblick herein lassen , das ist ein gar zu amüsanter Kerl ; er soll uns von seinen Reisen erzählen . - Nicht , Meister ? « » Meinetwegen ! « entgegnete der Hausherr . » Ich habe eigentlich nichts dagegen ; eine halbe Stunde kann er schon da bleiben . Aber dann kommt der Mathias , und der ist , wie ihr wißt , kein Freund von solchen Schnurrpfeifereien . « Die Frau öffnete die Thüre und Herr Schellinger trat ein . Er rieb sich fröstelnd die Hände , bewegte seine Schultern hin und her , und sagte dann : » Guten Abend bei einander ; heute Nacht wird ' s kalt , ich wollte mir nur noch eine Handvoll Wärme mitnehmen , ehe ich in mein Bett gehe . « » Ja , Ihr bringt einen wahren Frost mit herein , « versetzte Meister Schwemmer stark hustend . » Setzt Euch da auf die Bank und thaut ein bischen auf . « Der Schneider that wie ihm geheißen und ließ sich auf einen Schemel an der Seite des Ofens nieder , wo sich die Stubenthüre befand . » Habe lange nicht das Vergnügen gehabt , Freund Schellinger , « sprach Herr Sträuber . » Ihr besucht Eure Freunde so selten . « » Wer zu oft kommt , der wird überlästig , « sagte Schellinger lächelnd . Dann wandte er sich an den Hausherrn und meinte : » So ein warmer Ofen thut doch gut ; Ihr solltet mir nächstens auch einen in die Stube setzen lassen . « » Das erträgt ' s Gebälk nicht , « warf lachend Herr Sträuber ein . » Ich fürchte immer , daß Ihr ' s einmal durchbrecht und daß ich Euch eines Tags im untern Stock von der Decke herabhängend finde . « Der Schneider legte seine Arme auf die Kniee , wie er gern zu thun pflegte , und ließ den Kopf tief sinken , den er nur zuweilen seitwärts erhob , um alsdann Dem , mit welchem er gerade sprach , mit einem eigenthümlichen Gesichtsausdrucke von unten herauf in die Augen zu blicken . - » Das wäre möglich , « sagte