Er wollte ihn vorläufig los sein . Indem Rurik sich dazu mit vielfachen Selbstberichtigungen und Wendungen : Nein , so war ' s , oder so .. in Athem setzte , bemerkte Siegbert , daß sich die Gesellschaft des nicht zu geräumigen Zimmers um eine Person vergrößert hatte . Ganz leise und von ihm wenigstens unbemerkt war während des Blätterns in dem alten Schulpforter Stammbuche ein junges Mädchen von eigenthümlichem Wesen eingetreten und hatte sich ohne Gruß , ohne Antheil zu bezeugen , ohne ein Wort zu sprechen hinter Rudhard gestellt und den Erläuterungen der einzelnen Blätter zugehört . Sie war älter als Rurik , der etwa zwölf Jahre zählen mochte .. Paulowna schien deren erst acht zu haben . Dennoch hatte sie etwas , was hinter ihren Jahren zurück war und plötzlich wieder etwas , was ihnen weit voraus schien . Sie war nicht groß , diese zarte Gestalt , von einer durchsichtigen weißen Haut . Der Kopf war entschieden russischnational . Die Augen mehr länglich als rund , aber sanft mit langen schwarzen Wimpern beschattet ; die Lippen voll und schwellend , aber etwas bleich . Die Form des Gesichtes sehr rund , die Nase zart , aber mehr stumpf , als regelmäßig schön , die Augen blau , ruhig , tief und klar oder doch nur so unheimlich wie ein zu stiller See , von dem man nicht weiß , wo er das frische Quellwasser , das in ihm rinnt , hernimmt , durch welche unterirdische Schleuse er mit größeren , unbekannten , geheimnißvollen Gewässern zusammenhängt . Das starke pechschwarze , glänzende Haar war vorn im Scheitel und hing in den Nacken in zwei dick geflochtenen Zöpfen herab . Daß dies Mädchen noch feine battistene Spitzenpantalons trug , war fast eine Anomalie und doch war bei allem Ernst ihres Wesens , bei aller Reife des Blickes der ganze Eindruck unbestimmt , ja auf Augenblicke völlig kindlich . Wie Siegbert diese stillgekommene Vermehrung der Gesellschaft bemerkte , sagte Rudhard zur Vorstellung die einfachen kurzen Worte : Meine liebe Olga ! Die Schwester meines guten Rurik , der so gut aus dem Herodot zu erzählen weiß , den er binnen zwei Jahren hoffentlich im Urtext liest ! Der junge Maler , von dem ich der Mutter vorhin erzählte , Herr Wildungen ! Olga Wäsämskoi achtete wenig auf diese etwas förmlichen Worte , sondern sah fast todt und kalt in das Stammbuch , das Rudhard eben weggelegt hatte . Sie betrachtete das Kreuz , das Siegbert gezeichnet und schien dabei fast ohne allen Antheil , fast ganz apathisch . Siegbert , befremdet über diese Art , hielt Olga mit Recht für stolz und besann sich , daß sie nach russischem oder französischem Sprachgebrauch eine Prinzessin war . Wir müssen in den Garten gehen , Sie müssen die Mutter dieser guten Kinder kennen lernen , begann nun Rudhard . Siegbert entschuldigte sich und wies auf seine Kleider . Olga hob den Blick vom Stammbuche auf , stellte sich rückwärts an ' s Fenster und betrachtete Siegbert mit einem Blicke , dessen Ruhe ihm wahrhaft unbegreiflich war . Noch hatte sie kein Wort gesprochen , nicht das mindeste Interesse verrathen und doch setzte sie ihn durch diese Art , ihn zu fixiren , fast in Verlegenheit . Rudhard lachte aber über Siegbert ' s Bedenklichkeiten wegen der Kleidung . In ein so förmliches Haus , sagte er , sind Sie hier nicht gekommen . Unsere Jäger und Haiducken ließen wir in Odessa . Wir brachten nur uns selbst mit , Menschen ohne Ansprüche , die hier leben wollen , um zu lernen , einsammeln für die Misjahre , die in Rußland genug noch kommen werden . Begleiten Sie uns nur in den Garten ! Sie sollen uns noch manchen Rath geben . Ja , ja , wir halten diese Bekanntschaft fest ! Die Kinder hüpften voraus . Olga blieb zurück und folgte Rudhard und Siegberten nur in gemessener Entfernung . Man trat aus dem Hause und bemerkte leider , daß ein Wagen vorgefahren war , der der Fürstin wol einen Besuch gebracht hatte . Siegbert entdeckte zur Mehrung seiner Verlegenheit sogar einen Bedienten in Hoflivree . Wir lustwandeln etwas im Garten , sagte Rudhard , als ihm ein Diener der Fürstin gesagt hatte , die Oberhofmeisterin von Altenwyl wäre bei der Herrschaft . Der Diener sprach diese Meldung aus , wie wenn es sich um das Gewöhnlichste handelte . Ein seltsamer Gegensatz zu Siegbert ' s Empfindung , der die hohe Bedeutung dieser Frau Gräfin von Altenwyl vollkommen kannte . Man ließ nun , um die Seitenfront biegend , die hintere Front des Hauses liegen . Hier gerade in der Nähe eines grünen Rasens und eines Akazienbaumes , dicht an der mit wildem Wein bezogenen Wand des Hauses , saß die Fürstin mit weiblichen Handarbeiten beschäftigt auf einem Gartenstuhl vor einem einfachen ländlichen Tische , auf dem bunte Wolle zu Stickereien , gemalte Muster , angefangene Teppiche ausgebreitet lagen . Hier hatte die Fürstin eben die Gräfin von Altenwyl empfangen ... Die Kinder wurden natürlich herbeigerufen , um der Gräfin , einer Freundin der verstorbenen Mutter der Fürstin , vorgestellt zu werden ... Die Kleinen trennten sich ungern von Siegbert , den Rurik und Paulowna schon an der Hand gefaßt hatten , um ihm ihre großen Pläne und Anlagen zu zeigen , die sie im Garten anzuwühlen , denn das war der beste Ausdruck dafür , im Sinne hatten . Rudhard , der ein schwarzes Sammetkäppchen aufsetzte , grüßte im Vorübergehen leicht . Siegbert zog den Hut mit schuldiger Ehrerbietung und bemerkte , daß die Fürstin noch jung war , klein und zart und von einer Weiße der Haut , die von der Trauer , die sie noch trug , in einer dem Auge sehr wohlthuenden Art abstach . Als Rudhard und Siegbert allein waren , sagte jener : Diese Unmasse von Besuchen , die auf uns einstürmen , sind die lästige Seite unsres hiesigen Aufenthaltes . Und das Kennenlernen von Menschen