zu lassen , welche du dir einfacher und unmittelbar aus dir selbst beantworten kannst ? Muß denn dein träumender Verstand wirklich erst ein Pferd formen , es auf vier Beinen dahinstellen und sich rittlings daraufsetzen , um aus dem Munde dieses Geschöpfes das Orakel zu vernehmen ? « Heinrich lächelte vergnügt und selbstzufrieden wie einer , der es wohl weiß , daß er sich selbst einen Spaß vormacht , und versetzte » Antworte ! Ich sehe hier eine Brücke ; dieselbe ist aber vollkommen gebaut und eingerichtet wie ein Palast oder großer Tempel , so daß es in dieser Hinsicht wieder mehr als eine Brücke zu sein scheint , während eine solche vielmehr nur der Weg etwa zu einem guten Tempel oder derartigen Bauwerke zu sein pflegt . Auch beginnt am Ausgange dieser herrlichen Palastbrücke oder dieses Brückenpalastes eine herrliche alte Stadt , deren himmelhohe Lindenwipfel und goldene Turmknöpfe wir wohl unter diese Bogenwölbungen können einherfunkeln sehen , wenn wir uns bücken , so wie wir ja auch aus der schönsten Landschaft herkommen und soeben über die treffliche ideenhaltige Kristalltreppe heruntergestolpert sind . Trotzdem scheint alles auf dieser Brücke so zu leben und zu weben , als ob nichts als diese Brücke da wäre , und ich bin nun begierig zu hören , ob dies stattliche Brückenleben eigentlich ein Übergang , wie es einer Brücke geziemt , oder ein Ziel , wie es ihr auch wieder geziemen könnte , da sie so hübsch ist , ein Zweck oder ein Mittel sei ? Ein bloßes Bindemittel oder eine in sich ruhende Vereinigung ? Ein Ausgang oder ein Eingang , ein Anfang oder ein Ende ? ein A oder ein O ? Dies nimmt mich wunder ! « Das weise Pferd erwiderte » Alles dies ist zumal der Fall , und das ist eben das Herrliche und Bedeutungsvolle an der Sache ! Ohne die schönen Ufer wäre die Brücke nichts , und ohne die Brücke wären die Ufer nichts . Alles , was auf der Brücke geht , ist und bedeutet nur etwas , insofern es aus dem Gelände hüben und drüben kommt und wieder dahin geht und dort etwas Rechtes ist , und dort kann man es wiederum nur sein , wenn man als etwas Rechtes über die Brücke gegangen ist . Wenn man auf der Brücke ist , so denkt man an nichts anderes und stürzt sich in den Verkehr , indessen man doch unversehens hinüber gelangt und wieder in seiner besonderen Behausung ist . Dort duselt und hantiert man in Küche und Keller , auf dem Estrich , rund in der Stube herum , als ob man nie auf der Brücke gewesen wäre , bis man plötzlich einmal den Kopf aus dem Fenster steckt und sieht , ob sie noch stehe ; denn von allen Punkten aus kann man sie ragen und sich erstrecken sehen . So ist sie ein prächtiges Monument und doch nur eine Brücke , nicht mehr als der geringste Brettersteg ; eine bloße Geh- und Fahrbrücke und doch wieder eine statiöse Volkshalle . « Plötzlich bemerkte Heinrich , daß er von allen Seiten mit biederer Achtung begrüßt wurde , welche sich besonders dadurch kundgab , daß manche mit einem vertraulichen Griffe und Wichtiger Miene seinen strotzenden Mantelsack betasteten , wie etwa die Bauern auf den Viehmärkten die Weichen einer Kuh betasten und kneifen und dann wieder weitergehen . » Der Tausend « , sagte Heinrich , » das sind ja absonderliche Manieren ! ich glaubte , es kenne mich hier kein Mensch . « » Es gilt auch « , sagte das Pferd , » nicht sowohl dir als deinem schweren Quersack , deiner dicken Goldwurst , die auf meinem Kreuz liegt . « » So ? « sagte Heinrich , » also ist das Geheimnis und die Lösung dieser ganzen Identitätsherrlichkeit doch nur das Gold , und zwar das gemünzte ? Denn sonst würden sie dich ja auch betasten , da du aus dem nämlichen Stoffe bist ! « » Hm « , sagte das Pferd , » das kann man eigentlich nicht behaupten ! Die Leute auf dieser Brücke haben vorerst ihr Augenmerk darauf gerichtet , ihre Identität allerdings zu behaupten und gegen jeglichen Angriff zu verteidigen . Nun wissen sie aber sehr wohl , daß ein kampffähiger guter Soldat wohlgenährt sein muß und ein gutes Frühstück im Magen haben muß , wenn er sich schlagen soll . Da dies aber am bequemsten durch allerlei Gemünztes zu erreichen und zu sichern ist , so betrachten sie jeden , der mit dergleichen wohlversehen , als einen gerüsteten Verteidiger und Unterstützer der Identität und sehen ihn drum an . Sei dem , wie ihm wolle , ich rate dir , dein Kapital hier noch ein wenig in Umlauf zu setzen und zu vermehren . Wenn die Meinung der Leute im allgemeinen auch eine irrige ist , so steht es doch jedem frei , sie für sich zu einer Wahrheit und so seine öffentliche Stellung angenehm zu machen . « Heinrich griff in seinen Sack und warf einige Hände voll Goldmünzen in die Höhe , welche sogleich von hundert in die Luft greifenden Händen aufgefangen und weitergeworfen wurden . Heinrich warf immer mehr Gold aus , und dasselbe wanderte von Hand zu Hand über die ganze Brücke und über dieselbe hinaus über das Land ; jeder gab es emsig weiter , nachdem er es besehen und ein bißchen an seinem eigenen Golde gerieben hatte , wodurch sich dieses verdoppelte , und bald kehrten alle Goldstücke Heinrichs in Gesellschaft von drei bis vier anderen wieder zurück , und zwar so , daß die ursprüngliche Münze , auf welcher der alte Schweizer geprägt war , die übrigen anführte mit einem Gepräge aus aller Herren Ländern . Er wies ihnen mit seinem Schwerte , welches jetzt ein Merkuriusstab war , den Platz an , und es regnete von allen Seiten auf Heinrich ein . Das Gold setzte sich klumpenweise an alle vier Beine des Pferdes , wie der Blumenstaub