veranlaßt , durfte als Frau vom Hause nicht , wie sie wünschte , entscheiden ; da besonders das schöne Gesicht der Gräfin Bussy zu Marmor erblaßt war . Endlich erklärten die Herren , sich theilen zu wollen . Einige wollten die Zimmer betrachten , die ihre Neugier reizten und so leicht erreichbar nun vor ihnen lagen . Andere wollten bei den Damen in dem düsteren Banketsaale bleiben . Lucile bat , sich den Herren anschließen zu dürfen , die die weitere Forschung wagten , und trat , von ihrem Gemahle , von dem Grafen Bussy und dem Chevalier de Vardes begleitet , vor die verhängnißvolle Thür . » Nun , Lucile ? « fragte der Marquis d ' Anville ; - denn so leise sie Alle zur Thüre geschlichen waren , stand doch Lucile mit dem Drücker der Thür in der Hand und wagte nicht einzutreten . » Willst Du Deine kleine Hand als Riegel da vorgeschoben lassen und uns den Muth benehmen , diesen wegzuschieben , wie wir mit jenen eisernen thaten , die , von Rost zerfressen , wenig Widerstand leisteten ? « » Gleich , « sagte Lucile mit leiser Stimme und wendete ihr holdes Gesicht , zwar lächelnd , aber seiner frischen Farbe beraubt , zu ihrem Gemahle - » mir war eben , als hörte ich sprechen ! « - » Dann tritt zurück , mein theures Kind , es greift Dich dennoch an . Die Phantasie rächt sich für Deine kühne Herausforderung ! « - » Nein , « sagte Lucile - » sie soll nicht stärker sein , als ich ! « - Die Thür öffnete sich , Alle traten in ihren weiten Bogen ein - und Allen widerfuhr dasselbe : ein an Schrecken grenzendes Erstaunen . Wir wurden schon ein Mal , an Fennimor ' s Seite , in dies Geheimzimmer der Königin Katharina geführt , und werden uns an die eigenthümliche , finstere Pracht desselben erinnern können . Es war wohl geeignet , wenn das Andenken der grauenvollen Bewohnerin den Geist ergriff , eine Bewegung des Schreckens zu rechtfertigen , da , wo die Spuren ihrer Missethaten noch so vollständig erhalten waren ! Aber wie sehr mußte sich für Alle der Eindruck steigern , als hinter dem großen Schreibtische der Königin , der auf weißem Marmor ruhend , vollständig erhalten war , eine wunderschöne , weibliche Gestalt aufgerichtet stand , die , todtenbleich und mit starren Augen auf die Eintretenden blickend , ganz einem schönen Geiste glich , der in diese unzugänglichen Räume gebannt war . Dazu kam die fremdartige Kleidung , die niederhängenden , glänzenden , braunen Locken , ohne die Entstellung der damaligen Frisur , das schöne Mieder von weißer Seide , mit den kostbaren Juwelen-Spangen , das sich anschmiegende , in reiche Falten niederfallende Kleid , das die Form des Körpers nicht entstellte , der Aermel , der aufgeschnitten hinten über hing und den schönen Arm , die schlanke , weiße Hand enthüllte , die auf der Lehne des Stuhles ruhete , während die andere fast krampfhaft in die schwarzen Marmor-Schnörkel der Tischeinfassung griff . Dahinter saß , in schweren grauen Damast gekleidet , ein Wesen im höchsten Alter , spukhaft von Ausdruck , das weiße Haar von einer fremdartigen , kleinen Haube kaum bedeckt . Die Spindel und der Faden in der dürren Hand schien versteinert ; sie selbst , wie die jugendliche Gestalt , ohne Athem und Leben ! Wir werden begreifen , daß hier ein lautloser Augenblick eintrat , in welchem Niemand etwas Anderes , als anblicken konnte . Doch mit der größeren Leichtigkeit des Geistes , die den Frauen eigen ist , sich in den Zuständen zurecht findend , war auch Lucile die Erste , die sich dem schönen Wunder nahete . Mit dieser Annäherung schien das Leben in dem reizenden Geiste wiederzukehren ! Die Brust hob sich , ängstlich flog der Athem über die Lippen , und die erste Bewegung war , daß der schöne Kopf mit seiner Lockenfülle sich auf den Busen senkte . Lucile blieb bei diesen Zeichen einer großen Gemüthsbewegung einen Schritt noch von ihr , besorgt stehen ; da erhob sich die Alte und vorschreitend und die Marquise mit den Augen bewachend , rief sie rauh und streng : » Fürchte Dich nicht , mein Engel ! Sie dürfen Dir Nichts thun , sie haben kein Recht an Dir . « Noch immer schwieg die junge Person , obwol sie die Hand von dem Stuhle zog und sie leise , wie abwehrend , gegen die Alte aufhob , die sogleich verstummend zurücktrat . » In welcher Weise dürfte auch Miß Eton ihre Freunde fürchten ? « fragte nun Lucile mit dem gewinnenden Laut ihrer Stimme ; - » denn so stolz sie sich uns auch entzogen hat , darf ich dennoch nicht zweifeln , daß mir der Zufall günstig ist , und ich die Freundin meiner Tante d ' Aubaine vor mir sehe . Erlauben Sie mir , Ihnen meinen Gemahl , den Marquis d ' Anville , vorzustellen . « » Madame , « sagte Elmerice , noch immer mit bebender Stimme - » entschuldigen Sie meine Ueberraschung ! Ich ahnte nicht , Ihnen in diesen verödeten Gemächern hinderlich werden zu können ! « » Das möchte auch in Wahrheit unmöglich sein , « rief der Marquis d ' Anville . » Was könnten wir uns für einen glücklicheren Zufall wünschen , da er unser lebhaftes Verlangen erfüllt , uns Ihnen vorstellen zu dürfen . « Elmerice verneigte sich mit einer so edeln Würde , daß der Marquis das Wort , welches ausblieb , nicht entbehrte . » Aber jetzt , « sagte Lucile , während sie Elmerice ganz nahe trat und die schöne , kalte Hand von den Marmorblumen , die sie noch immer festhielt , wegzog ; - » jetzt haben wir Sie , und Sie werden sich uns nicht mehr entziehen können - oder wenigstens abwarten müssen , ob wir uns nicht Ihre Gesellschaft verdienen