eine Haltung wie aus einem Guß zu geben . Der Kronprinz sah seine Anstrengungen belohnt . Sein Regiment bewährte sich gleich bei der ersten Revue so glänzend , daß es durch Erscheinung und Exerzitium allgemeine Bewunderung erregte . Die neue Uniform , in der es erschien , war der von des Königs Grenadierregiment ähnlich , aber mit silberner Stickerei und karmesinfarbenen Aufschlägen . 14 Der strenge Vater war befriedigt . Kaum minder als der » Dienst « beschäftigte ihn die Verschönerung der Stadt . Daß Ruppin bis diesen Augenblick sich seines » Walls « , eines prächtigen , mit schönen und zum Teil sehr alten Bäumen bepflanzten Promenadenweges erfreut , ist des Kronprinzen Verdienst . Hier erwies er sich , von einem richtigen Gefühl geleitet , ausnahmsweise als Konservator , während er ja im allgemeinen den Geschmack seiner Zeit teilte , die sich eitel darin gefiel , an die Stelle des poetisch Mittelalterlichen , die Flachheit des Kasernenbaus oder die Schnörkelei des Rokoko zu setzen . Drei Wälle hatten in alter Zeit die Stadtmauer zu weiterem Schutz umgeben . Schon während der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war mit Abtragung dieser Wälle begonnen und das dadurch gewonnene Land als Gartenland parzelliert worden . Kaum aber war der Kronprinz in Ruppin erschienen , so erkannte er , welchen Schmuck man auf dem Punkte stand , der Stadt zu rauben . Dies erkennen und dagegen einschreiten war eins . Die Miscellanea historica unseres Gewährsmannes , des Dr. Bernhard Feldmann , geb . 1704 in Berlin , gest . 1776 in Neu-Ruppin , enthalten darüber folgendes : » Schon 1732 inhibirte S. K. Hoheit die Abtragung und konservirte also die noch übrigen , land-oder nordwärts vom Rheinsbergischen bis zum Berliner Thore gelegenen Wälle , so noch stehen und mit alten Rüstern , Eichen , Buchen , Haseln usw. bewachsen sind ; auch ließ sie der Kronprinz mit vielerlei Sorten Bäumen bepflanzen und an ihrem Ende ( beim Berliner Thore ) mit einem schönen Garten zieren , wodurch der › Wall ‹ zum angenehmsten , beschatteten Spaziergang voll Nachtigallen geworden ist . « Kronprinz Friedrich hatte vier volle Jahre , von 1732 – 1736 , seinen festen Wohnsitz in Ruppin , aber nur während des ersten Jahres gehörte er dem Ruppiner Stilleben mit einer Art Ausschließlichkeit an . Vom Juni 1733 an drängten sich die Ereignisse , die ihn oft monatelang und länger von » Haus und Garten , die ihm lieb geworden waren « fernhielten . Seiner Vermählung im Juni 1733 folgte vier Monate später die Erwerbung Rheinsbergs und ehe noch der Umbau des Rheinsberger Schlosses zur Hälfte beendet war , führte die Wiedereröffnung der Feindseligkeiten zwischen Frankreich und dem Kaiser ( im Sommer 1734 ) unseren Kronprinzen an den Rhein . Am 7. Juli war er in Wiesenthal , wo der Generalleutnant von Röder mit den preußischen Truppen im Lager stand . Aber » im Kaiserlichen Heere war nur noch der Schatten des großen Eugen « , der einundsiebenzigjährige Held hatte sich überlebt . Philippsburg ging verloren ; das tatenlose Hin- und Herziehen ward unerträglich , und ausgangs Oktober erblicken wir den Prinzen wieder daheim in seiner » geliebten Garnison « . Zweierlei hatte ihm der lorbeerarme Kriegszug eingetragen ; zunächst und allgemein einen Einblick in die Schwächen der Kaiserlichen Armee , daneben speziell und allerpersönlichst – einen Freund . Dieser Freund war Chazot . Wie das Jahre 1734 einen längeren Aufenthalt am Rhein gebracht hatte , so brachte das folgende Jahr eine mehrmonatliche Reise nach Ostpreußen . Uns aber beschäftigen diese Ausflüge nicht , wir halten uns vielmehr innerhalb der Bannmeile von Ruppin und versuchen ein Bild dieser späteren Ruppiner Tage . Das Rheinsberger Schloß schmückt und erweitert sich mehr und mehr , der Tag der Übersiedelung jedoch ist noch fern und die bescheidenen Ruppiner Räume müssen zunächst noch genügen . Die Stadtwohnung läßt viel zu wünschen übrig , aber es bedrückt nicht , denn wenigstens die Sommermonate gehören dem » Garten am Wall « . Hier lebt er heitere , mußevolle Stunden , die Vorläufer jener berühmt gewordenen Tage von Rheinsberg und Sanssouci . Allabendlich , nach der Schwere des Dienstes , zieht es ihn nach seinem » Amalthea « 15 hinaus . Der Weg durch die häßlichen Straßen der alten Stadt ist ihm unbequem , so hat er denn für ein Mauerpförtchen Sorge getragen , das ihn unmittelbar aus dem Hofe seines » Palais « auf den Wall und nach kurzem Spaziergang unter den alten Eichen in die lachenden Anlagen seines Gartens führt . Da blüht es und duftet es ; Levkojen und Melonen werden gezogen , und auf leise ansteigender Erhöhung erhebt sich der » Tempel « , der Vereinigungspunkt des Freundeskreises , den der Kronprinz hier allabendlich um sich versammelt . Das Souterrain enthält eine Küche , der » Tempel « selbst aber ist einer jener oft abgebildeten Pavillons , die auf sechs korinthischen Säulen ein flachgewölbtes Dach tragen und sich in den Parks und Gärten jener Epoche einer besonderen Gunst als Eßzimmer erfreuten . Der Mond steht am Himmel , in dem dichten Gebüsch des benachbarten Walls schlagen die Nachtigallen , die Flamme der Ampel , die von der Decke herabhängt , brennt unbeweglich , denn kein Lüftchen regt sich , und keine frostig abwehrende Prinzlichkeit stört die Heiterkeit der Freunde . Noch ist kein Voltaire da , der seine Pikanterien mit graziöser Handbewegung präsentiert , noch fehlen die Algarotti , d ' Argens und Lamettrie , all die berühmten Namen einer späteren Zeit , und Offiziere seines Regiments sind es zunächst noch , die hier der Kronprinz um sich versammelt : von Kleist , von Rathenow , von Knobelsdorff , 16 von Schenkendorff , von Gröben , von Buddenbrock , von Wylich , vor allem – Chazot . 17 Das Leben , das er mit diesen Offizieren führte , war frei von allen Fesseln der Etikette , ja ein Übermut griff Platz , der unseren heutigen Vorstellungen von Anstand und guter Sitte kaum noch entsprechen