nicht mit im Netze zu Ravenna waren gefangen worden . Um der Gefahr jener begeisterten Volkserhebung zuvorzukommen , trachtete er so eifrig , dem gefangnen Gotenkönig die Erklärung zu entreißen , er habe sich und die Stadt zuletzt ohne Hoffnung und Bedingung unterworfen , und er fordre die Seinen auf , den aussichtslosen Widerstand aufzugeben . Und auch das Kastell , in welchem der Kriegsschatz Theoderichs geborgen lag , sollte ihm sein Gefangner angeben . In jener Zeit war ein solcher , schon um fremde Fürsten und Söldner zu gewinnen und anzuziehen , von höchster Bedeutung . Verloren ihn die Goten , so verloren sie die letzte Hoffnung , ihre geschwächte Kraft durch fremde Waffen zu ergänzen . Und viel lag dem Präfekten daran , jenen als unermeßlich reich von der Sage gepriesenen Hort nicht in die Hände der Byzantiner fallen zu lassen , deren Geldnot und daher verursachte Tyrannei ein wichtiger Bundesgenosse seiner Pläne war : sondern ihn sich selbst zu sichern , - auch seine Mittel waren ja nicht unerschöpflich . Aber all ' sein Bemühen schien an der Unerschütterlichkeit seines Gefangnen zu scheitern . Siebenundzwanzigstes Kapitel . Die Maßregeln zur Befreiung des Königs waren getroffen . Rauthgundis war mit Wachis hinausgegangen , sich das Walddickicht genau einzuprägen , wo der treue Freigelassene mit dem treuen Roß Dietrichs von Bern ihrer warten sollte . Und mit der Ruhe , welche die Vollendung aller Vorbereitungen starkem Sinn gewährt , war die Gotin nach der Wohnung des Kerkermeisters zurückgekehrt . Aber sie erbleichte , als dieser ihr wie verzweifelt entgegenstürzte und sie über die Schwelle in das Gemach zog . Dort warf er sich vor ihr nieder , schlug die Brust mit den Fäusten und raufte sein graues Haar . Lange fand er keine Worte . » Rede , « gebot Rauthgundis und preßte die Hand auf das wild pochende Herz , » ist er tot ? « » Nein , aber die Flucht ist unmöglich ! Alles dahin ! Alles verloren ! Vor einer Stunde kam der Präfekt und stieg zu dem König hinab . Wie gewöhnlich schloß ich ihm selbst die beiden Türen , die Gangtür und die Kerkerpforte , auf - da - « - » Nun ? « » Da nahm er mir die beiden Schlüssel ab : er werde sie fortan selbst verwahren . « - » Und du gabst sie ihm ? « knirschte Rauthgundis . » Wie konnt ' ich sie weigern ! Ich wagte das Äußerste . Ich hielt sie zurück und fragte : O Herr , vertraust du mir nicht mehr ? Da warf er mir einen seiner Blicke zu , die Leib und Seele wie ein Messer trennen können . Von jetzt an - nicht mehr ! sprach er und riß mir die Schlüssel aus der Hand . « » Und du ließest es geschehen ! Doch freilich ! Was ist dir Witichis ? « » O Herrin , du tust mir weh und unrecht ! Was hättest du an meiner Stelle tun können ? Nichts andres ! « » Erwürgt hätt ' ich ihn mit diesen Händen ! Und nun ? Was soll jetzt geschehn ? « » Geschehn ? Nichts ! Nichts kann geschehen . « » Er muß frei werden . Hörst du , er muß ! « » Aber Herrin ! Ich weiß ja nicht wie . « Rauthgundis ergriff ein Beil , das an dem Herde lehnte . » Erbrechen wir die Türen mit Gewalt . « Dromon wollte ihr die Axt entwinden . » Unmöglich ! Dicke Eisenplatten ! « » So rufe den Unhold . Sage , Witichis verlange ihn zu sprechen . Und vor der Gangtür erschlag ' ich ihn mit diesem Beil . « » Und dann ? Du rasest ! Laß mich hinaus . Ich will Wachis abrufen von seiner nutzlosen Wacht . « » Nein , ich kann ' s nicht denken , daß es heut ' nicht werden soll . Vielleicht kommt dieser Teufel von selbst wieder . Vielleicht « - sprach sie nachsinnend . » Ah , « schrie sie plötzlich , » gewiß , das ist ' s. Er will ihn ermorden ! Er will sich allein zu dem Wehrlosen schleichen . Aber weh ' ihm , wenn er kommt ! Die Schwelle jener Gangtür will ich hüten wie ein Heiligtum , besser als meines Kindes Leben . Und weh ' ihm , wenn er sie beschreitet . « Und sie drückte sich hart an die Halbtür des Gemaches Dromons und wog das schwere Beil . Aber Rauthgundis irrte . Nicht um seinen Gefangenen zu töten , hatte der Präfekt die Schlüssel an sich genommen . Er war mit denselben in den linken , den Südbau des Palastes geschritten . Spät am Nachmittag trat Cethegus - er kam aus dem Kerker des Königs - in das Gemach Mataswinthens . Die Ruhe des Todes und die Erregung des Fiebers wechselten in der seelisch Tieferkrankten so oft , so rasch , daß Aspa nur mit tränenerfüllten Augen noch auf ihre Herrin sah . » Zerstreue , « sprach Cethegus , » schönste Tochter der Germanen , die Wolken , die auf deiner weißen Stirn lagern und höre mich ruhig an . « » Wie steht es mit dem König ? Du lässest mich ohne Nachricht . Du versprachst , ihn freizugeben nach der Entscheidung . Ihn über die Alpen führen zu lassen . Du hältst dein Wort nicht . « » Ich habe das versprochen : - unter zwei Bedingungen . Du kennst sie beide , und hast die deine noch nicht erfüllt . Morgen kommt der kaiserliche Neffe Germanus zurück von Ariminum - dich nach Byzanz zu führen : - du gibst ihm Hoffnung , seine Braut zu werden . Die Ehe mit Witichis war erzwungen und nichtig . « » Ich sagte dir schon : nein , niemals ! « » Das tut mir leid - um meinen Gefangenen . Denn eher nicht sieht er das