aber braucht Geld , — viel Geld , — denn Kränklichkeit ist eine kostspielige Sache . Das Kind war von Natur gesund , — es ist erst durch schlechte Pflege , ja durch Mißhandlung verkümmert . Sie überließen es einer nichtswürdigen Haushälterin , die ihm Alles versagte , was ein Kind braucht , um zu gedeihen , und jetzt gaben Sie der geschwächten jungen Natur einen Todesstoß , von dem sie sich schwerlich ganz erholen wird . Sie müssen also selbst fühlen , daß , wenn Sie Ernestinens Leben fast zerstörten , Sie ihr wenigstens die Mittel gewähren sollten , dereinst dies sieche Dasein auf jede denkbare Weise er ­ träglich zu machen und sich für die Schmerzen einer verwahrlosten Kindheit durch alle die Freuden zu ent ­ schädigen , welche der Reichtum gewährt ! “ Hartwich brach wieder in lautes Weinen aus . „ Ja , ja , Sie haben Recht , — Sie sind ein Ehren ­ mann , Herr Geheimerat . Aber wie kann ich mein Testament umstoßen , ohne Leutholds schlimmste Rache zu fürchten . Ach , Sie wissen nicht , welch ein gefähr ­ licher Feind er ist . “ — „ Ich weiß , ich weiß “ — unterbrach ihn Heim , mit dem Kopfe nickend , — „ er ist ein schlimmer Bursche , aber sagen Sie mir einmal , Herr von Hart ­ wich , was fürchten Sie von ihm ? Wird Sie dereinst der Fluch Ihres unglücklichen Kindes , wenn es am Leben bleibt , nicht schwerer treffen , als der Haß eines so elenden Subjekts wie Ihr Stiefbruder ? “ Hartwich wand und krümmte sich in seinem Bette : „ Wenn ich nur wenigstens die Fabrik schon verkauft hätte ! Wenn er erführe , daß ich ihn enterbte , er wäre im Stande , aus Rache den Verkauf zu hintertreiben und mir das ganze Unternehmen herunterzubringen — dann könnte das arme Kind noch mehr als die Hälfte seines Vermögens einbüßen ! “ Der Geheimerat legte die Hände mit der Dose übereinander und sah Hartwich lächelnd an . „ Wenn Sie weiter kein Bedenken haben , dann steht die Sache vortrefflich . Die Fabrik ist so gut wie verkauft , denn der Bruder der Frau Staatsrätin Möllner , Herr Neuenstein , brennt darauf , sie für seinen Sohn , der Chemiker ist , zu erstehen ; — er kennt Ihren Bruder und würde seine Ränke durchschauen.Übrigens braucht es Gleißert ja auch vor der Hand noch nicht zu erfahren . Sie machen das Testament ganz heimlich . Ich gebe Ihnen Tinte und Feder , wenn ich das Rezept für Ernestinchen aufschreibe , — Ihre Haushälterin schicken Sie augenblicklich fort , damit Sie unbewacht sind , denn der traue ich jeglichen Verrat zu und die Pflege des Kindes dürfen Sie ihr nicht mehr überlassen . Heute Nachmittag komme ich wieder und Sie legen die Schrift in meine Hand , — wo sie sicher ist ! Nun — wie gefällt Ihnen der Vorschlag ? “ „ Ja , ja , — rief Hartwich leidenschaftlich . — „ Das ist gut , — so kann ich es machen . Ach — es ist ja das Einzige , was ich für mein Kind noch tun kann — und ich will es tun . Schicken Sie die Gedike fort , verschaffen Sie sich schnell Papier und Tinte — so etwas soll man nicht aufschieben , keine Stunde länger , als nötig — ich fühl ’ s , ich bin ein übernächtiger Mann . Wenn diese Last von meiner Seele ist — sterbe ich ruhiger ! “ — Heim ging sogleich hinaus , um das Schreibmaterial zu holen ; denn er wußte besser als der Kranke selbst , daß hier kein Aufschub geraten sei . Die Mäd ­ chen suchten das Geforderte zusammen und er sah einen Augenblick nach Ernestinen , während der Chirurg ging , um frisches Eis zu Umschlägen zu holen . Sie lag unruhig lallend und stöhnend da . Er beobachtete sie liebevoll und sprach froh vor sich hin : „ Du armes Kind , — Du sollst von nun an bessere Tage haben ! “ Dann begab er sich zu Frau Gedike , um ihr Hartwichs Willen zu verkünden und stellte Rieke , die älteste der andern Mägde , die ihm gefiel , als Ernestinens Wärterin an . Als er wieder bei Hartwich eintrat , fand er diesen in höchster Aufregung . Sein Gesicht war hochrot , seine Adern angeschwollen . „ Wo bleiben Sie so lange ? “ rief er dem Geheimerat entgegen , — „ ich war schon in Angst , der Schlag könnte mich treffen — ich hatte Kongestionen wie damals ! — So , geben Sie die Schreibsachen her — es wäre furchtbar , wenn ich jetzt stürbe , be ­ vor ich mein Verbrechen gesühnt . — Helfen Sie mir auf , bitte , Herr Geheimerat — aber rühren Sie meinen kranken Arm nicht an , — o , dieser Schmerz ! So , — so — ich danke Ihnen . — Jetzt die Feder ! Ich habe mir , während Sie draußen waren , alles überlegt , wie ich ’ s anfangen will , daß er mich nicht wortbrüchig nennen kann , und daß er ’ s das arme Ernestinchen nicht entgelten läßt , wenn ich etwa jetzt sterben sollte , — Ach Luft — Herr Geheimerat — öffnen Sie ein Fenster . Wenn ich nur erst geschrieben habe — dann wird mir leichter werden ! Dann werd ’ ich ruhiger . “ So sprach der Kranke in atemloser Hast , während große Schweißtropfen von seiner Stirne rieselten . „ Nur ruhig , ruhig ! “ sagte der Geheimerat . „ Sie sterben noch nicht so bald , aber mit dieser Aufregung machen Sie sich krank . “ „ Ach Sie sind gut , — Sie wollen mich trösten , aber ich fühl ’ s , diese Nacht hat auch mir den Todes ­ stoß gegeben , —