und tiefer sinkend , entschwand er langsam den Blicken ; noch einmal flammte es am Horizont auf , wie mit feuriger Lohe – dann war das Licht verschwunden , und auch das dunkle Rot , das noch auf dem Wasser lagerte , begann allmählich zu verblassen . Wanda atmete tief auf und fuhr mit der Hand über die Stirn . » Die Sonne ist nieder , « sagte sie leise , » wir werden an die Rückkehr denken müssen . « » An die Rückkehr ! « wiederholte Waldemar wie im Traum . » Schon jetzt ? « Das junge Mädchen erhob sich rasch , als gelte es irgend einer beängstigenden Empfindung zu entfliehen . » Das Tageslicht bleibt nicht mehr allzulange , und wir müssen jedenfalls bei anbrechender Dämmerung in C. sein , sonst verzeiht uns die Tante nie diese eigenmächtige Fahrt . « » Das werde ich bei meiner Mutter vertreten , « sagte Waldemar , auch er schien sich zu den gleichgültigen Worten förmlich zwingen zu müssen , » wenn Sie aber die Rückkehr wünschen – « » Ich bitte darum . « Der junge Mann machte eine Wendung nach dem Boote hin , auf einmal hielt er inne . » Sie wollen ja wohl fort , Wanda ? Schon in wenigen Tagen ? Nicht wahr ? « Die Frage klang seltsam erregt , und auch in der Stimme der jungen Gräfin lag nicht die gewöhnliche Unbefangenheit , als sie antwortete : » Ich muß zu meinem Vater ; er entbehrt mich schon so lange . « » Meine Mutter und Leo gehen nach Wilicza – « Waldemar stockte bei den Worten , als ob ihm irgend etwas den Atem benehme . » Es ist die Rede davon , daß ich sie begleite – darf ich das ? « » Weshalb fragen Sie mich danach ? « fragte Wanda mit einer ihr sonst ganz fremden Befangenheit . » Es hängt doch einzig von Ihnen ab , ob Sie Ihre Güter besuchen wollen . « Der junge Mann beachtete den Einwurf nicht ; er beugte sich zu ihr nieder ; seine Stimme bebte in leidenschaftlicher Unruhe . » Ich frage aber Sie , Wanda , Sie allein – darf ich nach Wilicza kommen ? « » Ja ! « fiel es unwillkürlich von Wandas Lippen , aber in demselben Augenblick erschrak sie auch darüber , denn Waldemar hatte mit einer stürmischen Bewegung ihre Hand ergriffen und hielt sie so fest , als sei es für die Ewigkeit . Die junge Gräfin fühlte , was er in dieses » Ja « hineinlegte , und das machte sie bestürzt . Es überkam sie auf einmal eine heiße Angst . Waldemar bemerkte ihr Zurückweichen . » Bin ich Ihnen wieder zu ungestüm ? « fragte er leise . » Sie dürfen mir darüber nicht böse sein , Wanda , heute nicht . Ich konnte nur den Gedanken an Ihre Entfernung nicht ertragen . Jetzt weiß ich ' s ja , daß ich Sie wiedersehen darf – jetzt will ich geduldig warten , bis wir in Wilicza sind . « Sie gab keine Antwort . Schweigend gingen beide nach dem Boote hinunter . Waldemar richtete die Segel und legte die Ruder ein , und einige mächtige Stöße trieben das kleine Fahrzeug weit hinaus in die See . Noch lag ein leiser Rosenschimmer auf den Wellen , als das Boot darüber hinglitt . Niemand sprach auf der Fahrt , nur das Meer rauschte eintönig , während das letzte flüchtige Rot am Himmel verblaßte und die ersten Schatten der Dämmerung sich über den Buchenholm legten , der weit und weiter zurückwich . Der Traum beim Sonnenuntergang war zu Ende , aber die alte Sage , die ihn gesponnen , erzählt auch , daß , wer einmal das versunkene Vineta geschaut , einmal seinen Glockenklängen gelauscht habe , den lasse die Sehnsucht danach nicht ruhen sein Leben lang , bis die alte Wunderstadt wieder zu ihm emporsteigt – oder bis sie ihn hinabzieht in die Tiefe . Die diplomatische Mission , zu der Herr Witold den Doktor Fabian auserlesen hatte , schien dem ersteren in ihrer Ausführung nicht halb so schwierig , wie in ihrer Einleitung . Um genauen Bericht darüber zu erstatten , » was eigentlich da drüben in C. passierte « , mußte der Doktor natürlich Zutritt bei der Fürstin Baratowska haben , und das konnte nur durch Waldemar geschehen , Witold zerbrach sich den Kopf darüber , wie er seinem starrsinnigen Pflegesohn die Sache beibringen könne , ohne gleich von vornherein auf ein entschiedenes Nein zu stoßen . Da kam ihm unerwartet der Zufall zu Hilfe . Die Fürstin hatte bei dem letzten Zusammensein den Wunsch ausgedrückt , den Lehrer ihres Sohnes persönlich kennen zu lernen . Waldemar sprach davon nach seiner Rückkehr und der Gutsherr ergriff mit beiden Händen die willkommene Gelegenheit . Er war zum erstenmal in seinem Leben in der Lage , einen Wunsch der Fürstin Jadwiga vernünftig zu finden . Er hielt den Doktor unerbittlich beim Worte , und dieser , der noch immer gehofft hatte , die Sache werde an dem Eigensinn seines Zöglings scheitern , mußte schon am zweiten Tage mit Waldemar zu der gewünschten Vorstellung nach C. Waldemar war auch heute zu Pferde . Er war ein leidenschaftlicher Reiter und verabscheute das Fahren auf den sandigen oder steinigen Landwegen , über die er im Galopp hinsprengte . Es fiel ihm nicht ein , Rücksicht auf seinen Lehrer zu nehmen und sich zu ihm in den Wagen zu setzen . Doktor Fabian war an dergleichen Rücksichtslosigkeiten gewöhnt , und von Natur schüchtern und nachgiebig , hatte er nicht den Mut , sich dagegen zu erheben oder deswegen seine Stellung zu opfern . Er besaß kein Vermögen ; eine Stellung war überhaupt für ihn eine Lebensfrage . Das Leben in Altenhof sagte ihm wenig zu , aber er nahm im ganzen ja auch nur wenig teil daran . Er erschien nur bei Tische und hin und wieder