Hand , knackte dieser ins Moralische übersetzte Pietro Aretino abschreckende Kopfnüsse hinter den feuchten Ohren seiner Verfolger und verpuffte sterbend all seinen Grimm , wie Götz in beherztem Aufatmen aus voller Brust : » Freiheit , Freiheit , himmlische Luft ! « Man sah Schritt für Schritt den Morast der litterarischen Misère über dem Haupt des Unglücklichen zusammenbrechen . Man sah seine Dramen vergeblich an die Pforte aller Theater klopfen , wie seinerzeit die Opern Wagners . Infamie und kein Ende . Da schimpfte die » vornehme « Kritik über Theaterleiter und Publikum , welche allein der Fluch Apolls ob dem Untergang des Dramas treffe . Und die Presse etwa nicht ? Man forscht umsonst begierig , was denn sie beitrage zur Förderung verkannter Dichter . Wer zu stolz ist und zu hoch steht , um jenen » vornehmen « Geistern schmeichelnd um den Bart zu gehn , wird von ihnen nach wie vor todtgeschwiegen . Man sah , wie der edle Dichter umsonst nach Jemandem suchte , der selbstlos für Andere eintrat . Nur Einer schien davon ausgenommen , der aber durfte mit Heine singen : » Schade , daß ich ihn nicht küssen kann , denn ich selbst bin dieser brave Mann . « Jenes Gewirr von platter Bosheit , bübischer Dummheit und neidzerfressenem Größenwahn , das sich » litterarisches Leben « nennt , wurde hier einmal erschöpfend blosgelegt . Jeden Augenblick hörte man den Dichter heimlich die ironische Liebesbotschaft nach allen Richtungen der Windrose versenden : » Ich weiß alles . « Das genügt . - Da schwatzte dies Völkchen von » Größenwahn « , wenn tiefbeleidigtes Gerechtigkeitsgefühl sich gegen schnöde Verkennung und den eiteln Wahn der Modefexen empörte . Hier mochten die Worte der Schrift gelten : Sie haben Ohren , um zu hören , und hören nicht ; sie haben Augen , um zu sehen , und sehen nicht . Wer als Einer unter Myriaden stets die Sache und nie die Person im Auge behält , muß der Selbstübervortheilte bleiben , auf dessen Kosten sich alle Ohrwürmer mästen . Darum bildet den rechten Grundstein einer geregelten litterarischen » Carriére « die einfache Nützlichkeitslehre der Bismarckschen Diplomatie : » Do ut des « . Um die wahre Bedeutung und derlei Allotria mag sich die Nachwelt kümmern . Nachruhm ! Leichen kann man nicht mehr füttern . Die gefährlichste und verletzbarste Eitelkeit stellt nicht das eigene Selbstgefühl dar , sondern die Eitelkeit für einen Anderen z.B. der Mutter für ihren Sohn . Der wahre Dichter aber fühlt für seine Dichtung wie für ein Kind , das er gebar . Während der Dichterling immer nur sich selbst persönlich getroffen fühlt , wenn man seine Dichterei heruntersetzt , kränkt den Dichter ein ganz unpersönlicher unselbstischer Schmerz , wenn er sein Dichtungskind , dies von ihm losgelöste selbständige Wesen , von der kalten böswilligen Welt verstoßen und besudelt sieht . An diesem Schmerz , der insofern komisch wirkt , als er sich Niemandem als unselbstisch begreiflich machen kann , ging der unglückliche Dichter langsam zu Grunde . Er faßte sich fortwährend gleichsam literarhistorisch auf und grübelte über seine Eigenart nach , als gelte es einen posthumen Essai für die Nachwelt zu schreiben . Andrerseits steigerte sich bei ihm die Unmöglichkeit , die tausend Theilsächelchen des Lebens zu berücksichtigen . Wie oft werfen nicht beschränkte mittelmäßige Köpfe einem Kraftgeiste , der , von rastlosem Thatendrang dämonisch fortgerissen , immer nur das Ganze , nie die Theile bedenkt , haltlose Unruhe , unzeitigen Starrsinn , Widersprüche vor , während nur ihre eigene Mittelmäßigkeit sie auf der gewohnten Bahn des ebenmäßigen Vorwärtstappens erhält ! Schritt für Schritt sah man die tückische Nervenkrankheit hier vorrücken , welche den Unglücklichen in seiner Verbitterungs-Manie dem Wahnsinn und dem Selbstmord entgegentrieb . Er suchte gleichsam alle Abgründe auf und secirte sich und seine Nebenmenschen bei lebendigem Leibe . Der letzte Theil des Tagebuchs , in dem Monat vor seinem Tode geschrieben , enthüllte dies so recht . Welch ein köstlicher Kerl ist doch College X. ! Der sagt von Jedem , sei er auch der erwiesenste Schuft : » Alles was recht ist ! Ein anständiger Mensch ! « Nur nie Farbe bekennen , nur leise treten , nur ja mit Jedem sich gut halten ! Alle sind sie Macher , alle . Sie theilen sich nur in geschickte Mach er und in ungeschickte . Da liegt der ganze Unterschied . Mit ironischem Lächeln gehe ich stets auf ihre eigene Weltanschauung ein und hebe meine Sprüche an : » Wir sind ja unter uns , mit Wasser kochen wir ja alle . « Und die Kerls merken nicht einmal , daß ich mich über sie lustig mache . Das sind noch die Ehrlichen . Nur wenn Einer von seinen » idealen Zielen « zu schwindeln anfängt , dann mache ich mich schleunig aus dem Staube oder halte meine Taschen zu . Gott , wie sie doch alle das Selbstbelügen verstehn ! Und ich armer Hülfloser , der ich nie meine Gesinnung verstecken kann , nicht mal vor mir selber ! Ich freue mich immer , wenn ich mit Offizieren zusammentreffen . Hier herrscht wenigstens Disciplin , Unterordnung unter den höheren Rang , Aufgehen in das Ganze . Hier steckt eine greifbare Realität . Diese Kunst-Proletarier und Geist-Handwerker sind hohle Schemen , Blasebälge , Etiketten von leeren Flaschen . Diese Kerle würden ihren Vater todtschlagen und ihre Mutter verkaufen , wenn sie ihren nimmersatten Ehrgeiz damit stopfen könnten . Sie leiden an einer Art Auszehrung selbstverzehrenden Größenwahns . Sie zehren gleichsam von ihrem lieben Ich und nagen sich selbst das geistige Fleisch von den Knochen . Redet man von Dingen , die grade nicht ihr persönliches Interesse tangiren , so gerathen sie in Geistesabwesenheit und pfeifen » Ach du lieber Augustin , alles ist weg . « Ein ewiges Fieber wahnsinniger Vordrängungs-Gier jagt sie hin und her . Diese Umwechsler geistiger Münzen spekuliren andauernd nach dem Courszettel der Erfolgbörse auf Hausse und Baisse . Viele dieser literarischen oder