Sie würden es begreifen ! « » Ja , ich begreife es , « sagte Edith , deren Augen jetzt an seinen Lippen hingen . Das war in der That eine Sprache , die sie verstand , die sie mächtig fesselte , die Sprache des stolzen Selbstbewußtseins , des rücksichtslosen Wagemutes . Ronald sah das , und sein beleidigter Stolz hielt nicht mehr stand , die Leidenschaft für das schöne Mädchen siegte . Er trat langsam wieder an ihre Seite , und jetzt sank seine Stimme zu einem heißen Flüstern herab . » Die Welt nennt das unerhörtes Glück , Ich bin nicht glücklich dabei gewesen und habe auch nicht viel danach gefragt , denn bei mir hieß die Losung immer nur : Vorwärts ! Aufwärts ! Da lernte ich Sie kennen , Edith , und da wurde es anders . Sie wollen ja die Meine werden , aber ich verlange mehr als dies kühle , förmliche Ja , mit dem Sie sich vorhin zu meiner Braut erklärten , weit mehr . In der ruhelosen Hetzjagd meines Lebens habe ich nie Zeit gehabt für das Glück , aber jetzt fordert es sein Recht , gewaltsam , unwiderstehlich . Willst du es mir geben ? Du kannst es , du allein ! « Das war der volle , echte Ton der Leidenschaft , und Edith hätte kein Weib sein müssen , wäre sie gleichgültig dabei geblieben . Sie war geblendet , hingerissen , und all die warnenden , widerstreitenden Empfindungen , mit denen sie vorhin gekämpft , gingen unter darin . Mit einem tiefen Atemzuge richtete sie sich empor . » Ich habe Sie bisher noch gar nicht gekannt , Ronald – « » Felix ! « unterbrach er sie . » Laß mich doch endlich meinen Namen hören von deinen Lippen ! « » Felix , « wiederholte sie leise . » Wir müssen es ja erst lernen , einander zu verstehen ! « Er schloß sie in die Arme , nicht so wild und stürmisch wie vorhin , er fürchtete offenbar , sie wieder zu verletzen . Aber diesmal entzog sich Edith nicht seiner Umarmung . Marlow war inzwischen draußen auf der Terrasse allein geblieben . Wilma hatte sich mit ihren Hausfrauenpflichten entschuldigt . Sie wollte noch einige Anordnungen für den Abend treffen und nahm ihre Kleine mit sich . Der Bankier wandelte langsam auf und nieder und schien sich nur dem behaglichen Genuß seiner Zigarre hinzugeben . Aber sein Blick streifte im Vorüberschreiten öfters die offen gebliebene Glasthür , und jetzt mochte er wohl bemerkt haben , daß da drinnen alles in erwünschter Ordnung war . Er warf die Zigarre weg und trat in den Salon . Ronald führte ihm seine Braut entgegen , und nun folgten die üblichen Umarmungen , die Glückwünsche und das erste vertraute Zusammensein mit dem neuen Schwiegersohn . Aber hier fehlte das erste süße Geplauder eines Brautpaares mit der nun offen hervorbrechenden Zärtlichkeit des Mannes und der noch halb scheuen Hingebung des Mädchens . Ronald konnte wohl leidenschaftlich , aber nicht zärtlich sein und Edith war überhaupt nicht angelegt für weiche Hingebung . Auch Marlow bewahrte seine kühle Gelassenheit , die ihm zur zweiten Natur geworden war , obgleich er mit dieser Verlobung seinen höchsten Wunsch erfüllt sah . Nach fünf Minuten sprachen die drei bereits von sehr realen Dingen . » Verzeih , daß ich so spät kam , « sagte Felix . » Ich wollte natürlich mit deinem Vater kommen , wurde aber im letzten Augenblick noch zurückgehalten . « » Edith kennt den Grund bereits , « warf der Bankier ein . » Ich sagte ihr schon von der Depesche des Ministers , der sofortige Antwort verlangte . « » Ja , und eine sehr ausführliche , « bestätigte Ronald . » Ich habe erst Berichte diktieren , Ergänzungen hinzufügen müssen , und das hat ein paar Stunden gedauert . Aber du wirst die Verspätung entschuldigen , Edith , sie ging zum Teil auch dich an . « » Mich ? « fragte Edith , die noch immer mit einem gewissen Zögern sein Du erwiderte . » Ich verstehe dich nicht . « – » Nun , du wirst doch künftig meinen Namen tragen , und der spielt auch eine Rolle dabei . Hast du etwas dagegen , wenn dieser lautet : Felix Freiherr von Ronald ? « Die junge Dame fuhr in lebhafter Ueberraschung auf und blickte erst ihren Verlobten , dann den Vater an , dessen Lächeln zeigte , daß er bereits unterrichtet war . » Man will dir den Adel erteilen ? « rief sie . » Man will das nun gerade nicht , « sagte Ronald mit einem spöttischen Auflachen . » Vermutlich verursacht der Entschluß einige Beklemmung an maßgebender Stelle , trotzdem wird man sich dazu bequemen müssen . Es handelt sich um gewisse finanzielle Schwierigkeiten bei der neuen Anleihe , die man möglichst schnell heben möchte . Ich habe die Fäden zum Teil in der Hand und kann nötigenfalls einen Druck auf die großen Banken und die Berliner Finanzwelt ausüben . Wenn ich mit meinem ganzen Einfluß eintrete , geben sie voraussichtlich ihre Zurückhaltung auf und folgen . « » Sie werden zweifellos folgen , « stimmte Marlow bei . » Wir haben hinreichend vorgearbeitet , und das wissen die Herren da oben sehr genau . « Edith hörte mit lebhafter Spannung zu . Als Tochter ihres Vaters war sie vertraut genug mit diesen Dingen , um sie zu verstehen ; jetzt fragte sie : » Du hast den Adel gefordert ? « » Nicht direkt , so etwas wird überhaupt nicht gefordert und ausgesprochen , aber man versteht sich trotzdem . Ich habe meine Wünsche hinreichend angedeutet und ebenso diskret die Zusage erhalten . Die Sache ist abgemacht , muß aber einstweilen noch Geheimnis bleiben . Und nun begreifst du vielleicht meinen Wunsch , daß auch unsere Verlobung geheim bleibt bis zum Herbst – dann bringe ich meiner Braut die Freiherrnkrone als Morgengabe