unversöhnlichen Grams , der mein Herz verzehrt ! . . . Damit ich in deine Stapfen trete ... Ich bin der Ärmste und Elendeste der Sterblichen ... Siehe , ich gehöre dir zu und kann nicht von dir lassen , du geduldiger König der verhöhnten und gekreuzigten Menschheit ! . . . ‹ Nachdem der Kanzler noch eine Weile mit dem Bilde geflüstert , wendete er sich langsam und entdeckte mich auf meinem Schemel . Ich hielt mich unverwundert und beschloß tapfer zu lügen , wenn er mich früge , ob ich ihn belauscht hätte . Er aber näherte sich mit ruhigen Schritten , unmerklich lächelnd . – › Sohn Japhets ‹ , sprach er mich an , › du hast unter den Kindern Sems gelebt und weißt , daß sie es nicht glauben , der Ewige habe seinen einigen Sohn ans Kreuz schlagen lassen – wie belehrst du sie eines Besseren ? ‹ Ich erhob meine Augen fest auf den Kanzler und antwortete unverzagt : › Mein Salvator hat den Verräter Judas geküßt und seinen Peinigern vergeben ; solches aber vermag ein bloßer Mensch nicht , denn es geht gegen Natur und Geblüt . ‹ Herr Thomas wiegte leise das Haupt . › Das hast du recht gesagt ‹ , meinte er , › es ist schwer und unmöglich . ‹ – Waren aber die Worte des Kanzlers nicht allesamt christlich , so wurden es seine Werke je mehr und mehr . Es schien in jenen Tagen , als wolle Herr Thomas , müde seines Glanzes , der Herrlichkeit sich entkleiden und , selbst ein friedloser und herzkranker Mann , Übel heilen und Frieden bringen , soweit seine Macht reichte . Aber er tat es mit furchtsamer Klugheit , damit der König und die Normannen seiner nicht spotteten oder einen Argwohn gegen ihn faßten . Es wurde ihm nicht schwer dem Könige zu zeigen , daß es klug sei , nicht über Maß seine Sachsen zu belasten und sie nicht zur Verzweiflung zu treiben , und daß es vorteilhaft sei , als ein gütiges Wesen über ihnen zu stehen , großmütiger als seine Normannen , die ihre sächsischen Knechte und Mägde nach ihrem Gefallen mißhandelten . So durfte er mit königlichen Gesetzen das sächsische Volk erleichtern , nicht auffällig und herausfordernd , sondern umsichtig und verborgen , um die Normannen nicht zu reizen . Begreift , er packte die Last auf dem Rücken des Saumtieres um , ohne sie zu vermindern , und sorgte nur dafür , daß die Riemen nicht zu tief ins Fleisch schnitten . Aber auch den Normannen erwies er Dienste und verdoppelte gegen sie seine Freigebigkeit . Er überhäufte sie mit Gunst und fürstlichen Geschenken und schlichtete ihre persönlichen Zwiste mit weisen Schiedsprüchen . Hatten sich zwei Mächtige verfeindet , so trat er als Friedensstifter zwischen sie . › Wer bin ich ? ‹ sagte er dann wohl , › um mich in die Angelegenheiten der Großen zu mischen ? Ein Diener meines Herrn , der ihm die Stützen seines Thrones erhalten will . ‹ Und die zwei Feinde gingen versöhnt und in ihrem Stolze befriedigt von ihm . Hätte sich Herr Fauconbridge nur warnen lassen ! Dieser beneidete den Kanzler um seine Gunst bei beiden Königen , Herrn Heinrich und dem Kapetinger , und stellte ihm nach mit gezogenem Schwerte , aber auch mit heimlicher Verleumdung und der Schrift des Kanzlers nachgefälschten , an den König von Frank reich gerichteten Briefen , mit denen er unter der Hand Herrn Thomas des Hochverrats bezichtete , während er selbst mit dem Hofe von Frankreich gefährliche Ränke spann . Doch Herr Thomas durchschaute und überblickte ihn . Er lud ihn ohne Wissen und Beunruhigung des Königs zu sich – ich selber trug den Brief – und legte ihm dann mit gelassenen Worten und in sichern Beweisstücken die Wahrheit vor . – Weil er ihn aber , ohne Rache an ihm zu suchen , ziehen ließ , statt ihn , wie er gekonnt hätte , mit einem Schlage zu vernichten , hielt ihn der Normann für einen vorsichtigen Feigling , der sich vor dem entscheidenden Streiche fürchte , und gebärdete sich fortan zwiefach sicher und frech , bis er mit einer Tat offener Felonie die Krone angriff und man ihm dann freilich sein Blutgerüst zimmern mußte . Dergestalt verlor Herr Fauconbridge , dessen Ahnen mit dem Eroberer gekommen waren , sein Erbe und sein Haupt durch die langmütige Barmherzigkeit des Kanzlers . Als dieser dem Könige später erzählte , er habe die verwegenen Pfade des rebellischen Barons von Anfang an gekannt und im Auge behalten , der König aber ihn fragte , warum er den Verräter nicht früher entlarvt habe , antwortete der Kanzler : › O Herr , wozu ? . . . Es regen sich unter dem Tun eines jeglichen unsichtbare Arme . Alles Ding kommt zur Reife und jeden ereilt zuletzt seine Stunde . ‹ VIII VIII Da begab es sich eines Tages , daß der König mit seinem Kanzler über Staatsgeschäften zusammensaß . Das war in einem Schlosse der Normandie . Der Herr ließ sich von mir den Becher füllen mit jenem leichten Schaumweine , den er liebte , und der Kanzler legte ihm den Inhalt der eben aus Engelland angelangten Botentasche vor . Einen Brief , an welchem das Siegel von Canterbury hing , behielt er bis zuletzt und sprach dann , denselben vor dem Könige entfaltend , in seiner ruhigen Art : › Der Primas von Canterbury ist zu Anfang verwichener Woche gestorben , erhabener Herr . ‹ – Herr Heinrich wunderte sich wenig darüber . Ohne etwas zu entgegnen , ließ er wohlgefällige Blicke auf dem Kanzler ruhen . › Er kränkelte schon lange ‹ , fuhr Herr Thomas fort , › doch glaubte ich ihn seinem Ziele noch nicht so nahe . Jetzt ist für dich , o König , und für die englische Staatsmacht die gelegene Zeit , die entscheidende Stunde gekommen , wo du das schädliche Geschwür deines