Nun , sagen wir zwei « , lachte Hradscheck . » Aber mehr nicht , auf Ehre . Und daß davon keine Seide zu spinnen ist , das wissen Sie . Keine Seide zu spinnen und auch keine Paläste zu bauen . Also so billig wie möglich , Buggenhagen . Ich denke , wir nehmen Lehm als Füllung . Stein ist zu schwer und zu teuer , und was wir dadurch sparen , das lassen wir der Einrichtung zugute kommen . Ein paar Öfen mit weißen Kacheln , nicht wahr ? Ich habe schon an Feilner geschrieben und angefragt . Und natürlich alles Tapete ! Sieht immer nach was aus und kann die Welt nicht kosten . Ich denke , weiße ; das ist am saubersten und zugleich das billigste . « Buggenhagen hatte zugestimmt und gleich nach Ostern mit dem Umbau begonnen . Und nicht allzu lange , das Wetter hatte den Bau begünstigt , so war das Haus , das nun einen aufgesetzten Stock hatte , wieder unter Dach . Aber es war das alte Dach , die nämlichen alten Steine , denn Hradscheck wurde nicht müde , Sparsamkeit zu fordern und immer wieder zu betonen , » daß er nach wie vor ein armer Mann sei « . Vier Wochen später standen auch die Feilnerschen Öfen , und nur hinsichtlich der Tapete waren andere Beschlüsse gefaßt und statt der weißen ein paar buntfarbige gewählt worden . Anfangs , solange das Dach-Abdecken dauerte , hatte Hradscheck in augenscheinlicher Nervosität immer zur Eile angetrieben , und erst als die rechts nach der Kegelbahn hin gelegene Giebelwand eingerissen und statt der Stuben oben nur noch das Balken- und Sparrenwerk sichtbar war , hatte sich seine Hast und Unruhe gelegt , und Aufgeräumtheit und gute Laune waren an Stelle derselben getreten . In dieser guten Laune war und blieb er auch , und nur ein einziger Tag war gewesen , der ihm dieselbe gestört hatte . » Was meinen Sie , Buggenhagen « , hatte Hradscheck eines Tages gesagt , als er eine aus dem Keller heraufgeholte Flasche mit Portwein aufzog . » Was meinen Sie , ließe sich nicht der Keller etwas höher wölben ? Natürlich nicht der ganze Keller . Um Gottes willen nicht , da blieb ' am Ende kein Stein auf dem andern , und Laden und Wein- und Wohnstube , kurzum alles müßte verändert und auf einen andern Leisten gebracht werden . Das geht nicht . Aber es wäre schon viel gewonnen , wenn wir das Mittelstück , das grad unter dem Flur hinläuft , etwas höher legen könnten . Ob die Diele dadurch um zwei Fuß niedriger wird , ist ziemlich gleichgültig ; denn die Fässer , die da liegen , haben immer noch Spielraum genug , auch nach oben hin , und stoßen nicht gleich an die Decke . « Buggenhagen widersprach nie , teils aus Klugheit , teils aus Gleichgültigkeit , und das einzige , was er sich dann und wann erlaubte , waren halbe Vorschläge , hinsichtlich deren es ihm gleich war , ob sie gutgeheißen oder verworfen wurden . Und so verfuhr er auch diesmal wieder und sagte : » Versteht sich , Hradscheck . Es geht . Warum soll es nicht gehn ? Es geht alles . Und der Keller ist auch wirklich nicht hoch genug ( ich glaube keine fünftehalb Fuß ) und die Fenster viel zu klein und zu niedrig ; alles wird stockig und multrig . Muß also gemacht werden . Aber warum gleich wölben ? Warum nicht lieber ausschachten ? Wenn wir zehn Fuhren Erde rausnehmen , haben wir überall fünf Fuß im ganzen Keller , und kein Mensch stößt sich mehr die kahle Platte . Nach oben hin wölben macht bloß Kosten und Umstände . Wir können ebensogut nach unten gehn . « Hradscheck , als Buggenhagen so sprach , hatte die Farbe gewechselt und sich momentan gefragt , » ob das alles vielleicht was zu bedeuten habe ? « Bald aber von des Sprechenden Unbefangenheit überzeugt , war ihm seine Ruhe zurückgekehrt . » Wenn ich mir ' s recht überlege , Buggenhagen , so lassen wir ' s. Wir müssen auch an das Grundwasser denken . Und ist es so lange so gegangen , so kann ' s auch noch weiter so gehn . Und am Ende , wer kommt denn in den Keller ? Ede . Und der hat noch lange keine fünf Fuß . « Das war einige Zeit vor Beginn der Manöver gewesen , und wenn es ein paar Tage lang ärgerlich und verstimmend nachgewirkt hatte , so verschwand es rasch wieder , als Anfang September die Truppenmärsche begannen und die Schwedter Dragoner als Einquartierung ins Dorf kamen . Das Haus voller Gäste zu haben war überhaupt Hradschecks Vergnügen , und der liebste Besuch waren ihm Rittmeister und Lieutenants , die nicht nur ihre Flasche tranken , sondern auch allerlei wußten und den Mund auf dem rechten Fleck hatten . Einige verschworen sich , daß ein Krieg ganz nahe sei . Kaiser Nikolaus , Gott sei Dank , sei höchst unzufrieden mit der neuen französischen Wirtschaft , und der unsichere Passagier , der Louis Philipp , der doch eigentlich bloß ein Waschlappen und halber Cretin sei , solle mit seiner ganzen Konstitution wieder beiseite geschoben und statt seiner eine bourbonische Regentschaft eingesetzt oder vielleicht auch der vertriebene Karl X. wieder zurückgeholt werden , was eigentlich das beste sei . Kaiser Nikolaus habe recht , überhaupt immer recht . Konstitution sei Unsinn und das ganze Bürgerkönigtum die reine Phrasendrescherei . Wenn so das Gespräch ging , ging unserm Hradscheck das Herz auf , trotzdem er eigentlich für Freiheit und Revolution war . Wenn es aber Revolution nicht sein konnte , so war er auch für Tyrannei . Bloß gepfeffert mußte sie sein . Aufregung , Blut , Totschießen – wer ihm das leistete , war sein Freund , und so kam es , daß er über Louis Philipp mit zu Gerichte