war , einen niedrigen Saal , der auf einen inneren Hof blickte , ein wenig benütztes , einsames Gelaß , das man die römische Kammer nannte . Denn die Büsten der sieben römischen Könige standen auf ehernen Säulen längs den Wänden . Sie sahen roh und abenteuerlich aus , hatten aber einen andern als künstlerischen Wert , da sie , aus dem reinsten Silber gegossen , einen beträchtlichen Hausschatz ausmachten . Sie blinkten seltsam in dem frühen Halbdunkel , denn es war heute der kürzeste Tag des Jahres , und den Hof verschleierte ein frühes Schneegestöber . Den selten geöffneten Saal machte ein im mächtigen Kamin flackernder Holzstoß auf ein paar Stunden wohnlich . Offenbar wurde ein feierlicher Akt vorbereitet , denn ein Tisch mit Schreibzeug war dem breiten dreiteiligen Fensterbogen gegenüber in die Mitte des Raumes gestellt , und zwei mit Wappen gekrönte Lehnstühle waren zugerückt . Gerade über dem Tische im mittleren Felde der mit Malerei geschmückten Täfeldecke ragte über einem scheuenden Zweigespann die verbrecherische römische Tullia und zerquetschte unter den Rädern ihrer Biga die Leiche des eigenen gemordeten Vaters . Aus dem nächsten Bilde aber streckte der von seinem Bruder Romulus erstochene Remus einen kolossalen Fuß heraus . Unter dieser Tullia und über sie pflegten Lucrezia und Angela , wenn sie im Sommer die Kühle dieses Saales suchten , in scherzhaften Streit zu geraten . Angela drohte dann in ihrer kindlichen Weise zu der blutigen Römerin empor und klagte sie ihrer unnatürlichen Verbrechen an : » Böse ! Warum mußte man dich im Gedächtnis behalten ? Warum wissen wir von dir , du Unhold ! Du bist kein Weib , Mörderin des Gatten und der Schwester ... Mörderin des Vaters ... Verführerin des Schwagers ! ... Widernatürliche ! Zauberin ! Teufelin ! ... « Dann lächelte Lucrezia , dem eifrigen Mädchen die heiße Wange streichelnd . » So ging es nicht zu « , flüsterte sie ihr ins Ohr ; » die berühmte Römerin verlor sich in einer Dämmerstunde an einen Mann , sein sündiger Geist fuhr in sie und sie wurde sein willenloses Werkzeug . So war es , glaube mir . Ich weiß es . « Leer und still war heute die römische Kammer , nur vom Hofe her tönte seit dem Mittag ein gedämpftes Hämmern und ein in unterdrückten Lauten geführtes Gespräch . Jetzt wird behutsam auf das verrostete Schloß der Eichentür gedrückt . Sie öffnet sich knarrend , und auf den Zehen tritt Angela ein mit ernsten Augen , in Trauer gekleidet , um das Kraushaar einen schwarzen Schleier geschlungen . Sie eilt ans Fenster , öffnet es und sieht im Hofe das die beiden Este erwartende Schafott sich erbauen . Drei Holzstufen , ein rohes Gerüst , das man jetzt mit dunkelrotem Tuche bedeckt , der schon oben stehende Block mit schwarzem Samt überkleidet und , alles leicht umhüllend , ein dünnes Schneegestöber ! Wollte es die Brüder in den ewigen Winter einladen ? Sie starrte auf die Gerichtsstätte nieder , da weckte sie ein leiser dringender Ruf dicht unter ihrem Fenster . » Prinzessin , nehmt Euch des armen Don Giulio an ! Bittet für ihn ! Verlangt Gnade ! « – Noch ein flehender Blick unter einem breiten Arbeiterhute hervor begegnete ihren suchenden Augen , dann verlor sich der Mitleidige schleunigst unter die andern Zimmerleute . Jetzt wurde von Dienern eine zweite , der nach dem Innern des Palastes führenden gegenüberliegende Tür geöffnet und eine richterliche Gestalt in fließender Toga eingeführt . Es war der Großrichter Herkules Strozzi , der etwas unmutig schien , Donna Angela zu erblicken statt des herzoglichen Paares , das er in der römischen Kammer zu finden erwartet hatte . Da das Mädchen in seiner Rechten eine mit Siegeln versehene Rolle sah , rief es entsetzt : » Das Todesurteil ! Ist es unwiderruflich ? « Der Richter antwortete gemessen : » Es ist noch nicht unterschrieben , doch zweifle ich nicht , daß die Gerechtigkeit Don Alfonsos es bestätigen wird . « » Gerechtigkeit ! Menschliche , nicht göttliche ! « sprach Angela . » Habt ihr vergessen , ihr Richter , auf wem die erste Schuld liegt ? Vergaßet ihr die Quelle der Verschwörung , den Greuel des Kardinals ? ... « » Das ist ein andrer Rechtsfall « , erwiderte Strozzi , den die Aufregung des Mädchens verstimmte , » und hat mit unsrer heutigen Sache nichts zu schaffen . « » O ihr Lügner und Heuchler ! « rief sie aus , » wenn jemand gerichtet werden soll , wahrlich , so bin ich schuldiger als Don Giulio ! « Der Richter schüttelte ungeduldig das Haupt . » Und die Herzogin ? Vertritt sie nicht die Gnade ? « fuhr sie fort . » Sie , auf die ich immer noch gezählt habe und die so große Macht über den Herzog ausübt ? « » Nicht in diesen prinzipiellen Rechtsfragen . Hier ist der Herzog unerschütterlich . Er ist überzeugt , wie von seinem Dasein , daß die Unverletzlichkeit der regierenden Person die Grundbedingung des neuen Fürstentums ist , wie es jetzt in Italien überall entsteht « , sagte Strozzi . » Mit der Begnadigung Don Ferrantes und Don Giulios würde er , glaubt der Herzog , den Untergang seiner Herrschaft besiegeln . Donna Lucrezia ist viel zu klug und hat sich von jeher gehütet , an eine persönliche Überzeugung des Herzogs zu rühren . « » Und Ihr ? « reizte sie ihn , » Strozzi , teilet denn Ihr zuungunsten Eures blinden Freundes die fürstlichen Überzeugungen des Herzogs ? « » Ich vertrete das Recht in seiner Strenge ! « versetzte der Richter stolz . Da wurde die breite , ins Innere des Palastes gehende Tür auseinandergeworfen , und es erschien der Herzog mit der Herzogin . Während sich Angela in die bergende Fensternische zurückzog , nahmen die Hoheiten nebeneinander auf den Sesseln Platz und ihnen gegenüber stand am Tische der Oberrichter und entfaltete seine Rolle . » Das Urteil