nicht immer Herr werden kann . Auf Wiedersehen ! “ Als Atkins draußen war , blieb er stehen und schüttelte noch einmal den Kopf „ Es giebt Stimmungen – hm ! Das ist ja wunderbar ! Henry hat Ahnungen und sie Stimmungen ! Dinge , mit denen sich die Beiden sonst wahrlich nicht abgaben . Uebrigens hat er Recht , sie ist verändert , und wenn ich auch noch anfangen wollte , zu ahnen , dann würde ich sagen , “ hier schickte Mr. Atkins einen sehr unholden Blick hinüber nach dem sonnenbeglänzten Wasserspiegel des Stromes , der zwischen den Bäumen des Gartens sichtbar ward , „ es liegt etwas hier in dieser deutschen Luft , und dieser verwünschte Rhein schickt uns , ehe wir es denken , irgend ein Ungewitter auf den Hals ! “ Der Amerikaner hatte Recht behalten , wenn auch in anderer Weise , als er geglaubt . Seine ganz speciell gemeinten Befürchtungen waren zu einer politischen Prophezeiung geworden . Es lag wirklich etwas in der deutschen Luft , und es war in der That am Rhein , wo der erste Blitz aufzuckte , der das nahende Ungewitter verkündigte . Frankreich hatte den Krieg erklärt ! Wie aus heiterem Himmel kam der Schlag , und wie im rollenden Donner gab ganz Deutschland , vom Fels zum Meere , in tausendstimmigem Echo den Ruf zurück . Am Rhein flammte es auf in allen Städten , Flecken und Dörfern : heißer , glühender noch , als in den anderen Grenzmarken ; waren sie doch die zuerst Bedrohten , die vor allem zu Schützenden , der kostbare Einsatz , um dessen willen das frevelhafte Spiel begonnen war , das fühlte Jeder bis zum ärmsten Bauer herab , und mit einem einzigen endlosen Jubelruf empfingen die geängstigten Rheinlande die Schützer , die Rächer des beabsichtigten Raubes . In riesigen ununterbrochenen Zügen warf Deutschland seine gesammte Kriegsmacht nach der gefährdeten Grenze , immer mächtiger und mächtiger schwoll die Heereswoge an , immer dichter und dichter schaarten sich die Massen um das bedrohte Palladium der Nation ; noch war der Gegner nicht zur Hälfte gerüstet , da rollten die grünen Wogen bereits unter sicherer Hut , Glied an Glied geschlossen stand das nun endlich geeinte Deutschland Wacht an den Ufern seines Rheines , bereit , den alten heiligen Strom zu schützen , oder sich , selbst ein vernichtender Strom , in ’ s Land des Feindes zu ergießen ! Auch in B. hatte die allgemeine Begeisterung mächtig gezündet . Die Studenten eilten zu den Fahnen oder in die Sanitätscolonnen , die Professoren schlossen ihre Vorlesungen und stellten sich , wenn Alter und Gesundheit es noch erlaubten , selbst an die Spitze jener letzteren , die Frauen rafften jetzt schon alle Kräfte und Mittel zusammen , um auf dem thränen- und segensreichen Felde , das der Krieg ihnen zugewiesen , Hülfe und Rettung zu bringen . Alles ward mit fortgerissen , Alles überbot sich in fieberhafter Thätigkeit , die sonst so streng festgehaltenen Schranken der Stände und Gesellschaftsclassen fielen hier in der Stadt , wie draußen im Vaterlande die Grenzen zwischen Nord und Süd – Alles stand zusammen in einer Aufopferung , einer Hingebung , in einem einzigen Begeisterungssturm ! – Es war in den ersten Tagen jener Bewegung an einem prachtvollen Julitage , als Jane allein in dem Balconzimmer saß , dessen Thüren nach dem Garten hinaus weit geöffnet waren . Draußen lag der Sonnenschein heiß auf Rasen und Gebüsch , wie auf den Wellen des vorübergleitenden Stromes , die Rosen blühten in voller Pracht , Käfer und Schmetterlinge gaukelten friedlich darüber hin und das große altmodische Gemach , mit seinen weinumrankten Fenstern , seinen hochlehnigen Stühlen und Kanapees und seiner einförmig tickenden Wanduhr sah gleichfalls so friedlich und behaglich aus , als vermöge kein Kriegslärm von draußen die Ruhe und den Frieden dieses Haus zu stören . Ruhe und Frieden war es nun gerade nicht , was auf dem Antlitz der jungen Dame lag , die , tief über eine Zeitung gebeugt , dort etwas zu lesen schien , das sie mächtig fesselte , denn ihr Blick folgte in athemloser Spannung den Zeilen und sie hörte weder den Schritt eines Kommenden , noch sah sie seine Gestalt , bis er dicht vor ihr in der Balconthür stand . „ So vertieft , Miß Jane ? “ sagte Atkins vollends eintretend . „ Sie scheinen mit einer sehr interessanten Lectüre – aber was , was haben Sie denn ? “ Jane hatte sich plötzlich erhoben und wendete ihm , das Blatt noch immer in der Hand , ihr Gesicht zu . Wäre sie nicht so an die strengste Selbstbeherrschung gewöhnt gewesen , die Züge hätten vielleicht noch mehr von der stürmischen Bewegung verrathen , die das ganze Wesen der jungen Dame durchbebte , jetzt sprachen nur die heißgerötheten Wangen , die flammenden Augen davon , aber sie sagten genug , um ihre schnell erfundene Ausflucht der Lüge zu zeihen . „ Mir ist nichts , gar nichts , ich leide nur von der unerträglichen Hitze , vor der ich hier vergebens Schutz suchte . “ Atkins sah sie mißtrauisch an , plötzlich schien ihm ein Gedanke zu kommen ; es gab nur einen einzigen Gegenstand , bei dessen Berührung er Jane jemals aufgeregt gesehen . „ Sie haben irgend eine Notiz über unsere Angelegenheit gefunden ? “ fragte er rasch . „ Eine neue Spur ? “ Jane war ihrer Erregung bereits wieder vollkommen Herr geworden , sie legte ruhig das Blatt nieder . „ Nichts dergleichen ! durchaus nichts ! Ich hoffte im Gegentheil , Sie würden mir eine Nachricht darüber bringen . “ Er zuckte die Achseln . „ Noch habe ich keine erhalten und auch nicht erwartet . Die Behörden haben augenblicklich weder Zeit noch Lust , sich mit Privatrecherchen abzugeben , es möchte ihnen auch schwer werden , jetzt , wo kein Mensch und kein Ding mehr an seinem Platze ist . Eine Reise unsererseits würde vollends nichts