alles im richtigeren Maßstab . « » Gewiß , gewiß , « sagte der Ta-jen , » aber es ist am Ende doch sicherer , wir schreiben ein bißchen was darüber , damit uns nachher zu Hause nichts vorgeworfen werden kann , wenn wirklich etwas mehr aus alledem entstehen sollte . « Der erste Sekretär frug nun , was der Bischof denn eigentlich mitgeteilt habe , und der Ta-jen antwortete : » Oh , er hat mir recht merkwürdige Dinge erzählt . Die Kaiserin hat doch , wie schon neulich in der » Pekinger Zeitung « stand , die Verbannung des gelehrten alten Weng tung ho aus Peking durchgesetzt . Als Grund wurde in dem Edikt angegeben , er habe es nicht verstanden , dem Kaiser die Klassiker genügend zu erklären . In Wahrheit aber ist diese Maßregelung auf den Haß von Tzü Hsis großem Günstling , dem militärischen Befehlshaber Tientsins , Yung Lu , zurückzuführen . Dieser Haß soll daher stammen , daß in einer Zeit , da Tzü Hsi allen Grund hatte , anzunehmen , daß Yung Lu sich an ihrer Huld genügen lasse , Weng tung ho ihr den Beweis erbrachte , daß Yung Lu zu einer Hofdame Beziehungen unterhalte , die in diesem Fall ihren kaiserlichen Augen besonders unerlaubt erscheinen mußten . Yung Lu hat das Weng tung ho nie vergessen , denn er hat lange unter dem eifersüchtigen Groll der Kaiserin zu leiden gehabt . Jetzt aber , nach vielen Jahren , wo Tzü Hsi ihm verziehen , hat er ihre Abneigung gegen die Reformer benutzt , und so ist es ihm gelungen , sich an Weng tung ho zu rächen . Seitdem nun aber der doch immerhin sehr mäßigende alte Weng tung ho in sein Heimatsdorf verschwinden mußte , ist der Kaiser , zum Teil wohl aus einem gewissen Trotz gegen die herrische Tante , dem viel radikaleren Kang yu wei erst recht verfallen . « » Wie kann er nur an diesen unpraktischen Phantasten glauben ! « rief der Sekretär . » Nach all den von ihm inspirierten Edikten muß ja dieser Kang yu wei ein bloßer Phrasenheld sein , der abgedroschene Leitartikel liberaler europäischer Blätter hier als große Geistesneuheiten verzapft . « » Ja , « sagte der Gesandte , » so schildern ihn auch die dem Bischof unterstellten Missionare , die ihn früher in Kanton gekannt haben . Außerdem bezeichnen sie ihn aber auch als einen Ehrgeizigen . Und der Bischof geht sogar so weit , zu behaupten , daß Kang yu wei letzten Endes eine Republik anstrebe . « » Aber das ist ja zum Lachen , Exzellenz , « rief der Sekretär , » eine chinesische Republik ? Das erlebt keiner von uns ! « » Auf alle Fälle « , sagte der Gesandte , » scheint dieser plötzliche Emporkömmling eine gewisse Menschenkenntnis zu besitzen , denn er hat den Kaiser in seiner körperlichen Schwächlichkeit und emotionellen Wesensart sofort als leicht lenksames Werkzeug seiner Pläne , was sie nun auch sein mögen , eingeschätzt , aber in der alten Kaiserin erkennt er ein sehr anderes Temperament und sieht in ihr seine wirklich gefährliche Gegnerin . Deshalb soll er auch alles tun , um den Kaiser gegen seine Tante noch weiter aufzuhetzen . Bisher hat Tzü Hsi die Dinge gehen lassen , weil sie sich nicht persönlich gefährdet fühlte . Aber das soll jetzt anders geworden sein . Seit kurzem zirkulieren nämlich Spottgedichte über sie , die aus Kanton stammen , und die Kang yu wei dem Kaiser in die Hände gespielt hat . Durch diese Aeußerungen , die er dem Kaiser als Ausdruck der allgemeinen öffentlichen Meinung darstellt , möchte er ihn dazu bringen , Tzü Hsi plötzlich festnehmen zu lassen und der Möglichkeit allen weiteren Einflusses auf die Regierung zu berauben . Der Bischof sagt , wahrscheinlich habe Tzü Hsi schon jetzt genaue Kunde von all diesen Umtrieben , denn die junge Kaiserin , die auch eine Nichte Tzü Hsis ist , und mit ihrem Gemahl ja in ständigem Unfrieden lebt , weil sie von ihm zugunsten der Perl-Konkubine völlig vernachlässigt wird , hinterbringe ihr alles . Sobald aber Tzü Hsi weiß , daß gegen sie persönlich ein Anschlag im Werke ist , erwartet der Bischof , daß sie vernichtend dazwischen fahren wird . « » Mit was für Mitteln sollte denn aber der Kaiser die Festnahme Tzü Hsis ausführen lassen wollen ? « warf der Sekretär ein . » Man sagt doch , im Sommerpalast sei sie von zahlreichen Wachen umgeben , und das nächste Militär steht ja gerade unter Befehl dieses Yung Lus . Na , und wenn der heute auch wohl nicht mehr in zärtlichen Beziehungen zu ihr steht , so würde er doch wohl in jedem Konflikte bestimmt zu ihr halten ? « » Ja , das habe ich dem Bischof auch eingewendet , « antwortete der Gesandte , » ihm ist aber aufgefallen , daß der Kaiser in letzterer Zeit einen gewissen Yüan schih kai empfangen hat . Gleich darauf ist dann ein Edikt zur Reorganisation des Heeres erschienen , und dieser Yüan schih kai ist zum Präsidenten der damit beauftragten Kommission ernannt worden . Der Bischof glaubt nun , daß das derjenige sei , den der Kaiser ausersehen hat , ihm bei dem Anschlag zu dienen . Es soll ein Günstling Li hung changs sein , der rasche Karriere gemacht hat . Wissen Sie etwas von dem Mann ? « » Leider nein , Exzellenz , « antwortete der Sekretär , » es ist ja überhaupt schon schwer , sich nur all die verwünschten Namen dieser Leute zu merken . « » Ja , ja , « sagte der Gesandte , » und aussehen tun sie für unsere Augen auch alle ziemlich gleich . Na , was nun auch kommen mag , ich denke , China wird China bleiben , und wir werden hier in gewohnter Weise unsere Geschäfte weiter machen . « Und dann setzte er hinzu , indem er dem