Schlingen der Dunkelmänner einfangen und umspinnen lassen . Hast Du nicht bemerkt , was sie gestern Abend für katholische Ansichten aussprach ? « » Nein , gar nicht ! ich hörte nicht was .... nur wie sie sprach . Sie sah unbegreiflich schön aus . « Florentin schwieg eine Weile , legte dann mit dem Ausdruck tiefen Bedauerns seine Hand auf Orest ' s Schulter und sagte : » Vergib ' mir , Orest , ich werde Dir wehe tun .. aber Du mußt es wissen . « » Ha , Deine Nachrichten ! « rief Orest mißtrauisch . » Sind zu beachten , lieber Freund ! Judith hat geheime Zusammenkünfte . Heute morgen gegen acht Uhr kam sie ganz allein , raschen Schrittes zu Hause . Ich selbst begegnete ihr im Tor . Um so früh heimzukehren .... wann muß sie ausgegangen sein .... und weshalb ? Ich war dermaßen überrascht , daß ich einen Facchino , der sich hier herum zu treiben pflegt , einen braven Kerl « ... - » Späher der Venta , ohne Zweifel ! « warf Orest ein , um seiner Aufregung etwas Luft zu machen . » Ein sehr brauchbares Subjekt ! « fuhr Florentin gleichgültig fort . » Ich trug ihm auf , etwas Acht zu geben , wer allenfalls zu Judith komme - und es mir mitzuteilen . Um halb zehn Uhr erschien er bei mir mit der Nachricht : so eben habe ein Priester Judith verlassen , sei durch das Zimmer ihrer Kammerfrau vorsichtig die Nebentreppe hinab und dann schnell zur kleinen Tür des Palastes hinausgegangen - ein großer schlanker Mann , mit jugendlich leichten Bewegungen . Mehr konnte Gaëtano , der sich schlafend stellte , nicht wahrnehmen . Da er seit acht Uhr auf seinem Posten war und jenen schwarzen Jüngling nicht in den Palast kommen sah , so ist es klar , daß sich derselbe schon vor acht Uhr in ihrem Zimmer , ihrer Einsiedelei - wer weiß seit wann ! befunden habe . « » Es ist nicht wahr ! « rief Orest wütend . » Diese Tatsachen verbürge ich Dir , « entgegnete Florentin kalt und bestimmt . » Ob das nicht wahr ist , was Du denkst .... oder fürchtest - weiß ich nicht ! allein ich rate Dir als treuer Freund , Judith auf die Probe zu stellen , auf eine entscheidende . « » Ja ! « rief Orest mit kochendem Zorn , » ich will sie fragen .... sie soll sich verteidigen « .... - » Ah bah ! « unterbrach ihn Florentin . » In der Kunst der Verteidigung sind die Weiber Meisterinnen ! die ist ihnen angeboren . Stellt man sie auf den Punkt , so behalten sie immer Recht . Wäre der Advocatus diaboli an heiliger Rota ein Weib : so würde keine Kanonisation von sogenannten Heiligen zu Stande kommen - so geschickt würde dieser Advocatus die Sache des Teufels verteidigen . « » Ich könnte Dich erwürgen , « sagte Orest dumpf . » Ah bah ! « wiederholte Florentin hämisch ; » dann hättest Du deinen besten Freund verloren . Nein , folge meinem Rat und bitte Judith um einen ganz geringen Beweis ihrer Liebe . « » Und der wäre ? « - » Bitte sie , sich nach dem protestantischen Ritus taufen zu lassen . Willigt sie ein , so darfst Du ruhig sein ; dann hat sie ihre geistige und sittliche Freiheit noch nicht verloren . Schlägt sie es ab - so weißt Du , wie es mit ihr steht und daß Du dich fortan nicht mehr auf sie verlassen kannst . Sie ist dann ein Werkzeug , welches den Plänen , Zwecken etc. etc. der Dunkelmänner blindlings gehorcht ; ist um so gefährlicher , als sie klug und brauchbar ist - und Du hörst dann auf , ihr Herr und der Deine zu sein . « » Ja ! « rief Orest , » das ist eine gute , einfache , vernünftige Probe ! ich danke Dir , Florentin , ich will sie sogleich anstellen . « - Judith war noch in ihrem Zimmer . Sie schrieb an ihren Banquier in Paris gewisse Bestimmungen über ihr Vermögen , das sich größtenteils in der Londoner Bank befand . Orest schob den Diener beiseite , der ihn melden wollte , klopfte an und wartete kaum Judiths » Herein ! « ab , um einzutreten . Sie sah befremdet über ihren Schreibtisch hinweg ihn an , schloß ruhig ihr Portefeuille , nickte ihm zu und sagte , ohne ihren Platz zu verlassen : » Wie kommt es , Graf Orestes , daß Sie mich schon zum zweiten Male in diesem Zimmer aufsuchen , in welchem ich mich doch nur dann aufhalte , wenn ich allein sein will ? « » Da Sie in diesem Zimmer den Herren Geistlichen Audienz erteilen , so darf ich doch wohl dasselbe Recht beanspruchen , « entgegnete Orest gereizt . Auf Judith ' s Lippen schwebte eine stolze Antwort ; allein sie bemeisterte sich und sagte sanft : » Wenn Ihr Anliegen eine so ungestörte Besprechung mit mir erfordert , wie das meine mit dem Geistlichen , so sein Sie willkommen ! « Sie stand auf , setzte sich auf die Causeuse am Kamin und sagte , mit ihrem großen grünen Fächer spielend , aber innerlich beklommen : » Ich bin ganz Ohr , Graf Orestes . « Er ging im Zimmer auf und nieder , blieb plötzlich vor ihr stehen und rief : » Judith ! es ist mir ein wahrer Greuel , daß die Religion bei unserer Liebe ein Wort mitsprechen will . Könnte ich um meinen beabsichtigten Übertritt vom Katholizismus zum Protestantismus herum kommen : ich würde mein halbes Vermögen drum geben , denn ich spiele nicht gern religiöse Farcen und sehe sie auch nicht gern . Aber , Judith , es ist der Weg , der einzige , zu Ihrem Besitz . Ich gehe ihn .... und