mit Wunden bedeckt , in ein breites Grab reihen lassen , als in das welsche Heer , und unsere Seelen eher dem leibhaftigen Teufel übergeben , als dem französischen Kardinal ! « Der junge Wertmüller , den die Szene insgeheim köstlich belustigte , war im Begriffe , den begeisterten Bäcker auf die Seite schiebend , die Tür zu gewinnen , konnte sich aber die Schlußbemerkung nicht versagen : » Soweit ich die Weltgeschichte kenne Vater Lorenz , seid Ihr darin nicht berücksichtigt . « Jetzt ergriff ihn Fausch heftig aber freundschaftlich bei der Hand : » Wie wird heutzutage Historia geschrieben , Herr Locotenent ? Saftlos und ohne Gewissenhaftigkeit ! Die Tradition jedoch der volkstümlich großen Taten erlischt nicht , auch wenn ein pedantischer Geschichtschreiber sie heimtückisch unter den Scheffel stellen sollte . Sie geht über Berg und Tal von Mund zu Munde und aus dem meinigen sollt Ihr ein Euch unbekanntes , wichtiges Blatt unserer Bündnergeschichten kennenlernen . Anno zwanzig , als die edle Demokratie in unserem Lande herrschte , vollzog sie einen großartigen , einen wahrhaft weltgeschichtlichen Akt . Frankreich zweideutelte damals zwischen Licht und Nacht , zwischen protestantischer und katholischer Politik . Dem beschloß das zu Davos versammelte Strafgericht in seiner Weisheit herzhaft ein Ende zu machen . An den Gesandten Frankreichs – der Gueffier war ' s , er hielt damals Hof in Maienfeld – schickte es eines seiner Mitglieder , einen schlichten Bürger , einen einfachen Prädikanten , der dem Franzosen Befehl überbrachte , augenblicklich einzupacken . . . , und dieser tapfere Republikaner , Euer Gnaden , war niemand anders , als Lorenz Fausch , der hier vor Euch steht . Jetzt aber hättet Ihr sehen sollen , wie der Franzose seinen Hut vom Kopfe riß , und ihn wie toll mit den Füßen zerstampfte . › Einen Salis oder Planta mindestens hätte man an mich abordnen sollen ‹ , schrie er wütend , › nicht einen solchen ... ‹ « hier hielt Fausch inne und besann sich – » Weinschlauch ! – dies ist des denkwürdigen Dialogs beglaubigter Wortlaut « , erscholl es mit heller mächtiger Stimme von dem offenen Eingange her , der in diesem Augenblicke durch eine große Gestalt , welche auf die Schwelle trat , verdunkelt ward , und vor dem erstaunt sich umwendenden Bäcker stand ein Kriegsmann von gewaltiger Statur und herrischem Blick . » Sagte er wirklich so , Jürg ? « faßte sich der betroffene Herr Lorenz ; aber statt ihm zu antworten neigte sich der stattliche Fremde mit leichtem Anstande gegen den jungen Offizier , der den Gruß militärisch erwidernd durch die frei gewordene Tür hinaus in den Sonnenschein eilte . Zweites Kapitel Zweites Kapitel Der Kriegsmann schritt klirrend dem Hintergrunde des schmalen tiefen Gemaches zu , schnallte den Degen ab , legte ihn mit dem Federhute und den Handschuhen auf einen leeren Sitz und warf sich mit einer unmutigen , harten Bewegung auf einen andern . Fausch hatte gerade diesen Gast heute am wenigsten erwartet , auch entging ihm der mit den übermütigen Worten auf der Schwelle im Widerspruch stehende Ausdruck des Kummers und der Abspannung auf dem kühnen Gesichte nicht . Nachdem er noch einen besorgten Blick auf dieses geworfen , schloß er behutsam die Türe seines Schankes . Das schmale Gemach lag jetzt im Halbdunkel , nur durch ein hochgelegenes Rundfenster über der Tür drang ein rötlicher , von goldnen stauchen durchspielter Sonnenstrahl in seine Tiefe und blitzte in den aufgereihten , feingeschliffenen Kelchen und funkelte in dem Purpurweine , welchen Meister Lorenz dem in sich Vertieften unaufgefordert vorgesetzt hatte . Eine gute Weile noch schwieg dieser , das Haupt auf den Arm gestützt , während Fausch die Hände auf die glänzende Marmorplatte stemmte und , einer Anrede gewärtig , nachdenklich vor ihm stand . Endlich entrang sich der Brust des Gastes ein schwerer Seufzer : » Ich bin ein Mann des Unglücks ! « sprach er vor sich hin . Dann richtete er sich mit einem trotzigen Rucke auf , als ob ihn sein eigenes mutloses Wort aus einem bösen Traume geweckt und seinen Stolz beschämt hätte , heftete seine finstern Augen fest , aber voll inniger Freundlichkeit auf Meister Lorenz und begann : » Du wunderst dich , Fausch , mich hier in Venedig zu sehen ! Du glaubtest , ich hätte noch eine lange Arbeit in Dalmatien , aber ich bin zuletzt rascher damit fertig geworden und unblutiger als ich selber es dachte . Die dalmatischen Räuber sind zu Paaren getrieben und die Republik von San Marco kann mit mir zufrieden sein . Es war kein leichtes Spiel . Bei Gott , ich kenne den Gebirgskrieg von der Heimat her , aber hätt ich nicht Verräter unter ihnen gefunden , und sie entzweit durch mancherlei List und Vorspiegelung , ich säße noch vor ihren Bergmauern drüben in Zara . Auch eine hübsche Beute habe ich gemacht und dein Teil daran , Lorenz , ist dir wie immer gewiß . Ich bin nicht Jenatsch , wenn ich je vergesse , daß du mich aus deinem schmalen Erbe in den ersten Harnisch gesteckt und auf einen Kriegsgaul gesetzt hast . « » Ein dankbares Gemüt ist ein ebenso schönes als seltenes Juwel « , sagte Fausch erfreut , » aber wo drückt Euch denn der Schuh , Hauptmann Jenatsch , wenn Ihr Ruhm und Beute vollauf zurückbringt ? « » Ich bin noch mit dem letzten Schritte in eine Falle meines tückischen Schicksals getreten « , versetzte der Hauptmann , die Brauen schmerzlich zusammenziehend . » Gestern mittag landete meine Brigantine an der Riva , ich meldete mich pflichtschuldig bei dem Provveditore , der mich , da ich seine besondere Gunst nicht besitze , ohne weiteres zu meinem Regiment nach Padua beorderte . Dort langte ich bei einbrechender Nacht an und fand meinen Obersten in einer Locanda eine halbe Meile vor dem Tore , aufgeregt von Becher und Würfel und in bestialischer Laune . Er stand gerade mit rotglühendem Gesicht am Fenster