ginge noch , da es lehrreich ist . Aber Jeder will noch mehr , als nur seine Person zeigen oder die unsrige erforschen . Man bietet sich zu hunderterlei Liebesdiensten an , die im Grunde keinen andern Sinn haben , als sich in seiner Macht , seinem Einflusse und leider auch in seinen falschen Lebensauffassungen zu zeigen . Da werden Bedürfnisse geweckt , die uns früher fremd waren , Meinungen , Unternehmungen sogar werden als sich von selbst verstehend vorausgesetzt , die wir weder kennen noch uns an ihnen zu betheiligen Verlangen tragen . Da hab ' ich meine Noth im Widerlegen , im Entfernthalten ! Glauben Sie mir , Das , was man die Gesellschaft nennt , ist der anmaßendste Tyrann , den man sich nur denken kann ! Er nimmt die Menschen gefangen wider ihren Willen und bildet sie , ohne daß sie seine Berechtigung dazu anerkennen wollen . Der Eindruck dieser großen Stadt , bemerkte Siegbert , wird um so gefährlicher sein , als mir die Fürstin noch jung scheint und unmöglich zu den schon abgeschlossenen Charakteren gehören kann . Sie zählt doch , sagte Rudhard , schon etwa sechs und dreißig Jahre , während Helene , die Gräfin d ' Azimont , etwa erst im dreißigsten steht . Sie haben Recht , wenn Sie andeuten , daß dies für die Frauen gefährliche Altersstufen sind . Diese und die erste zarteste Entwickelung der Jungfrau ! Die Knospe hat eine mächtig überschwengliche Vorstellung von der Seligkeit ihrer künftigen Blüte und lacht ihrer Zukunft mit zitternder Ungeduld entgegen . Und die schon volle Rose , die dem Entblättern nahe ist , die sträubt sich dann auch noch gegen ihren Verfall . Eine Frau in diesen Jahren weiß , daß es nun die Zeit des Abschieds ist , daß Das , was ihr bis dahin nicht geblüht hat , nie mehr blühen wird , und so erlebt man oft , daß die edelsten und besten Charaktere von diesem Alter wahrhaft beunruhigt werden und in die gefährlichsten Schwankungen gerathen . Glauben Sie , daß bei der Gräfin d ' Azimont dies der Fall war ? fragte Siegbert , den die vereinzelten Andeutungen , die er schon über diese Frau empfangen hatte , doch interessirten .. Helene d ' Azimont , sagte Rudhard , war ein liebes sanftes Kind ! Als ich sie in Osteggen kennen lernte , schloß sie sich mir mit wahrer Zärtlichkeit an , inniger fast , als ihre ältere , eben sich verlobende Schwester Adele . Sie war damals dreizehn oder vierzehn Jahre alt . In Odessa versank Helene fast in eine stille Traurigkeit . Sie fand sich in der neuen Welt nicht zurecht , gerieth in ein dumpfes Brüten und wurde träg . Ich wollte sie durch die Bildung anspornen , aber sie trug wahrhaft schwer unter der Last der Dinge , die sie lernen sollte . Da hat man denn gern zugegeben , daß ein von der französischen Regierung mit Aufträgen für Konstantinopel reisender Diplomat sie mit sich nahm . Es war ein fröhlicher Gesell , nicht mehr jung , dieser Graf d ' Azimont , er fand gerade an der rein physischen Schwere des Mädchens Interesse , was ich mir aus sinnlichen Gründen wohl erklären kann . Denn es mag einen eigenen Reiz gewähren , ein solches Träumen durch die Liebe zum Bewußtsein zu bringen und das schlummernde Phlegma zu beleben . Man ließ Helene mit banger Besorgniß ziehen . Sie ging schon fröhlich , schon fast ausgelassen . D ' Azimont hatte sich nicht geirrt . Sein feiner Blick hatte wol herausgefunden , daß ein solches Wesen eigenthümlich beglücken kann . Freilich hat das durch die Sinnlichkeit geweckte Glück keinen Bestand . Bot ihr der blasirte Mann keinen Halt oder mußten sich die versteckten vulkanischen Elemente gewaltsam Bahn brechen , wir erfuhren , daß sie erst auf die wunderlichsten excentrischen Einfälle gerieth , sich wie eine Verschwenderin gebehrdete und jeder Grille kindisches Gehör gab . Alles Das war nur das Vorspiel Dessen , was dann erfolgte . Der Ehebruch versteckte sich hinter dem Namen der Liaisons . Wir hatten manchen Namen nennen hören , der mit ihr , wie man es nennt , liirt war , bis sogar Egon ' s mir nur knabenhaft erinnerliche Gestalt in diesem trüben Nebel auftauchte , was mir denn , wie Sie wissen , doppelt wehe that ... Diese Liebe soll aber von seiner Seite nicht mit gleicher Neigung erwidert werden , bemerkte Siegbert . Doch wohl ! sagte Rudhard . Wie wäre sie sonst ihm nachgereist ! Ihre Schwiegereltern sollen empört sein . Graf d ' Azimont droht mit einer Ehescheidung und Enterbung . Es ist Dies ein Umstand , der mir im Interesse der Kinder Adelen ' s nicht gleichgültig ist . Fürst Wäsämskoi war nicht reich . Es wäre seinen Kindern wol zu wünschen , daß die Tante , die durch d ' Azimont ' s Tod - er soll sich physisch ruinirt haben - ein großes Vermögen erwerben kann , es nicht durch ihren Leichtsinn verscherzt . Da sie der Zufall hierher führte , mit uns in eine und dieselbe Stadt , so werd ' ich mich durch die gereizte Stimmung , die zwischen den Schwestern herrscht , nicht irre machen lassen , auf irgend eine Art in diese Angelegenheiten einzugreifen . Ich habe dazu die Vollmacht des Herzens und der auf mich vererbten , väterlichen Sorgfalt des braven Wäsämskoi und der Autorität der alten Baronin von Osteggen , die ein Juwel von einer Mutter war . Rudhard gerieth über diese seine eigenen Worte so in Feuer , daß er innehalten mußte , um sich zu erholen . Siegbert fühlte , wie groß das Vertrauen war , das ihm dieser sonst so besonnene , strenge Mann , dem selbst seine Scherze nicht ganz harmlos entglitten , schenkte . Er wollte , ohnehin gedrückt und fast unfähig nachzudenken noch von innerem Schmerze , es nicht misbrauchen und fing von dem Garten an , der zwar