sich und küßten sich . Eine kurze , selige Minute . Dann aber schreckte sie Geräusch von Flur oder Treppe her auseinander , und nur noch einmal klang es leise : » Gute Nacht ! « Und » Gute Nacht ! « klang es ebenso zurück . 10. Kapitel . Sonntag früh Zehntes Kapitel Sonntag früh Der Heidereiter war am anderen Morgen zeitig auf . Er liebte sonntags früh eine ruhige Betrachtung und einen inspizierenden Gartenspaziergang , an dem er um so lieber festhielt , als ihm die Woche die Gelegenheit dazu nicht gönnte . Das wußte jeder im Haus , und natürlich auch Hilde , die , so wenig sie sich persönlich aus Gartendienst und Blumen machte , doch immer emsig beflissen war , alles fortzuschaffen , was des gestrengen Spaziergängers gute Laune hätte stören können . Und so war es auch heut , und der Alte freute sich der überall herrschenden Ordnung . Die Wege waren geharkt , das Unkraut gejätet , und innerhalb der noch grünen Buchsbaumrabatten blühten ihm Astern und andere Herbstblumen entgegen . Auf dem Levkojen-und Resedabeet erkannt er wohl , daß es geplündert worden war , aber er wußte ja , weshalb , und lächelte nur und war der Unordnung eher froh als nicht . Und zuletzt kam er auch an ein kleines Rondel , drin neben den rotstengligen Balsaminen allerhand Rittersporn stand , und er pflückte davon und wollte sich eine der blauen Blüten ins Knopfloch stecken . Aber er besann sich eines anderen wieder und warf sie fort . Indem war Grissel aus dem Hof in den Garten gekommen und hatte dem Heidereiter kaum erst ihren guten Tag geboten , als dieser auch schon bemerkte , daß das aus dem Garten ins Feld führende Gatter bloß angelehnt und nicht geschlossen war . Das verdroß ihn oder war ihm wenigstens nicht recht , und er warf im Gespräch hin : ein Heidereiter habe viel Feindschaft und dürfe das Gesindel nicht eigens noch einladen , ihm die Blumenbeete zu zertreten oder die Äpfel von den Bäumen zu stehlen . Und so ging es noch eine Weile fort . » Aber das ist der Joost « , schloß er endlich . » Der kann ' s nicht bequem genug haben und will sich partout die fünfzig Schritte sparen . Er soll ' s aber nicht . Er soll den großen Weg nehmen oder die Hecke . « » ' s ist nicht der Joost « , sagte Grissel . » Joost ist ein Gewohnheitstier und geht immer die große Straße . « » Nun ? « » ' s ist unsere Hilde ; die geht hier , wenn sie nach den Sieben-Morgen will . « » Und was hat sie da ? « » Nun , da sind ja doch unsere drei Küh oben ; und wenn ' s ihr paßt , da setzt sie die Butt auf den Kopf und den Arm in die Hüft , und heidi geht ' s in die Höh . Und sie weiß wohl , es kleidet ihr , und das Mannsvolk sieht ihr nach . .. Oh , sie kann schon , wenn sie will ! Es muß sich ihr bloß verlohnen . Und das muß wahr sein , wenn sie so geht , so prall und drall , ist es gar nicht die Hilde mehr . « All das hörte Baltzer nicht gern , und er sah sie scharf an . Aber sie kannte seine Schwächen , und weil sie sie kannte , hatte sie keine Furcht vor ihm . Und nun gar heute ; wenn sie sich auch gefürchtet hätte , es brannt ihr zu vieles auf der Seele , was herunter mußte . » Ja , Heidereiter , Ihr habt es ja selber so gewollt , als Ihr damals ein Frölen aus ihr machen wolltet und als sie mit eins zu gut für die Grissel war , obwohlen ich ehrlicher Leute Kind bin und einen richtigen Namen habe , was nicht jeder von sich sagen kann . Ja , ja , Heidereiter , damals , als sie mit eins die Kammer allein haben mußt und ich in die Küche kam oder doch dicht daneben . Und das alles mitten im Sommer und immer die warme Wand und die Sonne von vier Uhr morgens . Und sowie die Sonne da war , waren auch die Fliegen da und summten und brummten , und waren auch Stechfliegen dabei , weil es das Hoffenster ist , kleine , rote , die giftig sind und wo einem die Hand abgenommen werden kann . Und ich habe keine Nacht geschlafen . « » Aber bist doch nicht abgefallen « , sagte der Heidereiter in einem Tone , darin sich gute und schlechte Laune die Waage hielten , und setzte dann , während er , ohne recht zu wissen , was er tat , ein paar Samenkapseln abbrach und die Körner in seine Hand schüttete , hinzu : » Und nun sage mir , was soll das ? Was meinst du ? « » Was ich meine ? Daß Ihr selber schuld seid , Heidereiter , schuld mit Eurer neuen Einrichtung und mit allem ... Und du lieber Himmel , die Milchwirtschaft ! Ja , da hat sich was mit Milchwirtschaft , und ich möchte wohl sehen , wie ' s damit stünd ohne die Rentschen oder ohne die Christel . Aber versteht sich , immer so getan , als ob es was wär , und immer geklappert und immer unterwegs und immer auf die Sieben-Morgen . Und da sitzen sie . « » Wer ? « fragte Baltzer , in dem der Ärger allmählich das Übergewicht gewann . » Wer ? Nu , mein Gott , wer ! Der alte Melcher sitzt da , mit seinem Kamm unterm Hut und mit seinem Hochmut unterm Hut . Und ist auch gut , daß er ihn festhält , er könnt ihm sonst wegfliegen . Und ist eine alte Geschichte , daß die