ich erkennen , daß zum Wohle Mathildens das Band , das sie geschlungen hat , nicht fortdauern dürfe , und daß sie daher dasselbe abbrechen möge ; allein ich habe Euch die Gründe unserer Ansicht entwickelt , weil ich Euch hochachte , und weil ich auch gesehen habe , daß Ihr mir zugetan seid , wie ja auch Euer Geständnis beweist , welches freilich etwas früher hätte gemacht werden sollen . Erlaubt , daß ich nun auch von Euch etwas spreche . Ihr seid , wenn auch älter als Mathilde , doch als Mann noch so jung , daß Ihr die Lage , in der Ihr seid , kaum zu beurteilen fähig sein dürftet . Mein Gatte und ich sind der Ansicht , daß Ihr , so weit wir Euch kennen , durch Euer Gefühl , das immer edel und warm ist , in die Neigung zu Mathilden , der wir auch als Eltern immerhin einigen Liebreiz zusprechen müssen , gestürzt worden seid , daß sich Euch das Gefühl als etwas Hohes und Erhabenes angekündigt hat , das Euch noch dazu so beseligte , und daß Ihr daher an keinen Widerstand gedacht habt , der Euch ja auch als Untreue an Mathilden erscheinen mußte . Allein Eure Lage , in dieser Art genommen , darf nicht als die gesetzmäßige bezeichnet werden . Ihr seid so jung , Ihr habt Euch in den Anfang einer Laufbahn begeben . Ihr müßt nun in derselben fortfahren , oder , wenn Ihr sie mißbilligt , eine andere einschlagen . In ganz und gar keiner kann ein Mann von Eurer Begabung und Eurem inneren Wesen nicht bleiben . Welche lange Zeit liegt nun vor Euch , die Ihr benützen müßt , Euch in jene feste Lebenstätigkeit zu bringen , die Euch not tut , und Euch jene äußere Unabhängigkeit zu erwerben , die Ihr braucht , damit Ihr beides zur Errichtung eines dauernden Familienverhältnisses anwenden könnt . Welche Unsicherheit in Euren Bestrebungen , wenn Ihr eine verfrühte Neigung in dieselben hinein nehmt , und welche Gefahren in dieser Euch beherrschenden Neigung für Euer Wesen und Euer Herz ! Es wird euch beiden jetzt Schmerz machen , das geknüpfte Band zu lösen oder wenigstens aufzuschieben , wir wissen es , wir fühlen den Schmerz , ihr beide dauert uns , und wir machen uns Vorwürfe , daß wir die entstandene Sachlage nicht zu verhindern gewußt haben ; aber ihr werdet beide ruhiger werden , Mathilde wird ihre Bildung vollenden können , Ihr werdet in Eurem zukünftigen Stande Euch befestiget haben , und dann kann wieder gesprochen werden . Ihr hättet auch ohne diese Neigung nicht lange mehr in Eurer gegenwärtigen Stellung bleiben können . Wir verdanken Euch sehr viel . Unser Alfred und auch Mathilde reiften an Euch sehr schön empor . Aber eben deshalb hätten wir es nicht über unser Gewissen bringen können , Euch länger zu unserem Vorteile von Eurer Zukunft abzuhalten , und mein Gatte hatte sich vorgenommen , mit Euch über diese Sache zu sprechen . Überdenkt , was ich Euch sagte . Ich verlange heute keine Antwort ; aber gebt sie mir in diesen Tagen . Ich habe noch einen Wunsch , ich kenne Euch , und ich will ihn Euch deshalb anvertrauen . Ihr habt eine sehr große Gewalt über Mathilden , wie wir wohl immer gesehen haben , wie sie uns in ihrer Größe aber nicht erschienen ist , wendet , wenn meine Worte bei Euch einen Eindruck machten , diese Gewalt auf sie an , um sie von dem zu überzeugen , was ich Euch gesagt habe , und um das arme Kind zu beruhigen . Wenn es Euch gelingt , glaubt mir , so erweiset Ihr Mathilden dadurch eine große Liebe , Ihr erweiset sie Euch und auch uns . Geht dann mit dem Eifer der Begabung und der Ausdauer , wie Ihr sie in unserem Hause bewiesen habt , an Euren Beruf . Wir waren Euch alle sehr zugetan , Ihr werdet wieder Neigung und Anhänglichkeit finden , Ihr werdet ruhiger werden , und alles wird sich zum Guten wenden . Sie hatte ausgesprochen , legte ihre schöne , freundliche Hand auf den Tisch , und sah mich an . Ihr seid ja so blaß wie eine getünchte Wand , sagte sie nach einem Weilchen . In meine Augen drangen einzelne Tränen , und ich antwortete : Jetzt bin ich ganz allein . Mein Vater , meine Mutter , meine Schwester sind gestorben . Mehr konnte ich nicht sagen , meine Lippen bebten vor unsäglichem Schmerz . Sie stand auf , legte ihre Hand auf meinen Scheitel , und sagte unter Tränen mit ihrer lieblichen Stimme : Gustav , mein Sohn ! du bist es ja immer gewesen , und ich kann einen besseren nicht wünschen . Geht jetzt beide den Weg eurer Ausbildung , und wenn dann einst euer gereiftes Wesen dasselbe sagt , was jetzt das wallende Herz sagt , dann kommt beide , wir werden euch segnen . Stört aber durch Fortspinnen , Steigern und vielleicht Abarten eurer jetzigen heftigen Gefühle nicht die euch so nötige letzte Entwicklung . Es war das erste Mal gewesen , daß sie mich du genannt hatte . Sie verließ mich und ging einige Schritte im Zimmer hin und wider . Verehrte Frau , sagte ich nach einer Weile , es ist nicht nötig , daß ich Euch morgen oder in diesen Tagen antworte ; ich kann es jetzt sogleich . Was Ihr mir an Gründen gesagt habt , wird sehr richtig sein , ich glaube , daß es wirklich so ist , wie Ihr sagt ; allein mein ganzes Innere kämpft dagegen , und wenn das Gesagte noch so wahr ist , so vermag ich es nicht zu fassen . Erlaubt , daß eine Zeit hierüber vergehe , und daß ich dann noch einmal durchdenke , was ich jetzt nicht denken kann . Aber eins ist es , was ich fasse . Ein Kind darf seinen Eltern