ist mir unvergessen , obschon seit jenem Tage meine Augen es nicht mehr gesehen . – Gleich dem des Predigerhauses von der anderen Seite , trat es als ein breiter Streifen in die Priesterkoppel ; inmitten zwischen beiden aber war eine Gruppe dichter Weidenbüsche , welche zur Einfassung einer Wassergrube dienen mochten ; denn ich hatte einmal eine Magd mit vollem Eimer wie aus einer Tiefe daraus hervorsteigen sehen . Als ich ohne viel Gedanken , nur mein Gemüthe erfüllet von nicht zu zwingender Unrast , an des Küsters abgeheimseten Bohnenbeeten hinging , hörete ich von der Koppel draußen eine Frauenstimme von gar holdem Klang , und wie sie liebreich einem Kinde zusprach . Unwillens schritt ich solchem Schalle nach ; so mochte einst der griechische Heidengott mit seinem Stabe die Todten nach sich gezogen haben . Schon war ich am jenseitigen Rande des Holundergebüsches , das hier ohne Verzäunung in die Koppel ausläuft , da sahe ich den kleinen Johannes mit einem Ärmchen voll Moos , wie es hier in dem kümmerlichen Grase wächst , gegenüber hinter die Weiden gehen ; er mochte sich dort damit nach Kinderart ein Gärtchen angeleget haben . Und wieder kam die holde Stimme an mein Ohr : » Nun heb nur an ; nun hast du einen ganzen Haufen ! Ja , ja ; ich such derweil noch mehr ; dort am Holunder wächst genug ! « Und dann trat sie selber hinter den Weiden hervor ; ich hatte ja längst schon nicht gezweifelt . – Mit den Augen auf dem Boden suchend , schritt sie zu mir her , so daß ich ungestöret sie betrachten durfte ; und mir war , als gliche sie nun gar seltsam dem Kinde wieder , das sie einst gewesen war , für das ich den » Buhz « einst von dem Baum herabgeschossen hatte ; aber dieses Kinderantlitz von heute war bleich und weder Glück noch Muth darin zu lesen . So war sie mählich näher kommen , ohne meiner zu gewahren ; dann kniete sie nieder an einem Streifen Moos , der unter den Büschen hinlief ; doch ihre Hände pflückten nicht davon ; sie ließ das Haupt auf ihre Brust sinken , und es war , als wolle sie nur ungesehen vor dem Kinde in ihrem Leide ausruhen . Da rief ich leise : » Katharina ! « Sie blickte auf ; ich aber ergriff ihre Hand und zog sie gleich einer Willenlosen zu mir unter den Schatten der Büsche . Doch als ich sie endlich also nun gefunden hatte und keines Wortes mächtig vor ihr stund , da sahen ihre Augen weg von mir , und mit fast einer fremden Stimme sagte sie : » Es ist nun einmal so , Johannes ! Ich wußte wohl , du seiest der fremde Maler ; ich dachte nur nicht , daß du heute kommen würdest . « Ich hörete das , und dann sprach ich es aus : » Katharina , – – bist du des Predigers Eheweib ? « Sie nickte nicht ; sie sah mich starr und schmerzlich an . » Er hat das Amt dafür bekommen « , sagte sie , » und dein Kind den ehrlichen Namen . « – » Mein Kind , Katharina ? « » Und fühltest du das nicht ? Er hat ja doch auf deinem Schoß gesessen ; einmal doch , er selbst hat es mir erzählet . « – – Möge keines Menschen Brust ein solches Weh zerfleischen ! » Und du , du und mein Kind , ihr solltet mir verloren sein ! « Sie sah mich an , sie weinte nicht , sie war nur gänzlich todtenbleich . » Ich will das nicht ! « schrie ich ; » ich will ... « Und eine wilde Gedankenjagd rasete mir durchs Hirn . Aber ihre kleine Hand hatte gleich einem kühlen Blatte sich auf meine Stirn gelegt , und ihre braunen Augensterne auf dem blassen Antlitz sahen mich flehend an . » Du , Johannes « , sagte sie , » du wirst es nicht sein , der mich noch elender machen will . « – » Und kannst denn du so leben , Katharina ? « » Leben ? – – Es ist ja doch ein Glück dabei ; er liebt das Kind ; was ist denn mehr noch zu verlangen ? « – » Und von uns , von dem , was einst gewesen ist , weiß er davon ? « » Nein , nein ! « rief sie heftig . » Er nahm die Sünderin zum Weibe : mehr nicht . O Gott , ist ' s denn nicht genug , daß jeder neue Tag ihm angehört ! « In diesem Augenblicke tönete ein zarter Gesang zu uns herüber . – » Das Kind « , sagte sie . » Ich muß zu dem Kinde ; es könnte ihm ein Leids geschehen ! « Aber meine Sinne zieleten nur auf das Weib , das sie begehrten . » Bleib doch « , sagte ich , » es spielet ja fröhlich dort mit seinem Moose . « Sie war an den Rand des Gebüsches getreten und horchete hinaus . Die goldene Herbstsonne schien so warm hernieder , nur leichter Hauch kam von der See herauf . Da hörten wir von jenseit durch die Weiden das Stimmlein unseres Kindes singen : Zwei Englein , die mich decken , Zwei Englein , die mich strecken , Und zweie , so mich weisen In das himmlische Paradeisen . Katharina war zurückgetreten , und ihre Augen sahen groß und geisterhaft mich an . » Und nun leb wohl , Johannes « , sprach sie leise ; » auf Nimmerwiedersehen hier auf Erden ! « Ich wollte sie an mich reißen ; ich streckte beide Arme nach ihr aus ; doch sie wehrete mich ab und sagte sanft : » Ich bin des anderen Mannes Weib ; vergiß das nicht . « Mich aber hatte auf diese