» Hesperien , Hesperien ! « ( rief Albano zornig ) » Linda verdoppelte doch ihr Nein ? « - » O leider ! Aber Bruder ? « fragte staunend Julienne . » Lasse mich , « ( versetzt ' er ) » ist es denn nicht ungerecht dieses elterliche Antasten der schönsten zartesten Saiten , deren Klang und Schwung sie auf einmal töten , um einen neuen aus ihnen zu rupfen ? Ists denn nicht sündlich , Göttergeschenke zu Staats-Zöllen und Partie-Geldern , jawohl Partie-Geldern herabzuziehen ? - Gute Linda , nun stehen wir wieder auf dem Boden , wo man die Blumen der Liebe zu Heu anschlägt - und wo es im Paradies keine andere Bäume gibt als Grenzbäume . - Nein , freies Wesen , durch mich sollst du nie aufhören , es zu sein ! « Julienne trat einige Schritte zurück , sagte : » Ich will dich nur auslachen « , tat es und setzte ernst dazu : » Sie also , willst du , soll dir den Tag anberaumen , wo der alte Vater sichtbar werden soll ? « - » Das folge gar nicht « , sagte ' er . Sie bemerkte ruhig , daß immer ein hitziger Mann über die Hitze des andern klage und daß Albano schon in der Ruhe zu strenge auf fremdes und eignes Recht dringe ; daß solche Leute dann in der Leidenschaft etwas über das Recht hinaus verlangten , wie ein Stift , der in der Uhr zu genau passet , erwärmt sie durch seine Größe anhält . Jetzt bat sie ihn liebreich , das Auseinanderzupfen des » ganzen Wirrwarrs « bloß ihren Fingern zu überlassen und sanft und still zu bleiben , damit nicht noch mehr Leute , etwa gar ihre » belle-soeur « , zwischen ihren Bund sich drängten . Albano nahm es freundlich an , bat sie aber ernst , nur keine Plane zu machen , weil er zu ehrlich dazu gegen Linda sein und ihr sogleich das ganze Wort der Charade sagen würde . Sie entdeckte ihm , sie habe weiter keinen zu etwas gemacht als zu einem frohen Tag für morgen , den nämlich , mit Linda die Prinzessin Idoine in Arkadien zu besuchen , der sie außer dem Besuch noch größere Dinge schuldig sei , besonders ihr halbes Herz : » Du reitest uns zufällig nach und triffst uns mitten im Schäferleben an « ( setzte sie dazu ) » und überraschest deine Linda . « - Er sagte sehr entschieden Nein ; weil er vor Idoinens Ähnlichkeit mit Lianen - ob er gleich nur wußte , daß Liane jene im Traum-Tempel vorgespielt , noch nicht aber , daß Idoine diese vor seinem Krankenbette nachgebildet - und vor der Gegenwart der Ministerin die Flucht aus Scheu sowohl der bittern Erinnerungen als der süßen nahm , welchen beiden Roquairol in solchem Falle nachgezogen wäre . Julienne wandte boshaft ein : » Fürchte nur nichts für die Prinzessin ; sie mußte , um vom verhaßten Bräutigam nur loszukommen , allen Ihrigen eidlich angeloben , nie einen unter ihrem Stande zu wählen - und das hält sie , sogar bei dir . « Er beantwortete den Scherz bloß mit der ernsten Wiederholung des Neins . Nun so bestehe sie darauf , versetzte sie , daß er ihnen beiden wenigstens auf halbem Weg entgegenkomme und sie im » Prinzengarten « - einem von Luigi als Erbprinz angelegten und auf dem Fürstenstuhle vergessenen Park - erwarte . Das ergriff er sehr freudig . Sie fragte scheidend noch scherzhaft : » Wer hat dich von neuem mit einer Schwester beschenkt ? « Er sagte : » Das konnte mein Vater nicht von mir erfahren . « - » Bruder , « ( sagte sie sanft ) » ein Herr wars , der Prinzessinnen leicht für Gräfinnen nimmt und der nächstens noch toller zu werden glaubt , als er schon ist - dein Schoppe « und flog davon . 125 . Zykel Am Morgen darauf fuhren beide Freundinnen nach Arkadien . Julienne - obwohl betrübter durch ihren kränkern Bruder - heiterte sich durch das Vertrauen auf einen Plan auf , den sie ungeachtet ihrer Versicherung zum Glücke des gesunden entworfen , um ihn in Arkadien auszuführen . Sie verbarg öfters , wie andere hinter den schwarzen Trauerfächern der Trauer und Empfindung , so hinter dem heitern Putzfächer des Lachens , der den Zuschauern die bemalte Seite zukehrte , ihren Kopf mit seinen Entwürfen ; unter Lachen und Weinen ging und dachte sie diesen nach . So hatte sie an Albano die Bitte , Idoine mit zu besuchen , nur aus Schein und in der Gewißheit getan , daß er sie abschlage , oder im Falle er komme , daß es dann Idoine tue ; denn sie wußte aus Idoinens Besuchen im vorigen Winter , daß diese an den von ihr hergestellten schönen Fieberkranken häufig in Gesprächen gedacht und daß sie jetzt vor seiner Ankunft geflohen war , um nicht über seine helle liebende Gegenwart , die ihr am leichtesten durch die Fürstin bekannt geworden , als ein Gewölke aus der Vergangenheit hereinzuziehen voll trüber Ähnlichkeiten . Julienne hatte sogar erfahren , daß die Fürstin sie umsonst länger halten und aufbewahren wollen , um vielleicht den Jüngling durch sie zu erinnern , zu schrecken , zu ändern , oder zu strafen . Juliennens Liebe gegen die Prinzessin wäre durch jene zarte Flucht vor Albano vielleicht so warm geworden , als die gegen Linda war , wenn eben diese Liebe nicht dazwischen gestanden hätte ; wenigstens hatt ' ihr diese schöne Flucht ein ungemessenes Vertrauen - was eben das rechte und einzige ist - auf die Prinzessin gegeben . Der Reisetag war ein schöner Ernte-Morgen voll bevölkerter Kornfluren , voll Kühle und Tau und Lust . Linda freuete sich kindlich auf Idoine und sagte die Gründe in frohem Tone : » Zuerst weil sie deinem Bruder das Leben gerettet - und weil sie doch wußte , was sie wollte ,