Maulwurffängers eigene Hände niederzulegen , wiederholt einschärfte . Hier ist dieser Brief . « Pink-Heinrich nahm sich nicht erst die Mühe , die Adresse zu lesen . Er zerriß das zierliche Siegel , welches den Abdruck des kleinen Goldringes trug , den Aurel in Hamburg gefunden hatte . Aufmerksam und mit steigender Theilnahme durchflog er das Schreiben . Er athmete hörbar auf , als er zu Ende gelesen hatte . » Darf man fragen ? « sagte Sloboda . » Kapitän Aurel hat Nachrichten aus Hamburg erhalten . « » Auf seine Briefe ? Ist der Gesunkene aufgefunden ? « » Klütken-Hannes hat seinen Keller verkauft und Hamburg verlassen . « » Das ist auffallend ! « » Noch auffallender kommt es mir vor , daß der arme Trödler einen Paß auf alle deutschen Bundesstaaten genommen und genau eingezogenen Nachforschungen zufolge den Weg nach Osten eingeschlagen hat . « » Sollte er die Spur seiner Tochter verfolgen wollen ? Oder sollte ihm seine unnatürliche Handlungsweise gereuen ? « » Darüber steht nichts in dem Briefe . Nur die Bemerkung ist noch hinzugefügt , daß man guten Grund habe , zu glauben , Klütken-Hannes sei nicht allein aus Hamburg abgereist ! « Der Maulwurffänger lehnte sich schweigend gegen die getäfelte Holzwand seines Zimmers und sah mit seinen blitzenden grauen Augen bald gerade vor sich hin , bald auf die Schriftzüge des erhaltenen Briefes . An den strengen Zügen seines ehrwürdigen Gesichtes sah man , daß er angestrengt nachdachte . Niemand störte den Sinnenden , selbst Schlenker schwieg oder unterhielt sich doch nur flüsternd mit Gregor , zu dem er sich auf den Socken geschlichen hatte , um einen langen Disput mit dem einsylbigen Manne zu führen über hochwichtige Missionsangelegenheiten . Schlenker hatte bei dieser Unterhaltung den großen Vortheil , daß er von seinem geduldigen Zuhörer nie oder doch nur durch die längst gewohnten stereotypen Worte : » natürlich « oder » ganz Natur « unterbrochen wurde . Nach etwa fünf Minuten stand der Maulwurffänger sehr heftig auf und trat so schnell auf Paul zu , daß er den ehemaligen Husaren dabei hart auf seine erfrorenen Zehen trat , was Schlenkern zu den fürchterlichsten Grimassen und zu unbeschreiblich komischen Sprüngen Anlaß gab . » Heinrich , Heinrich , « rief der Getretene , » Ihr seid , verzih ' mir ' s Gott ein Mann mit tausend Schrecken - o weh , o weh - ja mit tausend Schrecken , ach mit tausend Schrecken ! « Lamentirend hinkte der Fromme nach seiner Stube . Der Maulwurffänger achtete gar nicht auf ihn . Mit jugendlich blitzenden Auge fragte er Paul , wenn er glaube , daß die Stute wieder eingespannt werden könne ? » Zwei Stunden genügen , um das Thier volllommen wieder herzustellen . « » Nun , dann brechen wir alle drei in zwei Stunden nach dem Zeiselhofe aus . Ich muß nothwendig mit dem Kapitän selbst reden . - Du hattest Recht , Freund Jan ! Beobachtung thut Noth . Darum mag Gilbert je eher je lieber in die Haide reisen . « Zwei Stunden darauf verließ der Maulwurffänger mit Sloboda und Paul sein trauliches Häuschen , zu nicht geringem Verdrusse Schlenkers , dem er seiner Unvorsichtigkeit wegen weder ein freundlich entschuldigendes Wort gesagt noch ihm zum Abschiede einen Gruß zugerufen hatte . Der gute Herrnhuter betheuerte nochmals , es sei mit tausend Schrecken , wie der Mann mit seinen Nebenmenschen verfahre , und vertiefte sich in die Lectüre jener wichtigen Missionsschrift , deren Vortrefflichkeit er vor Kurzem seinem aufmerksamen Freund Gregor anempfohlen hatte . Zweites Kapitel . Gezwungenes Abkommen . Während unsere Freunde dem Zeiselhofe entgegen eilen , jagt eine leicht gebaute Droschke der Haide zu . In Folge des eingetretenen starken Thauwetters waren die an sich schon schlechten Wege beinahe unfahrbar geworden und hinderten das Fortkommen ungemein . Adrian , der Lenker dieses leichten Zweigespanns , stieß vor Ungeduld die ärgsten Schimpfreden aus und ließ seinen Aerger die unschuldigen Thiere entgelten , an denen es wahrhaftig nicht lag , wenn der Wagen nicht im Fluge über Stock und Stein dahin sauste . Der stumme Kammerdiener Jean , den sich Adrian bei all seinen neuerdings unternommenen Ausflügen zum alleinigen Begleiter auserlesen hatte , suchte durch Mienen und Gebehrden seinen erzürnten Gebieter zu beruhigen und deutete ihm an , daß ja Niemand dafür könne , und die böse unfreundliche Jahreszeit allein Schuld sei an den schlechten Wegen , die freilich bisweilen noch bloßen Sumpflöchern und Sandlachen glichen . Adrian hörte aber auf alles Zureden nicht . Er schimpfte , fluchte , peitschte nach wie vor , und warf dann und wann einen verzweifelten Blick auf die sich dunkler färbende Waldung . » Es wird sinkende Nacht , ehe ich zurückkomme , « murmelte er durch die Zähne , » und wenn ich auf diesen grundlosen Haidewegen nicht den Hals breche , kann ich mich obendrein noch bei dem Wegeverderber bedanken . - Jean , der Mensch wird doch sicher auf mich warten ? « Der Kammerdiener bejahte durch Kopfnicken und Adrian ließ pfeifend die Peitsche um die Köpfe der schnaubenden Rosse knallen . Herr am Stein war auffallend blaß geworden . Hohle fahle Wangen und tief liegende brennende Augen sahen unheimlich aus seinem Reisemantel . Sein ganzes Wesen hatte etwas Hastiges , Unstätes angenommen , das man früher nicht an ihm bemerkte . Dennoch schien dies nicht Folge körperlicher Krankheit , sondern mehr geistiger Aufregung zu sein . Die trübe und doch verzehrende Gluth seines Auges zeugte von dem Vorhandensein einer großen Leidenschaft , die nach Befriedigung lechzte und diese trotz der ungeheuersten Anstrengungen doch nicht erlangen konnte . Es dunkelte bereits , als Adrian das Ziel seiner Fahrt , die Köhlerschenke am Raubhause , erreichte . Die Zügel heftig dem Kammerdiener zuwerfend trat er rasch in die räucherige Barake . Jussuff kam ihm mit demüthigen Bücklingen entgegen und fing schmunzelnd an von der hohen Ehre zu schwatzen , die der gnädige Herr ihm wiederfahren lasse . Ohne darauf zu