Ihr werdet ja immer bleicher , Herr ! Was ficht Euch an ? « - » Der Fremde war starr und steif stehen geblieben , und zeigte unverrückt mit Aug und Hand auf einen Mann , der schnell , obgleich mühsam aus dem Hohlwege , zur Seite kletterte , rasch auf die Gehenden loskam , scheu von der Seite sie anblickte , und , ob vor Ammons Zügen , oder dem Gesichte des Fremden erschreckend , plötzlich die Kappe in die Stirne drückte , mit einem Laute des Unwillens oder der Überraschung sich abwendete , und , als wie von einem Gespenste gejagt , über die buschige Fläche sich verlor . « Während der Fremde ihm bewegungslos nachstarrte , schrie Ammon , der ihn erkannt hatte , wild hinterdrein : » Hoho ! sa sa ! Jude ! wohinaus ? Wirst doch nicht gestohlen haben ? halt auf , Jude , halt auf ! « - » Sein greller Ruf scheuchte den Fliehenden nur noch flüchtiger von dannen , und Ammon brach da er dieses sah , in ein wüstes Fluchen und Toben aus , das nur die wiederholte , dringende Frage des Fremden unterbrach : ob der Jäger den Flüchtigen kenne , und wer dieser sey ? « - » Ei , potz Reiher und Falk ! « schrie Ammon : » ob ich ihn kenne ? Der narbige Ketzer ist kenntlich genug . Das ist eben der Vater der schönen Esther , von der ich Euch geredet . « » Esther ? Ihr Vater ? « rief der Fremde an seine Stirne fühlend , ob denn auch alles um ihn her wirklich sey , oder ein Traum : » Gepriesener Gott ! ich kenne ihn auch , diesen Mann . Sein Name ? « - » Der leidige Teufel kennt ihn besser als ich , « antwortete Ammon , mit der Faust nach der Gegend drohend , in welcher der Fliehende verschwunden war : » ich könnt ' ihn nicht behalten . « - » Ben David ? « fiel der Fremde ein : » rede , Mann des Himmels ! So Du sagst ja , werde ich Dich halten wie einen Freund , wie einen Bruder . « - » Nun denn , in aller Hexen Ramen : Ja ! « - rief Ammon : » So heißt der Bursche . Warum aber der Mensch davon läuft , als habe er die Kleinodien des Reichs gestohlen ? Warte , Hund ! Wenn ich zu Hause etwas Unrechtes merke , wenn meiner guten Esther etwas geschehen ist , so verschreibe ich mich dem Teufel wirklich und leibhaftig , um nur Deiner habhaft zu werden , Jude , und Dir die Fußsohlen mit glühenden Peitschen streichen zulassen . « » Esther ! Ben David ! « wiederholte der Fremde indessen häufig hinter einander , und geberdete sich ganz seltsam , die Hände zusammenschlagend , mit dem Kopfe nickend und schüttelnd , Füße und Hände und Körper bewegend in lebhaften und wunderlichen Geberden , während sein blasses eingefallenes Gesicht bald Freude , bald Kummer , bald Ängstlichkeit , bald eine Art von wildem Unmuth verrieth . - » Gott sey bei uns ! « rief Ammon derb und roh dazwischen : » Trügt Ihr nicht einen Rock wie ein christlicher Schulherr , ich würde Euch für ' nen Rabbiner halten , so verzerrt ihr Leib und Angesicht . Laßt doch die Possen , und tretet derb auf ; ich kann nicht erwarten , zu sehen , was daheim ist vorgefallen . « - » Daheim ! ja daheim ! « wiederholte der Fremde , unbekümmert um Ammon ' s Reden : » ja , zu Esther laß uns eilen . Ich kenne sie , ich kenne ihn , ihn , der an uns vorbeiflog . Ich muß ihr Schicksal wissen ; ich muß .... « - » Ihr müßt in ' s warme Heu ! « polterte Ammon : » Kreuz und Mond ! Des Galgenstricks Dornknittel hat Euern Verstand getroffen , und nicht allein das Genick . Geduldet Euch indessen , und werdet mir nicht vollends toll , bevor wir unter Dach sind . Seht , seht , hier ist schon der Pfad ; dort zeigt sich der Hütte Giebel , noch ein Paar Schritte hurtig gemacht , und wir sind allen Kobolden zum Trotz , zur Stelle . « - Ammon ' s Unruhe wurde bald besänftigt , da er die Hunde fröhlich anschlagen hörte , wie sonst , und Esther gewahrte , die auf dem Platze saß , den Regina wohl sonst einzunehmen pflegte , Dagobert ' s Braut saß in die süße Schwermuth vertieft , welche zärtliche Gemüther am Vorabend ihres Liebesglücks gerne beschleicht . Der treue Freund hatte Abschied genommen , um nach der Stadt zu reiten , und am nächsten Abend , mit Geschenken und neuen Gewändern für sein Lieb beladen , zurückzukommen . Sie hatte ihm das Geleit bis zum Waldpfade gegeben , dann in die tönenden Forsthallen Ben Davids Namen gerufen , und sich endlich niedergelassen in ' s thauige Gras , um des wackern Mannes zu harren . Ammon , der zuerst am Eingange des Gehegs erschien , war ihr willkommen , und in demjenigen , der seinen Schritten folgte , vermuthete sie den Vater . Aber ein fremdes Gesicht neigte sich vor ihr an seiner Statt , und je mehr sie dieses Gesicht betrachtete , und von demselben mit glühenden Blicken durchbohrt wurde , je mehr war es ihr kein fremd Gesicht mehr . Aus der Tiefe ihres Gedächtnisses , aus dem Born kindlicher Erinnerungen mußte sie schöpfen , um sich dieses schmale Antlitz , mit der Adlernase , und dem geklemmten Munde zu vergegenwärtigen , und sie hörte nicht auf Ammon ' s Stimme , noch auf dasjenige , was der Jäger schwatzte , sondern nur auf die schon verklungenen Laute des Fremden , welcher gesagt hatte : » Esther ! Ben Davids Tochter ! Dich hätt ' ich