ewige Welt wäre ! Aber der schneidende Gegensatz brachte ihn nicht zur Besinnung ! War das Leben so flüchtig und der Tod so überraschend nah , dachte er , welch ein Wahnsinn dann , auch nur eine Stunde des Glücks - ja , nur eine Minute zu versäumen ! So dachte auch Judith . Aber jeder dachte so auf dem Wege seines Schicksals ! Corona bat den Vater inständigst , seine Abreise zu verschieben ; sie könne ihn unmöglich in dieser rauhen Jahreszeit zurückbegleiten und er werde , allein bei Tante Isabelle , in dem vereinsamten Windeck auch keinen Trost finden . » Onkel Levin war die Seele des Hauses , « sagte sie ; » er belebte es und machte es traulich , und wenn er ganz allein da war , so hatte Windeck nie die kalte Öde eines verlassenen Schlosses . Jetzt wird es Dir sehr unheimisch vorkommen , liebster Vater . « » Ja , Kind , ich weiß ! Aber ich würde .... ich weiß nicht was ! drum geben , wenn ich mich stante pede mit euch allen samt und sonders nach Windeck zaubern könnte . Bei Trauerfällen , wie sie uns eben heimsuchen , ist es am passendsten und sozusagen am sichersten , sich in seinen eigenen vier Wänden aufzuhalten . Da hat man gewissermaßen Stütze und Verteidigung in den ruhigen und gleichförmigen Gewohnheiten , Geschäften und Umgebungen . Die unhäusliche Fremde paßt gar nicht für ein trauriges Gemüt . Ach , meine Regina , mein herrliches Mädchen ! wie hab ' ich sie gequält ! wie hab ' ich so gar nicht den Schatz erkannt , den ich , den wir alle an ihr besaßen . « » Es geschah ja aus Liebe , mein guter Vater , « erwiderte Corona und küßte zärtlich seine Hand . » O Kind , die Selbstliebe war vorherrschend , « entgegnete er mit großer Aufrichtigkeit . Er ging in sein Zimmer , um Briefe zu schreiben . Orest ging fort . Niemand fragte wohin . Uriel sagte : » Ich will zum Kalvarienberg gehen , den man Vatikan nennt . Da wird man Herr über jeden Schmerz . « Als Hyazinth mit Corona allein war , setzte er sie von seinen Erlebnissen mit Judith in Kenntnis und fügte hinzu : » Sieh , wie gut ist Gott , über unsere vergängliche Trauer eine ewige Freude aufgehen zu lassen und unsere Tränen durch einen solchen Trost zu stillen . Dies Ereignis gehört zu den magnalia Dei , zu den wunderbaren Großtaten Gottes , wie es in der Apostelgeschichte heißt - die so ganz außerhalb aller menschlichen Berechnung und Voraussicht liegen . « » Sie muß ein starkes , gerades Herz haben , diese Judith , « sagte Corona , » um mit einer solchen Entschiedenheit und Opferwilligkeit dem Stern der Gnade zu folgen . Sie geht so recht mit den heiligen drei Königen der armen Krippe von Bethlehem zu .... diese Königin aus dem Morgenlande . « Dann beratschlagten sie , ob Judiths Wunsch zu erfüllen und sie in der nächsten Morgenfrühe zu taufen sei . » Warum nicht ? sie glaubt ja ! und ist erst das Licht der Gnade in ihre Seele gegossen , so wird sie leicht lernen und fassen , was sie jetzt noch nicht versteht . Laß uns zu Trinità dei Monti hinaufgehen und die Oberin um ihre Einwilligung und um Verschwiegenheit bitten . « Sie gingen hinauf und trugen ihr Anliegen vor , ohne Namen und Verhältnisse der Katechumene zu bezeichnen . Es war auch nicht nötig , um die lebhafteste Teilnahme der Oberin zu erregen , die es als eine große Gnade betrachtete , daß eine Tochter Israels in ihrem Hause das Sakrament der Taufe empfangen solle ; und so kam man überein , um fünf Uhr morgens die heilige Feier zu vollziehen . Um vier Uhr sollte Judith sich einstellen und Corona wollte sie empfangen . Gegen fünf Uhr wollte Hyazinth kommen und den treuen Lelio , der mehr als alle auf Judith gewirkt hatte , mitbringen . Die Oberin erklärte sich gern bereit , die Neophitin länger im Hause zu behalten , für den Fall , daß diese wünschen sollte , einige Tage in vollkommener Zurückgezogenheit von der äußeren Welt und in stiller Sammlung und Betrachtung zu leben ; und man trennte sich unter seligem Frohlocken über Gottes unergründliche Barmherzigkeit . Hyazinth begleitete Corona bis an ihre Türe und ging zu Lelio . Als Orest Judiths Palast betrat , ersuchte ihn der Portier , sich zum Signor Fiorino zu bemühen , der schon zwei Stunden auf den Herrn Grafen warte . » Wo bleibst Du denn heute ! « rief ihm Florentin höchst aufgeregt entgegen ; » ich habe Dir äußerst wichtige Nachrichten mitzuteilen . « » Von der Central-Venta oder aus dem Grand-Orient ? « fragte Orest schneidend . » Ich habe auch Nachrichten bekommen . Onkel Levin ist tot . « » Den Verlust wirst Du doch leicht verschmerzen , « erwiderte Florentin kalt . » Die religiösen Schwärmer können unmöglich Deine Freunde sein ! Also ist er tot , der alte Mann ! wie er sich betrogen hat im Leben durch diese schwärmerische Verschmähung alles Schönen , das es bietet ! « » Das ist noch die Frage , die wir nicht lösen können ! .... Du gewiß nicht ! - Auch Regina ist tot ! « » Regina ! « rief Florentin erbleichend und mit versagender Stimme ; » o Jammer um sie ! « Doch schnell gefaßt setzte er hinzu : » Da siehst Du es : dem finsteren fanatischen Geist der katholischen Kirche ist sie als Opfer gefallen . Orest ! Orest ! rette Judith ! ich sage Dir : es gibt eine Sorte von Weiberköpfen und - man muß es leider gestehen - auch von Männerköpfen , die sich , trotz einer entschiedenen Tendenz zur Unabhängigkeit und trotz einer lebhaften Neigung für Wahrheit , Schönheit und Größe , dennoch von den