des geforderten Lohnes bestritt als einen Aufschub verlangte , bis er seine Briefe abgegeben und seine Ankunft auf dem Grafensitze gehörig ausgeführt habe . Mit sprudelndem Munde , immer neben der Pfeife redend , suchte er sich mit dem Fahrknechte zu verständigen , sah sich aber stets in den nötigen Gebärden und im Hervorsuchen der Briefe gehindert , weil der Sack umfallen wollte , wenn er ihn losließ . Endlich kam ein Hausdiener herbei , der nach seinen Angelegenheiten fragte . » Dies ist mein Gepäcke , guter Freund ! « sagte der Mann , » halten Sie ' s ein wenig , damit ich meine Empfehlungsbriefe an den Herren Grafen finden kann , den ich herbeizurufen bitte ! « Der Diener hielt den Sack , der Reisende holte ein paar Briefe aus einer dicken Brieftasche und gab sie dem Diener , worauf dieser ins Haus ging und jener den Sack wieder selbst hielt . Nach einiger Zeit erschien der Graf mit einem der Briefe in der Hand , um nach dem Ankömmling zu sehen . Dieser streckte ihm , an seiner Sacksäule stehend , die freie Hand entgegen und rief : » Ich grüße Sie , edler Mann und Genosse ! Ist es nicht eine Freude zu leben , mit Hutten zu reden ? « » Habe ich die Ehre , Herrn Peter Gilgus zu sehen , der mir hier von den Freunden empfohlen wird ? « antwortete Graf Dietrich » Der bin ich ! Ist es nicht eine Freude zu leben ? « » Gewiß ! Aber machen Sie es sich doch etwas bequemer ! Wollen Sie Ihr Gepäcke nicht abgeben und ins Haus treten ? « » Ich kann nicht , bevor ich ein Wort mit Ihnen gesprochen ! « Der Graf näherte sich dem Manne , der ihm eine vertrauliche Mitteilung machte , worauf jener dem Fuhrmann bedeutete , daß er werde zufriedengestellt werden und mit seinem Fahrzeuge nur vorerst nach den Wirtschaftsgebäuden gehen und samt dem Pferde etwas zu sich nehmen möge . Hierauf wurde der Sack wohlbehalten von zwei Leuten in das Haus getragen und der Fremde vom Grafen auf sein Zimmer genommen , wo er weitere Rücksprache mit demselben pflag . Herr Peter Gilgus war ein im mittlern Deutschland weggelaufener Schullehrer und ein Apostel des Atheismus , der im wörtlichen Sinne ausgezogen war , die Welt zu sehen und zu genießen , nachdem der liebe Gott aus derselben weggeschickt worden . Dies Ereignis hielt er für einen unberechenbaren Glücksfall , und er rief unaufhörlich , wo er hinkam : » Es ist eine Freude zu leben ! « als ob die Welt in der Tat von ihrem größten Feinde und Bedrücker soeben befreit worden wäre , seit er die Werke des Philosophen gelesen . Er betrug sich demgemäß , wie wenn es fortwährend Sonntag und der Braten am Spieße wäre , oder wie die Bevölkerung eines kleinen Herzogtums , dessen Tyrann entflohen , oder wie ein Nest voll Mäuse , wenn die Katz aus dem Hause ist . Als Schulmeister mochte er von der Geistlichkeit freilich arg gedrückt worden sein ; allein er freute sich über die Vertreibung Gottes doch mehr als billig . Immer von neuem erstaunte er über die Herrlichkeit des Gedankens , von dem unseligen Begriffe frei und jeder größeren oder kleineren Abhängigkeit von demselben ledig zu sein . Immer wieder ballte er die Faust gegen die ganze lange Vergangenheit voll anthropomorphischer Götter ; aufs neue bestieg er jeden kleinen Hügel , reckte die Hand aus und pries die Schönheit der grünen Welt , jubelte über die wolkenlose tiefe Bläue des entgötterten Himmels und trank bäuchlings liegend aus Quellen und Bächen , welche noch nie so reines und frisches Wasser geliefert hätten wie jetzt . Das hinderte ihn jedoch nicht , sobald eine anhaltende Kälte oder ein langes Regenwetter eintrat , sehr ungehalten zu werden und einen persönlichen Groll mit altherkömmlichen Fluchworten zu äußern , wie man sie nur gegen persönlich existierende Urheber von widerwärtigen Wirkungen braucht . Nach seinem Auszuge hatte er zuerst das Haupt der Schule , den Philosophen , aufgesucht , acht Tage lang verehrt und ihm zur Weiterreise die geringe Barschaft abgeborgt , welche der in freiwilliger Armut und Bedürfnislosigkeit lebende Weltweise gerade besaß . Derselbe gab ihm ein paar Briefe an wohlhabendere Verehrer mit , diese sandten ihn wieder andern Freunden zu , und so zog er seit einem Jahre von Stadt zu Stadt , von einem Landgut zum andern , lebte herrlich und in Freuden und lobte die angebrochene neue Ära . Jetzt war er endlich auch zum Grafen Dietrich gekommen , der schon von ihm wissen mochte . Als er mit dem neuen Gaste zu Tisch kam , war er schon ein wenig ermüdet von dessen lauten Gesprächen und Ausrufungen ; der Gast aber , indem er den Löffel in die gute Suppe tauchte , rief und sprudelte über dicke Lippen hinaus : » Es ist eine Freude zu leben ! « In mir witterte er augenblicklich einen Schützling und Mitgast des Hauses , machte sich nach dem Essen an mich und zwang mich , ihn auf das ihm bestimmte Zimmer zu begleiten ; unter tausend Fragen begann er sich einzurichten und seinen Sack auszupacken , der ihm als Reisekoffer diente . Neben einer Anzahl verschiedener Kleidungsstücke , von denen keines zum andern recht paßte , kamen die wunderlichsten Habseligkeiten zum Vorschein , und auf jedes Stück legte er einen Affektionswert . Jeden Band in ein besonderes Tüchlein gewickelt , förderte er die in rotes Leder gebundenen Werke des Meisters zutage und stellte sie feierlich auf den Schreibtisch , der im Zimmer war . Dann zog er ein dickes Stück von ungebleichtem Zwillich , viele Ellen , heraus , wovon er sich im Sommer eine deutsche Turnerkleidung dachte anfertigen zu lassen . Hierauf kamen andere Bücher ; hierauf rollten einige Metzen schöne Borsdorfer Apfel hervor , von einer schönen Gutsfrau geschenkt , wie er sagte ; sodann folgte ein Stück Pökelfleisch , in