doch was Anderes ! da wußte man also doch , wo er geblieben war ! - Und wer besorgt dergleichen Geschichten ? « » Bssst ! Meister Schwemmer ! darüber spricht man nicht gern ; es weiß es auch eigentlich Niemand genau , wer da den Scharfrichter spielt . Genug , es ist schon einige Male vorgekommen , so viel ich weiß . « » Und da spricht er ganz einfach einen Urtheilsspruch ? « » Nachdem er drei , vier der Andern gehört hat , und sie seiner Meinung sind . « » Na , da ist doch eigentlich eine Art von Gericht , und dagegen kann man nichts haben . « » Ganz richtig : dabei wäre am Ende auch nichts zu erinnern . Aber er übt auch sonst - unter uns gesagt - eine zu wahnsinnige Tyrannei aus . Kann Einer von uns wohl thun , was er mag ? - Hat irgend Einer einen freien Willen ? - Nein ! nein ! beim Teufel ! nein ! Ich versichere Euch , Meister Schwemmer , ich gehe stark mit der Absicht um , wieder ehrlich zu werden und mein Brod auf anständige Weise zu verdienen . Ich absonderlich tauge nicht in diese Gesellschaft ; man hat eine Erziehung genossen , man hat eine Vergangenheit , und dann - gibt es ein paar zu schöne Augen , die mich oftmals mit heißen Thränen bitten , aus dem Dunkel hervorzutreten , in das mich unsere Lebensweise hüllt . - Schöne Augen ! « » Nun , wenn die schönen Augen Geld haben , so heirathet sie in Gottes Namen und lebt Eurer Erziehung und Eurem Stande gemäß . « » Findet Ihr das nicht auch , Meister : ich bin zu nobel , zu vornehm für dies Gewerbe ? « » Das wollte ich gerade nicht sagen , « meinte hustend der Hausherr . » Wißt Ihr , Sträuber , Euch fehlt der rechte Muth zu unserem Geschäft , Ihr habt Angst vor einem Handgemenge , Ihr seid zu weich . « » Richtig , richtig , Meister Schwemmer ! « erwiderte schwärmerisch der Andere , wobei er den Hut , den er auf dem Kopf hatte , fest in die Augen drückte . » Das sagt meine Gräfin mit den schönen Augen auch . Was mich dieses Weib liebt , davon habt Ihr gar keine Vorstellung . - Es frißt mir das Herz ab , wenn ich sie so vornehm und stolz vorüber fahren sehe , und dabei bedenke , was ich für ein miserabler Sklave bin . - Und Sklaven sind wir , das ist nicht zu leugnen . « Als Herr Sträuber von der schönen Gräfin sprach , nahm der Hausherr eine gewaltige Prise und kniff sein linkes Auge zu gegen das Weib hin , das darauf verächtlich lächelnd die Achseln zuckte . » Glaubt Ihr nicht , daß wir Sklaven sind ? « fuhr Herr Sträuber fort , da er diese Grimasse , welche seiner angeblich vornehmen Bekanntschaft galt , mißverstanden . » O ja doch , « entgegnete Meister Schwemmer ; » namentlich Ihr vom Fuchsbau . Mich hier läßt er so ziemlich im Frieden . « » Wartet nur ; ich sehe es auch noch kommen , daß er Euch irgend was am Zeuge flickt . Er soll neulich zu Mathias gesagt haben : was wißt Ihr von der Wirthschaft bei dem Schwemmer ? Da sollen zuweilen saubere Geschichten vor sich gehen ; sagt ihm mein Kompliment und er soll sich in Acht nehmen . « » Hat er das wirklich gesagt ? « fragte der Meister , der einen plötzlichen Schrecken mühsam hinter einem leichten Hüsteln zu verbergen suchte , wogegen das Weib Kartoffeln und Messer in den Schooß fallen ließ und mit weit offenem Munde drein schaute . » Ja , das hat er gesagt ? « fuhr Herr Sträuber fort , offenbar sehr befriedigt durch die Wirkung , welche diese Worte hervorgebracht . - » Von mir sprach er ebenfalls , und nicht gerade besonders schmeichelhaft ; er nennt mein unschuldiges Vergnügen , den kleinen Kindern die Ohrringe wegzunehmen , ein gemeines Verbrechen , eine Schande ; er wolle ein Wort mit mir reden , wenn er sich einmal von der Wahrheit überzeugt . - Nun , ist das keine Sklaverei ? Müssen wir uns eine solche Herrschaft gefallen lassen ? « Der Andere winkte mit der Hand , als wollte er sagen : stille , stille ! Und dann fragte er mit leiser Stimme : » Woher erfährt er denn alle diese Geschichten ? « » Das weiß der Teufel ! « sagte Herr Sträuber ; » aber ihm bleibt nicht leicht etwas verborgen . - Ich habe immer schon gedacht , der Mathias mache zuweilen den Spion gegen uns . « » Nein , gewiß nicht ! « erwiderte Meister Schwemmer im Tone der Ueberzeugung . » Der Mathias ist ein rauher Kerl , aber verrathen thut der Niemand . - Es ist das überhaupt ein räthselhafter Herr , « fuhr er nach einer Pause fort . » Wer ? - der Mathias ? « » Ach nein ! er ! - Habt Ihr ihn kürzlich gesehen ? « » Gott sei Dank ! nein ; nur neulich zufällig erfahren , daß er im Hause sei , wie die Geschichte mit dem Lakaien spielte . « » Aber Ihr spracht ihn früher schon ? « » Ein einziges Mal . Und ich muß gestehen , da machte er auf mich einen gewaltigen Eindruck . Er ist nicht übermäßig groß , aber seine Stimme geht Einem durch Mark und Bein , und wenn er eine Bewegung macht , auf und ab geht oder etwas thut , so meint man , seine Glieder seien von Stahl und Eisen . « » Ja , ja , so ist es , « entgegnete der Hausherr , während er langsam den Kopf in die Hand sinken ließ . - » Aber glaubt Ihr